Freitag, 3. Mai 2013

"Lying for Jesus" ist zurück!

Das Thema ist alt, und es wurde bereits hier und auf anderen Blogs eine Menge darüber geschrieben.

Mark Shea spricht auf seinem Blog nun einen wichtigen Aspekt an, der mir auch immer wieder ein paar graue Haare beschert: Wenn wir als Katholiken aufgrund unseres Glaubens davon ausgehen (müssen), daß Abtreibung nicht geht, daß Planned Parenthood eine seelenlose Gelddruckmaschine ist und das schräge Vögel wie Kermit Gosnell gar nicht von uns verurteilt werden müssen, um an einem Ort zu landen, den sie nicht wirklich angenehm finden, dann müssen wir aufgrund unseres Glaubens auch davon ausgehen, daß die Lüge moralisch falsch und daher sündhaft ist.

Klar: Eine Lüge für sich alleine genommen muß schon ganz schon viel Gepäck mitbringen, um auch nur ansatzweise so schlimm und moralisch falsch sein zu können, wie die Abtreibung eines 23 Wochen alten Menschen.

Das Problem bei den neuen Live-Action-Videos ist für mich dann auch weniger die Lüge als solche, als das, was mit dieser Lüge erreicht werden soll.

Denn Live Action sagt durch die Lüge zu Planned Parenthood ja im Grunde dies: "Ich möchte gerne einen mindestens 23 Wochen alten Menschen umbringen und ich hätte gerne, daß Ihr mir dabei helft!"

Live Action gibt hier also im besten und richtigsten Sinne des Wortes Anlaß zum Skandal.

Und das geht einfach nicht, selbst, wenn es in den Videos nur Phantasie (weil Schwindelei) ist.

Natürlich bin ich dankbar für jeden Stock, der Planned Parenthood zwischen die Speichen geworfen wird. Natürlich bin ich bei jedem neuen Live Action-Video eher sprachlos wegen der Selbstverständlichkeit, mit der die PP-Mitarbeiter über ihre gruseligen Taten sprechen, als über die Tatsache, daß die Live Action-Leute lügen. Natürlich wirkt vor dem Hintergrund des Gosnell-Prozesses die ganze Spätabtreibungsindustrie heute mehr denn je wie ein Albtraum aus einer entmenschten Parallelwelt.

Ich bin aber nach wie vor der Meinung, daß der Zweck nicht die Mittel heiligt und daß der Zweck die Mittel auch nicht einfach so heiligen darf, weil dies schnell zu einem Abwärtsschwung werden kann, der schwer wieder zu bremsen ist.

Für mich besteht der wahre und katholische Weg weiterhin darin, Abtreibung zu bekämpfen, ohne sich dabei auf moralisches Glatteis zu begeben.

Kommentare:

Monika hat gesagt…

Also Nee! Sie machen doch schon mit beim Sündenwiegen. Man sollte erst mit über 50 überhaupt Priester werden dürfen. (Und dann sehen Männer wie Frauen vor dem Alter übrigens genauso menschlich aus - Ästhetische Gründe gegens Frauenpriestertum - gehts noch? Das wegen eines Kommentars zu einem früheren Beitrag, aber auch nur am Rande.)

Menschen neigen dazu, ein Leben zu führen, in dem sie sich selbst in einem guten Licht sehen, ich meine, sie sind dazu gemacht, genau das zu machen, es ist also nicht ihr Fehler, daß sie dazu neigen. Erst wenn man älter wird ist es überhaupt möglich, diese Gegebenheit zu durchbrechen.

Sünden wiegen ist eine Möglichkeit so richtig gut da zu stehen.

