Freitag, 28. Juni 2013

Wie viele Ehen?

Das Oberste Gericht in den USofA hat entschieden, daß gleichgeschlechtlichen Ehepartnern in den Staaten, in denen gleichgeschlechtliche Ehen zugelassen sind, die gleichen Rechte zustehen sollen wie Partnern in traditionellen Ehen.

Jetzt heißt es auf der einen Seite: "Endlich wird das gleich behandelt, was gleich ist! Nächstes ziel: Vielehe!" Auf der anderen Seite heißt es: "Blödsinn! Es gibt gar keine gleichgeschlechtliche Ehe und auch keine Vielehe, weil die Kriterien für Ehe in diesen Formen nicht erfüllt werden!"

Was die Frage aufwirft: Haben sich in unserer Gesellschaft mittlerweile unzählige Definitionen von Ehe eingeschlichen, so daß die Leute zwangsläufig aneinander vorbeireden müssen? Oder geht es eigentlich gar nicht mehr darum was die Ehe ist, sondern darum, daß möglichst viele Leute sich in ihrem Okaysein bestätigt fühlen?

Schauen wir doch mal schlicht auf die Natur der Dinge: Für zwei Männer oder zwei Frauen, die sich das Ja-Wort geben wollen, hält der Bus natürlich an der Station "Zum gemeinsamen Leben (vielleicht inkl adoptierter oder leihgemutterter/spermagespendeter Kinder)". Zu zweit eigene Kinder zeugen: Fehlanzeige! Also MÜSSEN sie sich mit dem Ehe-Begriff zufriedengeben, so wie sie ihn verstehen.

Dann gehen diejenigen, die befürchten, daß unsere Gesellschaft durch Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Ehe Schaden nehmen könnte, hin und sagen: "Schaut doch mal hier! Das Modell 'Traditionell'! SOOOO muß Ehe aussehen!"

Dann kriegen sie zur Antwort: "Wie jetzt? Scheidung nach nulleinhalb Sekunden? Swingerclubs und Seitensprünge? Kinder bestenfalls optional, häufig auch störend? Abtreibungszahlen durch die Zimmerdecke? Gott als notwendiges, kleines 'Bis das der Tod euch scheidet'-Anhängsel einer pompös-verweltlichten Party in einem geweihten Haus, welches man später in der Regel eh nicht wieder besucht?"

Das, was die Ehe IST, ist heute immer noch so viel Wert, wie es jemals war, wenn wir die Ehe denn wirklich als Sakrament, Wachstumszelle der Gesellschaft und Beitrag zum Gemeinwohl verstehen. Das, was aus der Ehe teilweise GEMACHT WURDE, ist ein Witz. Daß da viele andere mitlachen wollen und daß die "Ich geb' dir deine Bestätigung, du gibst mir deine Stimme"-Politik dazu freundlich nickt, das wundert mich eigentlich nicht.

Kommentare:

F. M. hat gesagt…

Was die Frage aufwirft: Haben sich in unserer Gesellschaft mittlerweile unzählige Definitionen von Ehe eingeschlichen, so daß die Leute zwangsläufig aneinander vorbeireden müssen?

Meinen Sie mit "unserer Gesellschaft" eine geschlossene Gesellschaft, in der die Doktrin der römisch-katholischen Kirche per allgemein gültigen Straf- und Zivilgesetzen durchgesetzt wird, lautet die Antwort nein, weil es so eine Gesellschaft nicht gibt und auch in der Geschichte nur selten anzutreffen war.
Meinen Sie mit "unserer Gesellschaft die ganze Menschheit, lautet die Antwort nein, weil die römisch-katholische Vorstellung von Ehe schon immer nur eines unter vielen Ehe- und Lebensmodellen weltweit war und ist.
Das beginnt nicht erst bei Familienverbänden der grauen Vorzeit, in der viele Frauen. Männer und Kinder miteinander Familie waren und endet noch lange nicht bei der Mehrfachehe des Islam und der katholischen Idealvorstellung einer absoluten, lebenslangen Monogamie.

damasus hat gesagt…

Tja F.M., wenn man die vorsteinzeitliche Gesellschaft als Idealform betrachten möchte, zurück zu den Keulen, dann könnten Sie vielleicht Recht haben.
Und die Idee der monogamen Ehe eines Mannes mit einer Frau und gemeinsamen Kindern ist wohl nur in Ihrer Phantasie allein an die römisch-katholische Kirche gebunden.
Etwas Falsches wird nicht dadurch richtig- daß man behauptet, es sei richtig und so ist es auch mit den diversen Formen der mariage pour tous- aller mit allen. Es wir nie eine Ehe daraus, egal was ihre Propagandisten sagen.

F. M. hat gesagt…

Tja Damasus, anscheinend wird der römisch-katholische Klerus von der Mehrheit der Menschen in Fragen der Ehe nicht unbedingt für eine erste Adresse gehalten.

