Freitag, 10. Mai 2013

Ist mir jetzt erst so wirklich aufgefallen...

Der in diesem Posting zitierte David deGrazia hüpft in seinem Denken bedrohlich schnell von "Wir sollten den Wert der Freiheit nicht überschätzen" zu "Es gibt keine Gottheit, die uns eine bessere Welt gibt, also liegt es an uns Menschen, sie uns zu verschaffen" und wieder zurück zu "Freiheit spielt eine Rolle, ist aber - untertrieben ausgedrückt - nicht alles, was in Zusammenhang mit unserer moralischen Handlungsfähigkeit eine Rolle spielt".

Wenn ich mir diese Ideen auf der Zunge zergehen lasse und sie mit den immer wieder irgendwo auftauchenden Begriffen "Wunschkind/Designerbaby" und "Euthanasie/Sterbehilfe" würze, dann frage ich mich, wie lange es noch dauert, bis wir in einer Welt leben, in der man sich im Supermarkt stubenreine, genetisch saubere 14-Jährige mit moralischer Wunschprogrammierung in die Einkaufswagen legen kann, von denen man sich dann (spätestens, wenn man jenseits der 65 oder schwerkrank ist) auf einem Menschenschrottplatz abliefern läßt. Motto: "Es ist für alle Beteiligten das Beste!" oder "Vom Anfang bis zum Ende: Ein Leben ohne eklige, vollgekackte Windeln!"

Wenn wir aufhören, den Wert der Freiheit so hoch zu schätzen, daß das milde Antlitz dessen erkennbar bleibt, der sich aus freiem Willen für uns und unser Heil ins Leiden hineinbegab, wird man von der Freiheit bald dies sagen: Freiheit ist immer die Freihet desjenigen, der eine bestimmte Bequemlichkeit grade am dringendsten zu benötigen scheint.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich habe schlieBlich Ubersetzer. Ich arbeite mit ihm. Ich liebe das hUbsche cherubim. Gott Segnen + .

Imrahil hat gesagt…

Wie man allerdings aus der Hochschätzung der Freiheit das Antlitz des Herrn erkennen kann, kann ich so nicht sehen. Das weiß man, weil es einem verkündet worden ist, aber mit der Freiheit hat das primär nicht so viel zu tun.

Umgekehrt wird allerdings wirklich ein Schuh daraus: Jeder Mensch befindet Freiheit wenigstens gefühlsmäßig für besser als Unfreiheit; aber die Leute, die nicht über die religiöse Absicherung** verfügen, müssen fast (sofern sie vital und logisch sind und soweit sie nicht mehr unter der Macht der Gewohnheit stehen) in die Unfreiheit fallen. Der Mensch will nun einmal Sicherheit.

**Mt 6,32ff., Spr 13,4b.25 und die Gewißheit, daß, wenn einen ein Leiden trifft, es einen Sinn hat.

Alipius hat gesagt…

@ Imrahil: Der Sinn war dieser: Jesus hat sich aus freiem Willen (in Freiheit) dem Leiden unterworfen. Wenn wir vor diesem Hintergrund die Freiheit hoch genug schätzen, dann bleibt das milde Antlitz dessen erkennbar, der zu verstehen gegeben hat, daß Freiheit auch bedeuten kann, etwas "Ich" zu opfern, um im Gegenzug viel "Du" oder "Ihr" zu ermöglichen.

Anonym hat gesagt…

Freiheit muss auch bedeuten, NEIN zu Leiden sagen zu können - und sein Leben selbst wieder abzugeben.
Und, nachdem ich jetzt 2x Alter und Sterben von lieben Menschen miterlebt habe, kann ich sagen, dass es respektlos oder naiv klingt, jemandem "Bequemlichkeit" zu unterstellen, der sich den Horror nicht bis zum bitteren Ende geben möchte.

Dass das Ganze ein slippery slope ist und die Gefahr des Mißbrauchs oder Drucks besteht, ist klar, das hier gute Regelungsinstrumentarien und Kontroln geschaffen werden müssen, auch.

Ich hoffe aber trotzdem SEHR, dass aktive Sterbehilfe legal sein wird, bis ich in das Alter komme.

Den Sterbeprozess habe ich, soweit ich das als "Begleitung" beurteilen kan, über weite Strecken als eine massiv mühsame und würdelose, einsame, schmerzhafte und langwierige Angelegenheit erlebt - auch bei guter, einfühlsamer medizinischer Betreuung, Rundum-Anwesenheit von Angehörigen und bei weitem nicht den katastrophalen Schmerzen und Komplikationen, die es geben könnte.

Ein liebender Gott, denke ich, hätte sich wahrscheinlich eine weniger grausame Endphase des Lebens ausdenken können, und ich gedenke, so irgend möglich, mich diesem Horror zu verweigern.

Leiden macht nicht automatisch edler, geläuterter und weiser. Es ist kein Wert an sich, sonst würden wir ja auch keine Anästhesie zulassen und aus persönlichkeitsstärenden Gründen Wurzelbehandlungen nur noch ohne Spritzen durchführen.

Alipius hat gesagt…

@ anonym: Natürlich bedeutet Freiheit auch, "Nein" zum Leiden sagen zu können. Daher haben wir ja auch solche Dinge wie Betäubung. Aber solche Hilfsmittel sollen dazu dienen, Schmerzen zu lindern oder ihnen aus dem Weg zu gehen aber nicht dazu, ein Leben aktiv vorzeitig zu beenden. Schmerzlindernde Mittel und aktive Sterbehilfe sind daher zwei verschiedene Kategorien, so daß es keinen Sinn ergibt, den Gebrauch von Spritzen beim Zahnarzt skeptisch zu betrachten, weil aktive Sterbehilfe nicht gestattet ist.