Wahrscheinlich sind Sie schon wieder ganz anders gestrickt, als ich mir das überhaupt vorstellen kann. Und selbst wenn ich recht haben sollte, ist es Ihnen nicht gegeben das zu erkennen. Vielleicht haben Sie ja ein Buch gelesen, das mir vor kurzem per Zufall in die Hände gefallen ist, und daß sprachlich viel versierter (und umständlicher, aber das ist vielleicht möglich) als ich das könnte sagt, was ich meine: Richard Rohr, "Pure Präsenz". (Das Buch sagt mir nichts neues, aber es sagt es in verständlichen Worten. Ich bin nur erstaunt, daß er darüber ein Buch, ja scheinbar sogar mehrere schreiben kann)

Ach, was reg ich mich auf.

Allen Menschen eine gute Nacht.

Monika hat gesagt…

"vielleicht möglich" -> "vielleicht nötig"

Elsa hat gesagt…

@Monika
Ach ja, es ist immer ganz toll, wenn man unter einem Blogeintrag eine persönliche Einschätzung über einen selbst findet von Leuten, die einem gar nicht persönlich kennen, aber natürlich zu kennen glauben via Internet.
Anstatt sich über Lying for Jesus aufzuregen, oder dazu was beizutragen, gehen Sie gegen den Blogautoren an.
WIESO EIGENTLICH?

Alipius hat gesagt…

@ Monika: Was genau verstehen Sie unter "Sünden wiegen"? Das, was auch die Kirche meint, wenn sie von läßlichen Sünden, schweren Sünden und Todsünden spricht? Wenn ja, warum überhaupt die Aufregung? Müßten Sie sich - wenn Sie mit dem Wiege-System nicth einverstanden sind - nicht eher mit Ihren Beschwerden an die Kirche richten, als an einen Menschen, der im unreifen Alter von 42 Jahren geweiht wurde und der aus freier Entscheidung und mit gutem Gewissen das verkündet und zu tun versucht, was sein Glaube und die Lehre seiner Kirche von ihm verlangt?

einfachentfachend hat gesagt…

@Alipius

Ist "täuschen" und "lügen" dasselbe? Die Frage stellt sich mir hier. Lügt zum Beispiel ein Polizist oder Versicherungsagent, der, um an einen Brilliantendieb ranzukommen, inkognito einem Hehler ein Kaufinteresse an diesen vorspielt?
Noch simpler: lügt John Wayne, wenn er im Film sagt: "Ich bin der Marshall von Cadillac City"?

Lügt ein Schüler, der genervt vom Oberlehrerton auf die Frage "Wieviel ist 2+2?" mit "23" antwortet, obwohl er weiß, daß "4" richtig ist?

Man könnte nun einwenden: Cop oder Mime machen halt ihren Job,walten ihres Amtes oder so, der Schüler macht sich seinen Spaß, aber man würde (zu Recht) keinen als Lügner beeichnen. Formal gesehen handelt es sich aber schon um Lügen im Sinne von Dingen behaupten, die (wissentlich)nicht der Faktizität entsprechen.

Die Lüge als Sünde assoziiere ich dagegen mit "verleumden" aber vor allem mit "verleugnen".

Schwierige Sache hier. (der Zweck heiligt sicher nicht die Mittel, darauf will ich nicht raus)

Irgendetwas stört mich, wie Dich, auch an dem Vorgehen der pro life Aktivisten, ich weiß aber noch nicht, ob es das Täuschen an sich ist.

Werd's vertiefen und bald mal was dazu posten.