Aber sagen Sie selbst, ist eine steinzeitliche Familie Ihren katholischen Ehe- und Gross-Familienidealen nicht viel, viel näher, als die neue deutsche Wirklichkeit einer Kleinfamilie?

Und dass auch andere Menschen das römisch-katholische Eheideal für gut und richtig halten, muss ja nicht heißen, dass alle Menschen hienieden diesem Ideal anhängen müssen.
Und schon gar nicht, dass man allen Menschen diese von der katholischen Kirche einzige gewünschte Form der Ehe, per Gesetzbuch aufzwingen muss.

Die katholische Wunschfamilie in der katholisch propagierten Form, Papa draussen in der weiten Welt, Geld verdienend, Mama mit den Kindern in der Kirche und in der Küche am Herd ist doch mehr oder weniger eine Erfindung des deutschen Heimatfilms der Fünfziger Jahre.

Familie war schon immer sehr vielgestaltig und bunt wie eine Patchworkdecke. Und auch die Mama, Mama, Kind-Familie gabs zur Heimatfilmzeit schon. Man durfte nur nicht drüber reden. Nur bei Männern war man da giftiger eingestellt mit dem 175er, einem Relikt aus der Nazizeit.

Alipius hat gesagt…

@ F.M.: Okay, erst einmal Kudos, daß es immerhin bis zum zweiten Kommentar gedauert hat, bis die Nazi-Keule ausgepackt wurde.

Zur Beantwortung der Fragen aus dem ersten Kommentar: Mit "unserer Gesellschaft" meine ich weder das Eine noch das Andere. Mit "unserer Gesellschaft" meine ich die Gesellschaft, in der wir im Moment leben, die vor dem Hintergrund der sich selbst zugesprochenen Aufgeklärtheit nüchtern die Natur der Dinge betrachten kann und darf und eigentlich zu dem Schluß kommen sollte, daß zur Familie Kinder gehören. Deswegen habe ich bei "traditionellen" Ehepaaren, die sich zur Kinderlosigkeit entscheiden, obwohl sie nicht zur Kinderlosigkeit gezwungen sind, ein ebenso mulmiges Gefühl wie bei gleichgeschlechtlichen Paaren, deren Beziehung von Natur aus nicht auf das Kinderkriegen ausgerichtet ist. Ich denke zudem, daß es einem Kind gut tut, wenn es von einem Mann und einer Frau großgezogen wird, weswegen mir alleinerziehende Eltern ebensolche Sorgen bereiten wie gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern. Das ist bei mir der Stand der Dinge. Ich erhebe allerdings nicht den Anspruch, dies mit Straf- und Zivilrecht durchboxen zu wollen sondern vertraue weiterhin auf das Gebet und den gesunden Menschenverstand.

Le Penseur hat gesagt…

@F.M.

... mit dem 175er, einem Relikt aus der Nazizeit

Falsch. Den gab's schon seit 1872 (als das Adi noch nicht geboren, ja nicht mal im entferntesten auch nur geplant war).

Sie meinen den § 175a StGB.

Familie war schon immer sehr vielgestaltig und bunt wie eine Patchworkdecke.

Auch das ist eine unsubstantiierte Behauptung. Es gab bislang und gibt außerhalb der westlichen Welt keine einzige (!) Hochkultur, in der Ehescheidungen und uneheliches Kinderkriegen so sehr piepegal waren, wie hierzulande heute. Richtig ist, daß das Ideal einer absoluten lebenslangen Monogamie anderswo und zu anderen Zeiten mit bestimmten (sic!) Einschränkungen gelebt wurde.

Aber die Libertinage unserer Zeit kontrastiert höchst seltsam zur, pardon l'expression, grün-feministischen Klemmf*tzigkeit, die aus einem ungelenken Kompliment eines ältlichen Politikers (»Sie können auch ein Dirndl ausfüllen«) bereits einen Rücktrittsgrund wegen »Sexismus« bastelt.

Ehebruch und uneheliche Kinder gab's immer und wird's immer geben. Ebenso Schwuchteln und Lesben, Exhibitionisten und Voyeure. Und natürlich auch ein paar, die sich an Auspeitschen & -werden, Anpinkeln & -werden usw. delektieren.

Aber die Ungeniertheit, mit der gefordert wird, daß wir das alles ganz normal und überhaupt als das beste seit der Erfindung des Kaugummis ansehen sollen, ist weit eher ein Zeichen von Kulturverfall, als eine großartige Errungenschaft!

Die psychischen Dauerfolgen bei Scheidungswaisen sind ein zwar totgeschwiegenes, aber bestens bekanntes Problem (jeder braucht sich nur ein bisserl im Bekanntenkreis umzusehen — ohne Scheuklappen, allerdings ...).

Aber »Patchwork« klingt halt so cool und zeitgeistig. Es heißt aber übersetzt nicht anderes als »Flickwerk«. Und genau das ist es. Manchmal halt unvermeidlich, wie z.B. eine geflickte Hose. Aber nichts, was man als Ideal preisen könnte ...