Montag, 3. Juni 2013

Gewalt gegen Christen = Gewalt durch Christen...

Wer vor 5 Tagen bei Josef Bordat die Auswahl von Kommentaren gelesen hat, welche sich unter einem ZEIT-Artikel zum Thema Christenverfolgung angesammelt haben, der weiß, wie der Boden des Fasses schmeckt. Okay... die meisten von uns wußten es auch schon vorher, aber bei JoBo wirken die abgestumpfte Ignoranz und die selbstherrliche Urteilsgeilheit in der komprimierten Version besonders erhellend. Man darf da eigentlich nicht einmal von "Geschichtsvergessenheit" sprechen, denn wie soll man etwas vergessen können, das man nie gewußt oder gekannt hat?

Grundtenor der Loser-Kommentare: "Die Christen sind an allem Schuld, weil leck mich!"

Die Frage, die seit geraumer Zeit in der Luft hängt, lautet immer noch: Wieso ist es für so viele Leute so cool und so einfach und so identittässtiftend und so gemeinschaftsbildend, sich ohne solide Informationsbasis bei jeder Gelegenheit über das Christentum (allgemein) und die katholische Kirche (besonders) auszulassen?

Eine wirkliche Antwort habe ich immer noch nicht gefunden, aber ich bin überzeugt, daß ein Teil der Lösung mit dem zusammenhängt, was ich hier bereits einmal angegrübelt habe.

Die Schlußfolgerung jedenfalls kann ich so stehen lassen:
    Mit dieser Art von Bigotterie reagiert der vergewaltigte menschliche Verstand, dem man seit mittlerweile Jahrzehnten einreden will, daß Dinge, die nicht gleich sind, trotzdem gleich sein können. Egal, ob es sich bei diesen Dingen nun um das menschliche Geschlecht, die Ehe, die Religion oder sonstwas handelt.

Kommentare:

Gerd F. hat gesagt…

>>Wieso ist es für so viele Leute so cool und so einfach und so identittässtiftend und so gemeinschaftsbildend, sich ohne solide Informationsbasis bei jeder Gelegenheit über das Christentum (allgemein) und die katholische Kirche (besonders) auszulassen?<<

Das Internet ist ein hervorragende Plattform für die verbale Verfolgung von Christen. Ich bin noch nie auf offener Strasse angepöbelt worden, weil ich auf den Weg zur Messe war. Dann liegen die Schreiberlinge von gestern nämlich noch mit dem Allerwertesten im Bett. Wollen wir hoffen, dass es noch einige Zeit so bleibt. Aber sicher bin ich mir da nicht. Erst kommt die gezielte Desinformation, dann der Spott, dann die Verfolgung. Haben wir ja alles schon mehrfach gehabt.

Anonym hat gesagt…

Meine Theorie dazu sieht etwas anders aus.
Mir scheint der Zusammenhang direkter und banaler. Wer etwas moralisch Fragwürdiges tut, hat oft ein Gefühl, für die moralische Fragwürdigkeit seines Verhaltens oder seiner Einstellung. Es ist aber nicht schön, sein eigenes Verhalten oder seine eigene Einstellung als falsch oder schlecht zu erkennen. WEr nicht von Natur aus selbstkritisch ist, wird, wenn er nicht katholisch ist, auch nicht durch die Notwendigkeit der Beichte dazu erzogen, sich kritische zu betrachten, eigene Fehler offen einzuräumen, und um Entschuldigung zu bitten. Außerdem müßte man sein Verhalten oder seine Einstellung ja infolge der Erkenntnis seiner Bedenklichkeit ändern. Das ist unbequem. Also verdrängt man das lieber, und hackt auf dem herum, der einem die verdrängten Bedenken zu offen unter die Nase reibt. Gegenvorwürfe sind da ein gutes Mittel, denn wem man seinerseits moralische Makel vorwerfen zu können meint, der stellt keine moralische Autorität dar. Man kann seine Wertvorstellungen einfach verwerfen, so daß die darin enthaltene Kritik am eigenen Verhalten belanglos wird.
Leute stärkt es auch in ihrer Wunschvorstellung, selbst alles richtig zu machen, wenn sie sich mit ihrem Verhalten oder ihrer Einstellung in (guter) Gesellschaft finden.
Dazu muß man aber erst mal Leute mit dem gleichen Problem finden. Viel praktischer ist es, gemeinsam auf der einen mahnenden moralischen Instanz herumzuhacken, denn um sich gegenseitig darin zu bestärken, daß diese schlecht sei und folglich nichts zu sagen habe, braucht es nur Leute mit Problemen, gegen die dieselbe Instanz mahnt. Das eigene Fehlverhalten braucht zu solchem gemeinsamen Tun gar nicht gleichartig zu sein. Und Lebensweisen oder Einstellungen, hinsichtlich derer die christlichen und insbesonderee die katholischen Lehren Kirchen das eigene Gewissen reaktivieren könnten, haben ja viele.
Die Mäkelei gerade im Internet hat dabei den Vorteil, daß das Internet die Leute nicht kennt, und ihnen nicht unter die Nase reibt, welche Leichen sie im Keller haben, die bei Beleuchtung durch die Lehren der Kirche anfangen würden zu stinken. Und wenn man sich doch mit Leuten mit dem gleichen Problem zusammentun will, kann man es im Internet anonym tun, ohne zu offenbaren, daß man die Person XY ist, die da mit dem jeweiligen Makel behaftet ist.
Und dann ist da noch das Problem mit einem allmächtigen Gott, dem man alles verdankt und folglich Dank schuldet und von dem man abhängig ist. Das paßt auch nicht ins Bild jedes Ich-fixierten, aufgeklärt selbständig denkenden Menschen.
Wie gesagt, recht banal, aber bei Leuten, die man näher als nur aus ihren Internetkommentaren kennt, immer wieder beobachtbar, und das durchaus auch bei Personen, die bei Bedarf differenziert denken und mainstreamunabhängig selbst entscheiden, was sie als gleich und was als ungleich betrachten und behandeln.

Ist ja in gewisse Weise bei uns, die wir diesen Blogg lesen und kommentieren nicht anders. Auch wir bestärken uns gegenseitig in unseren Haltungen, was uns im Umgang mit den ungerechtfertigten Anwürfen gegen unsere Kirche stärkt.
Und ich tue es anonym, weil ich den Leuten, die mich eh schon wegen meines Glaubens auslachen und auf meiner Kirche herumhacken, meine Ansichten lieber von Angesicht zu Angesicht mitteile, wo ich ihre Reaktionen sehe und höre und mich und meine Kirche folglich verteidigen kann, als daß ich ihnen die Möglichkeit gewähre, sich ohne mein Wissen anonym über meine Ansichten zu informieren und dann ausschließlich hinter meinem Rücken zu spotten.
Im Gegensatz zu den Kritikern der Kirche haben wir ja die Pflicht, auch persönlich für unseren Glauben einzustehen, die Ehre unseres Gottes und seiner Kirche zu verteidigen und können uns daher nicht auf Äußerungen im Internet beschränken. Wir können und sollten aber wählen, welche Mittel und Wege wir für dafür sinnvoll und wirkungsvoll erachten.

Ein Naivling