Ester hat gesagt…

Ich denke das sind 2 Sachen einerseits machen sich normale katholische Leute gar keine rechten Vorstellungen davon, wie das so ist mir der Abtreibung, die stellen sich da wirklich dramatische Geschichten vor und denken, das so ein Team sich da wirklich, wirklich einen Kopf macht. Es ist meines Erachtens aber, um sich der eigenen rosaroten Brille zu entledigen nicht nötig zu einer List zu greifen.
Es würde reichen, den Leuten einfach mal zuzuhören.
Wenn man ein bisschen zuhört, dann erfährt man soviele Abtreibungsgeschichten, dass man echt keinen Fakebesuch, bei Pro familia mehr braucht.
Wobei ich mal eine Geschichte gehört habe, da ist eine jung Frau irgendwie immer mit deutschen Pro Life Leuten in Kontakt gekommen und fand immer "die übertreiben doch, so einfach geht das doch gar nicht mit eine Abtreibung und den Schein, da wird doch geprüft und HIlfsangebote gemacht, auch bei Pro Familia!" dann ist die junge Frau selber zu Pro Familia und hat denen erzählt sie sei schwanger (was nicht stimmte) so Probleme hätte sie eigentlich nicht, nur könne sie dann nicht mehr in den geplanten superchiquen WInterurlaub fahren....... Die haben das bei Pro Familia sofort verstanden und problemlos den Schein ausgehändigt.
Ich denke aber dass das ein anderer Fall war. es ging hier um eine junge Frau die einfach im Zweifel war, wer recht hatte und das für sich herausfinden wollte. Diese Frau hat geprüft und war sich im Gegensatz zu den amerikanischen Pro Life Aktivisten nicht von vorneweg darüber im Klaren, was eigentlich Sache ist.
Im allgemeinen regten wir Katholiken uns ja auch auf 8und zu Recht) als damals dieser Journalist durch Italiens Beichtstühle zog, Unfug beichtete, ein Mikro mitlaufen lies und das ganze als Buch herausbrachte.
Der Zweck heiligt doch nicht die Mittel!

Lauda Sion hat gesagt…

Wirkt auf mich wie modernes und virtuelles, fromm verpacktes, an den Pranger stellen um sie anschließend als "Hexen" zu verbrennen.

Kommt wohl nie aus der Mode und macht auch viel mehr Spass und ist weniger anstrengend als "Heiden" für Gott/ die Kirche zu gewinnen oder Irrende mit Geduld und (so gut es geht) in Liebe zur Umkehr zu bewegen.

Stattdessen werden sie an Gott und Kirche madig gemacht.
Ich finde so ein Verhalten nicht nur un- sondern vielmehr antichristlich.

einfachentfachend hat gesagt…

@Lauda Sion,

ja, genau in diese Richtung geht mein großes Unbehagen auch.

Anonym hat gesagt…

1. Man darf keine Menschen töten - nie und nimmer.
Aber: wenn man kriegerisch angegriffen wird, darf man sich verteidigen - und dabei Menschen töten. Das ist sinnvoll, da ein potentieller Angreifer hierdurch von seiner Aggression (hoffentlich) abgehalten wird.
2. Man darf nicht lügen. Aber: Z.B. ein Polizist darf bei einer Entfühung einen Gangster ggf. durch Lügen unter Druck setzen, um den Entführten, der sonst vielleicht verhungern würde, zu retten. Oder ist hier jemand anderer Meinung?

Bei der Bewertung des Lügen der Pro life Aktivisten ist m.E. nicht die Frage, ob man irgendwann vielleicht doch lügen darf/muss entscheidend, sondern was die Motivation dafür ist:
Soll konkret ein Kind vor der Abtreibung gerettet werden, oder will man sich als ProLife-Aktivist ein gutes Gefühl verschaffen, indem man die Abtreiber als Schurken darstellt - eine Einschätzung, an der man selbst keinerlei Zweifel hat. Die Kundinnen der Abtreiber werden prinzipiell beruhigt sein, wenn sie erfaheren, dass die Ausstellung einer "Erlaubnis" durch die Abtreiber an die Phantasie der Abteibungswilligen keine großen Ansprüche stellt.
Wenn man lügt, ist man für die Folgen der Lüge verantwortlich.

