Montag, 13. Mai 2013

Schuldig!

Abtreibungs-Arzt Kevin Gosnell wurde in drei Fällen des Mordes für schuldig befunden (Story hier).

Wenn der Jury-Spruch mich auch freut, so hoffe ich doch, daß Gosnell nicht zum Tode verurteilt wird. Das würde das Engagement für das Leben ein wenig trüben.

Kommentare:

kalliopevorleserin hat gesagt…

Mir geht es genau so.
Noch eine Tötung draufsetzen auf diesen ganzen Horror wäre alles andere als sinnvoll. Zumal jemand den Job machen müßte, und ich glaube nicht, daß irgendein Mensch ohne schwere seelische Verwüstungen als Vollstrecker arbeiten kann.

F. M. hat gesagt…

Eine Hinrichtung des Verurteilten "...würde das Engagement für das Leben ein wenig trüben." und "...wäre alles andere als sinnvoll."

Das klingt recht halbherzig und mitnichten nach "absolutem Lebensschutz von der Befruchtung bis zum natürlichen Tod"! wie er sonst immer donnernd von der Kanzel herab vorgetragen wird und bei diversen Märschen für das Leben lautstark eingefordert wird.

Aber egal, die römisch katholische Kirche erlaubt ja in ihrem Katechismus Hinrichtungen expressis verbis: "...ohne in schwerwiegendsten Fällen die Todesstrafe auszuschließen." lautet die genaue Formulierung des 2266.
Und was wäre schwerwiegender, als eine Abtreibung?

Psallite Deo hat gesagt…

Das ist eine Sache, die ich überhaupt nicht verstehe.
Warum im Katechismus die Todesstrafe erlaubt wird, meine ich.
Eine Hinrichtung wäre Mord, genauso wie eine Abtreibung.
Und das geht weder noch, finde ich. Ich denke, egal was jemand getan hat, niemand darf sich das Recht herausnehmen, ihn zu töten.
Ich hoffe, die Zeiten, wo man aufrechnet, wer mehr Lebensrecht hat, sind vorbei. Die Menschenwürde gilt für alle, auch für Verbrecher. Denn wenn man sie umbringt, ist man nicht besser als sie...

Ich finde, der Sinn von Strafen muß sein, die Gesellschaft vor den Verbrechern zu schützen, und im Idealfall, daß der Täter daraus lernt und sich bessert. Und ggf. Schadensersatz leistet, soweit möglich.
Aber den Täter hinzurichten, macht das Opfer nicht wieder lebendig und schafft nur wieder neues Unrecht.

Alipius hat gesagt…

@ F.M.: Ja, schon gut! 'Tschuldigung! Ich vergesse immer wieder, daß es bestimmte Leser gibt, welche aufgrund ihrer Fähigkeit, meine und anderer Leute Worte zu Bretzeln zu verbiegen, damit sie in ihr Weltbild passen, eine Gebrauchsanweisung benötigen. Also bitte: Sie dürfen künftig davon ausgehen, daß ich, wenn ich mich sowohl gegen Abtreibung als auch gegen die Todesstrafe ausspreche, damit meinem Willen zum absoluten Lebensschutz Ausdruck verleihe.

Der Heilige Vater hat übrigens - ich glaube es war 2011 - an die internationalen Justizminister appelliert, die Todesstrafe abzuschaffen.

clamormeus hat gesagt…

@Alipius

Du hast es mittlerweile schon selbst erledigt und mir damit eine Antwort erspart, die weniger zurückhaltend gewesen wäre als die Deine.

Und @Psallite Deo:

Ich bin ein entschiedener Gegner der Todesstrafe. Aber wenn - wo auch immer,ein allgemeines Gesetz gilt, das besagt: "wer mordet, wird hingerichtet", ist das mitnichten mit einer Abtreibung oder wie in dem Fall mit bewußtem Töten von Babies gleichzusetzen. Was hat das Kind denn getan, welches Verbrechen begangen? Durch welches Verhalten hätte es seine Tötung vermeiden können? Ich wundere mich etwas über das Ausweichen auf ein gänzlich anderes Terrain.

Schließe mich Alipius an: das Urteil ist erleichternd und hoffentlich wird Gosnell nicht exekutiert.

