Freitag, 17. Mai 2013

Was ist denn in Düsseldorf los?

Nein, ich rede nicht von der abstiegsbedrohten Fortuna (** schnief **), sondern vom "Tannhäuser". Die Gaskammer/Nazi/Erschießungs-Inszenierung erntete nicht nur reichlich Buh-Rufe, sondern machte auf einige Zuschauer sogar einen so nachhaltigen Eindruck, daß sie sich unmittelbar nach oder noch während der Aufführung zum Notarzt begaben.

Nach den massiven Protesten verzichtete die Oper auf weitere Aufführungen und gibt den Tannhäuser jetzt nur noch konzertant.

Nun erfahre ich aus der WELT, daß der Präsident der Akademie der Künste in Berlin, Klaus Staeck, Rheinoper-Intendant Christoph Meyer aufgefordert hat, die Inszenierung künftig wieder in ihrer ursprünglichen Form zu zeigen. Staeck:
    "Kunst – gleich welcher Güte! – ist keine Schönwetterangelegenheit!" ... "Ob sie irrt oder im Recht ist, misslungen ist oder brillant, muss diskutiert werden."
Ja, klar... Ich gehe natürlich nicht in die Oper, weil ich eine nicht-brechreizerregende Inszenierung inkl bestmöglicher Darbietung erleben möchte, sondern weil ich mitdiskutieren will und daher Zeuge eines "Vielleicht läßt das Publikum es uns ja durchgehen"-Spektakels sein muß, das später dann von irgendwelchen Findern, Meinern und Behauptern wochenlang in diversen Feuilletons niedergemacht oder verteidigt wird.

Ich bin lieber ein Banause, als jemand, der Kohle hinblättert, um sich von Provokations-Versuch Nr. 3.792.190 langweilen zu lassen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wie würde die Kunst des 20. Jh. wohl aussehen, wenn sie nicht politisch subventioniert und verzweckt würde?
Total anders vermutlich. Und vermutlich wesentlich besser.

Severus hat gesagt…

@ Alipius
Schließe mich Deinem Banausentum vollinhaltlich an! Verarschen können wir uns selber!

@ Anonym
Stimmt. Diesen Scharlatanen gehörte einfach mal der Geldhahn zugedreht!

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Ich halte zwar nicht allzuviel von Regietheater, aber die Idee, mal den Tannhäuser zum Nazi zu machen, ist irgendwie, nun ja, "mutig" (na ja). Wagners Opern werden ja gerne auf diese Schienen geschoben. Beim Tannhäuser läuft das dann in der Regel so ab, daß Ritterrunde, Wartburggesellschaft und Pilgerchor die Nazis sind, die in ihrer faschistoid repressiven Gesellschaft den libertären "Ausbrecher" Tannhäuser nicht dulden können. Hier wird's halt mal andersrum gezeigt ... da scheinen ja "die Frommen" direkt mal "die Guten" zu sein ... ;-