Viele Grüße,
Uli

Lauda Sion hat gesagt…

Hallo Uli,
zu 1.: Matthäus 5,21
2.: nicht jeder ist zum Polizisten o.ä. berufen, wir sind dazu berufen Jesus nachzufolgen und IHm immer ähnlicher zu werden.
Verantworten (z.B. für seine Lügen) muss sich jeder irgendwann vor GOtt.
ER ist Richter, nicht wir und ich denke, wenn wir diese Leute vom Heilsplan Gottes ausschließen (z.B. durch die Art und Weise, wie wir mit ihnen umgehen s.o.) sind wir dafür verantwortlich, wenn sie in der Hölle landen.
Nicht, dass die Wut darüber nicht berechtigt wäre, es ist nur die Frage: Wie gehe ich damit um?
Um es hier nicht zu lang zu machen ein Link: http://wp.me/p1COpm-H9
&LG

Gerd F. hat gesagt…

Mir kommt immer öfter das Jesus-Wort in den Sinn, dass er über die Menschen gesprochen hat, die sich an Kinderseelen vergreifen. Er spricht davon, dass es für diese Menschen BESSER ist, sie wären nie geboren. Hallo? Gott stellt seine eigene Schöpfung in Frage, wenn es um die Verführer und Mörder von Kindern geht? Mal abgesehen davon, dass ich noch nie gelogen habe, wenn es ums Thema Abtreibung geht, zumindest nich wissentlich, kann ich einige Massnahme der Pro-Lifer zuminest teilweise nachvollziehen, allerdings nicht gutheißen.

Monika hat gesagt…

Lieber Pater Alipius
Das, was auch die Kirche meint, wenn sie von läßlichen Sünden, schweren Sünden und Todsünden spricht?
Genau das verstehe ich unter Sünden wiegen.

Sie sind ein Mann der Kirche, ich muß also niemanden anderen fragen, das wird wohl stimmen.

Ich wollte es nicht wahr haben. Mir macht das reine Männerpriestertum die Kirche nicht madig, mich stören die Auslegungen des 6. Gebotes nicht wesentlich, ebensowenig die autoritäre Struktur und auch nicht Inquisition noch Hexenverbrennungen. (Wenn das wiederrum stört, der möge über das Wort "wesentlich" nachdenken. ).

Ich will einfach nicht sehen, daß das, was ich einst geliebt habe, schwerwiegende, _wesentliche_ Mängel hat, evtl gar grundsätzlich verkehrt ist.

Von der Sündenklassifikation geht ein gerader Weg zum Ablaßpfennig. Das alles kreist um die Sünde, auf das Scheitern, das Leid und die Not. Sie mögen mir jetzt vielleicht erzählen, daß wir ja genau aus dieser Not heraus von Jesus gerettet werden.

Wir werden nicht gerettet, wir sind gerettet.

Neither shall they say, Lo here! or, lo there! for, behold, the kingdom of God is within you (Lk 17, 20-21)

Ich werde mich jetzt auf den schweren Weg des inneren Abschieds von der Kirche begeben.

Diesen wesentlichen Unterschied kann man nicht diskutieren.

Viele Grüße

Monika

Alipius hat gesagt…

@ Monika: Ja, wir sind bereits gerettet. Aber man muß auch schauen, aus welcher Perspektive dieser Satz gesprochen ist. Es stimmt, daß Christus uns erlöst hat. Aber es stimmt auch, daß der Mensch immer noch sündigt. Und es führt nun mal kein Weg daran vorbei, daß es Sünden verschiedener Härtegrade gibt. Das habe ich mir nicht ausgedacht, und das hat auch die Kirche sich nicht ausgedacht. Das ist einfach so. Christus selbst geht gar so weit, von Sünden zu reden, die nicht vergeben werden (Mt 12,31-32) und rät der Frau, die er nicht verurteilt, künftig nicht mehr zu sündigen (Joh 8,11), weiß also, daß wir, obwohl wir erlöst sind (von seiner Seite aus) dennoch immer wieder der Vergebung bedürfen (von unserer Seite aus).

Sie können diese für sie offenbar unbequemen Tatsachen der Kirche anhängen und sich mit einer für Sie selbst plausibel klingenden Entschuldigung aus dem Staub machen, aber sie sollten sich vorsehen, das "Wir sind gerettet" künftig nicht als allzu bequemes Ruhekissen oder als Basis für immer weitere (Selbst-)Entschuldigungen zu nutzen.