F. M. hat gesagt…

...meine und anderer Leute Worte zu Bretzeln zu verbiegen,...

Da muss ich doch gar nix "verbiegen".

Ich lese nur, dass Sie dem absoluten Lebensschutz von der Befruchtung bis zum natürlichen Tod in diesem Fall mit weniger Begeisterung gegenüberstehen, als dann, wenn es um Embryonen in den Bäuchen von Frauen geht. Die Wortwahl ist einfach eine andere und wenn man Ihre Beiträge aufmerksam liest, was ich schon lange mit Vergnügen auch zwischen Ihren Zeilen mache (obschon Sie mit der Richtung, in die Sie denken, wahrlich nicht hinterm Berg halten, gibt es immer Nuancen und Feinheiten zu entdecken) , fällt mir das eben auf.

Haben Sie diesen Tenor, des in diesem Fall nicht ganz so sehr wichtigen Lebensschutzes, wirklich wirklich nicht bewusst formuliert? Das kann ich angesichts Ihres ganzen, geschliffenen Schreibstils wirklich kaum glauben.
Und dass Sie mit dummen Menschen wie mir wenig Geduld haben ist ebenso hinlänglich bekannt. Na und?

Psallite Deo hat gesagt…

@ clamormeus: Ich sehe das Problem darin, daß es überhaupt möglich ist, so ein Gesetz in Kraft zu setzen, welches legalisiert, Menschen zu töten.

Mein Kommentar bezog sich auf die erste Aussage von F.M., beim Thema Todesstrafe würde der Lebensschutz als nicht ganz so wichtig gelten, daher meine Aussage, daß die Ablehnung der Tötung hier selbstverständlich genauso zu gelten hat.

Das getötete Kind hat natürlich kein Verbrechen begangen, und es hatte auch keine Möglichkeit, der Abtreibung auszuweichen. Auf jeden Fall ist die Abtreibung falsch.
Aber es ist genauso falsch, andere Menschen zu töten, vor allem, wenn dies vom Staat ausgeht. Es ist schlimm, wenn Menschen andere umbringen, aber ich finde es besonders schlimm, dies im Namen des sog. "Rechts" zu tun.
Vielleicht ist das naiv, aber ich kann einfach nicht nachvollziehen, warum jemand rechtmäßig getötet werden können sollte.


Alipius hat gesagt…

@ F.M.: Erinnern Sie sich denn wirklich nicht mehr an dieses Posting (welches Sie sogar kommentiert haben)?

Josef Bordat hat gesagt…

Fürs Protokoll: Auch für mich umfasst die christliche Lebensschutzethik ein Engagement gegen Abtreibung *und* Todesstrafe (u.v.a.m.), deren Duldung im KKK tatsächlich problematisch ist (vgl. http://jobo72.wordpress.com/2013/01/04/todesstrafe/).

JoBo

Anonym hat gesagt…

Die Todesstrafe im Katechismus ... ist, wie vieles in der Kirche, geschichtlich begründet. Noch bis in die 50er-Jahre war die Todesstrafe in weiten Teilen Europas zwar nicht unumstritten, aber geltendes und auch angewandtes Recht. In Österreich wurde sie 1950 "im ordentlichen Verfahren" abgeschafft (wahrscheinlich gegen den Willen der Bevölkerung). Da waren wir recht früh dran, die letzten Hinrichtungen in Frankreich etwa sind m.W. 1975 oder '76 erfolgt, ganz traditionell mit dem Fallbeil. Begründet wurde die Todesstrafe üblicherweise mit den Argumenten "Abschreckung" und "Generalprävention". Oft spielt auch der Vergeltungsgedanke mit. Die Kirche hat den Staaten stets das Recht zugebilligt, in ihrem Wirkungskreis solche Maßnahmen einzuführen. Wenn man den Katechismus genau liest, wird die Todesstrafe nicht befürwortet, sondern sie wird nicht ausgeschlossen. Das heißt, dass es üblicherweise besser geeignete Mittel gibt, den Strafzweck zu erreichen. In den letzten Jahren hat das kirchliche Lehramt die Todesstrafe ausdrücklich abgelehnt.

