Montag, 3. Juni 2013

Heute vor 50 Jahren...

... verstarb "Il Papa Buono", der Selige Papst Johannes XXIII.

Grund genug, mal wieder ein kleines Papsting zusammenzustellen...






Kommentare:

smilodon hat gesagt…

Was mich bei der Präsentation von Johannes XXIII. oft ärgert:
"Papa buono" suggeriert irgendwie "lieb, gutmütig, aber harmlos und ein bisschen unbedarft". Ich glaube, daher kommt oft die Idealisierung von Johannes XXIII. seitens der Leute, die sonst nicht viel mit Religion auf dem Hut haben. Für diese Leute ist ein unbedarfter und deshalb ungefährlicher Papst eine Art Wunschvorstellung. Und die Leute, die sich gerne als liberale, fortschrittliche Katholiken definieren, heulen dann oft mit diesen Wölfen mit.
Man wird diesem Papst aber mit dem Etikett "buono" allein nicht gerecht. Johannes war - das sollten wir nicht vergessen - jahrzehntelang im diplomatischen Dienst tätig, und er war ein gewiefter Diplomat. Er jahrelang war Nuntius im orthodoxen Bulgarien, was sicher keine "gemähte Wiese" für den Vatikan war. Während des Krieges war er Legat in Istanbul, einem extrem schwierigen Posten, und das schaffte er er mit Bravour. Nach dem Krieg schickte ihn (der ebenfalls hocherfahrene Diplomat, der wusste , worauf es ankam) Pius XII. dann auch nicht auf irgendeinen Pimperlposten (Wien, Lissabon, Amsterdam ...), sondern nach Paris als Nuntius.
Auf diesem Hintergrund sind auch diverse Legenden bezüglich seiner Wahl zum Papst mit Vorsicht zu betrachten, besonders diejenige, die besagt, dass sich viele Kardinäle deshalb für ihn stark gemacht hätten, weil sie damit rechneten, dann einen Papst zu haben, den man gut manipulieren konnte, und der sie dann ganz furchtbar überrascht hätte, weil es mit der Manipulation doch nicht so leicht war. Niemand kann mir erzählen, dass die nicht gewusst haben, was Kardinal Roncalli in den Jahrzehnten, bevor er Patriarch von Venedig war, für Jobs gehabt hat.
Außerdem, man braucht sich nur seine Stimme anzuhören und man merkt: Auch wenn Johannes ein gütiger Papst war, er war auch ein Mann, der gewusst hat, was er wollte.
Also bitte: Reduziert ihn nicht alle auf "lieb" und "gütig" und "einfacher Bauernsohn". Damit allein wird man ihm nicht gerecht, und genau das wäre auch die Art Papst, den die Kirchenfernen gerne hätten. Er war auch stark, energisch, hochintelligent (sogar mit einer Schlagseite zur Schlitzohrigkeit) und genau deshalb ein großer Papst.

Alipius hat gesagt…

@ smilodon: Man sollte so ein schlichtes Photo-Posting und den dazugehörenden, kurzen Text nicht überbewerten. Es wäre vereinfacht, von einem solchen Posting auf eine Reduzierung des Seligen Papstes zu schließen, sei es eine gewollte oder eine unabsichtliche. Johannes XXIII ist nun mal im Volksmund als "Papa Buono" bekannt geworden und geblieben und nicht als "Papa Buono, der aber nicht nur ein gutmütiger Bauernsohn war, sondern ein Schlitzohr, das wußte, was es wollte".

smilodon hat gesagt…

Ich wollte mich auch gar nicht auf die Foto-Serie beziehen, sondern auf die Wahrnehmung von Johannes XXIII. im Allgemeinen. Falls das anders rübergekommen sein sollte, tut mir das leid.
Aber trotzdem: Ich meine, genau dieser von Ihnen zitierte "Volksmund" zeigt dieses verharmlosende, von Kirchenfeinden und "progressiven" Katholiken gerne aufgenommene Bild eines Papstes, wie ihn diese Leute gerne hätten: gütig, harmlos, jeder Manipulation zugänglich, alles "im Namen der christlichen Nächstenliebe" zulassend, auch wenn es dem, was Jesus wollte, diametral entgegenläuft. Und genau so ein Papst war Johannes - entgegen der Legende - nicht: er war gütig, stimmt schon, aber auch beinhart, wenn es notwendig war. Ich jedenfalls halte viel zu große Stücke auf diesen Papst, als dass ich ihn zum harmlosen, liebenswürdigen Dickerchen reduziert sehen möchte.

Alipius hat gesagt…

@ smilodon: Klar, geht mir auch so. Wobei ich aber gestehen muß, daß ich wirklich nur den "Papa Buono" kenne und nicht die Legende, daß er harmlos oder jeder Manipulation zugänglich oder alles zulassend war.

smilodon hat gesagt…

Die Legende ist unter "Modernisten" und Kirchenfernen ziemlich verbreitet. Deshalb wollen sie Johannes XXIII. auch für sich vereinnahmen.
Zu dem, was ich im 1. Posting über "Manipulation" geschrieben habe:
Hier meinte ich eigentlich die Legende, dass die wählenden Kardinäle dachten, er sei manipulierbar. Diese Legende ist in Italien recht verbreitet und basiert u.a. auf einem vor einigen Jahren dort gezeigten Fernsehfilm über Johannes XXIII. Darin war folgende Szene zu sehen: Einige Finsterlinge unter den Kardinälen (an der Spitze Ottaviani) stecken verschwörerisch die Köpfe zusammen und sagen (sinngemäß, an den genauen Wortlaut erinnere ich mich nicht mehr): "Nehmen wir den alten Roncalli aus Venedig, der wird dann sowieso machen, was wir wollen." Wie das leider bei Filmen (oder Theaterstücken) so oft geschieht, haben viele Leute wieder einmal Fiktion mit historischer Wahrheit verwechselt; auch so entstehen Legenden (ich erinnere an "Da Vinci-Code" oder "Der Stellvertreter"). Ich wollte mit diesem Statement eigentlich die wählenden Kardinäle in Schutz nehmen, denn die haben ja sicher gewusst, dass Roncalli jahrzehntelang Diplomat war und sich sich deshalb nicht so leicht reinlegen lässt.
Zusammenfassend (und hoffentlich diesmal nicht mehr missverständlich ausgedrückt): Johannes XXIII. war lieb und gütig, aber liberal in dem Sinn, wie ihn viele der Kirchenfeinde gerne hätten, alles zulassend, jedem "gutgemeinten" Ratschlag zugänglich war er nicht. Wenn er nämlich nur lieb und gütig gewesen wäre und sonst gar nichts, dann wäre er nicht der große und bedeutende Papst gewesen, der er war, sondern nur irgend so ein Wischi-Waschi-Papst, der es allen recht machen wollte.