Zwetschgenkrampus

clamormeus hat gesagt…

@Psallite Deo

"Vielleicht ist das naiv, aber ich kann einfach nicht nachvollziehen, warum jemand rechtmäßig getötet werden können sollte. "
-----------
Dazu wäre zu ergänzen, daß dieses Recht in Bezug auf Notwehr und Nothilfe wie auch für den Dienst in Waffen (Militär/Polizei)in gewissen Situationen ja zu recht auch gewährt wird.
Tötung als gesetzliche Strafe steht auf einem anderen Blatt. Allerdings kann die Kirche diese Tolerierung rechtlich nicht einfach politisch begründet ändern,(selbst wenn sie für die Abschaffung der Todesstrafe weltweit eintritt) sondern sie müßte einen Weg finden,darzulegen, warum Strafalternativen im Lichte der Offenbarung zwingend vorzuziehen sind. (was schon machbar sein müßte, z. B. jemandem die Zeit zu lassen, daß er noch zu Reue und Umkehr finden kann.)
Mit dem Gebot "Du sollst nicht morden" kommt man hier aber nicht so leicht weiter.

Papsttreuer hat gesagt…

Vielleicht mache ich es mir ja zu einfach, aber wenn ich die Nrn. 2266 und 2277 im KKK lese und auf den Fall Gosnell anwende, komme ich zu dem Schluss, dass ein eingesperrter Arzt der Gesellschaft nicht mehr in der Weise schaden kann, wie er es im Vorfeld an den Kindern getan hat. Dem Schutz der Gesellschaft ist also mit dem Einsperren Genüge getan und das Aussprechen der Todesstrafe würde dem KKK widersprechen.

Prinzipiell erscheinen mir die Formulierungen des KKK auf eine faktische Ablehnung der Todesstrafe hinaus: Es mag theoretisch Gründe geben, in denen man den Tod eines Straftäters, auch wenn er bereits gefasst ist, in Kauf nehmen muss zum Schutz der Gesellschaft. Wer einen entsprechenden Fall konstruieren kann, hat die Ausnahme der Zustimmung zur Todesstrafe im KKK gefunden, mir fehlt dazu die Phantasie.

Gottes Segen!

F. M. hat gesagt…

Wer einen entsprechenden Fall konstruieren kann, hat die Ausnahme der Zustimmung zur Todesstrafe im KKK gefunden, mir fehlt dazu die Phantasie.

Ja und warum sind Hinrichtungen dann überhaupt noch erlaubt im Katechismus der Katholischen Kirche?
Wäre es dann nicht sinnvoller, nur um den absolut absoluten Lebensschutz von der Befruchtung bis zum natürlichen Tod, auch wirklich und wahrhaftig zu untermauern, diesen Hinrichtungsparagrafen einfach zu streichen? Nur um der Glaubwürdigkeit willen?

Oben schreiben Sie, dass Ihnen die Phantasie fehlt; wollen wir die mal in einem analogen Fall spielen lassen?

In einem, natürlich rein fiktiven Land, ist in der Verfassung die Religionsfreiheit für alle Religionen festgeschrieben. Mit Ausnahme der römisch-katholischen Kirche. Diese Ausnahme wird aber mit derselben Klausel wie im Hinrichtungsparagrafen des Katechismus der Katholischen Kirche so konterkariert, dass allen vernünftigen Menschen, genau wie Ihnen, die Phantasie fehlt, dass dieser Paragraf, der die Religionsfreiheit für die römisch-katholische Kirche völlig aufhebt, jemals praktisch zur Anwendung kommen könnte; in diesem fiktiven Land natürlich. In anderen Ländern mag das anders sein.
Reicht Ihre Phantasie vielleicht jetzt dazu aus, dass Sie sich den Sturm der Entrüstung vom Heiligen Stuhl über alle Kirchendiplomaten und Lobbyisten bis zum letzten Kaplan in der evangelischen Diaspora vorstellen können, der wegen dieses, praktisch völlig belanglosen, Passus in der Verfassung losbricht?

Na ja, Phantasie halt. Aber was manche davon zu wenig haben in speziellen Fällen, hab ich die eben für zwei.

Und deswegen kann der Artikel ja auch in der Verfassung, Pardon ich meinte natürlich im Katechismus, stehen bleiben.