Dienstag, 21. Mai 2013

Empörung, oder...?

Bereits vor einer Woche hat sich der Geistbraus über Romeo Castelluccis Theaterstück "Über das Konzept des Angesichts von Gottes Sohn" Gedanken gemacht. Und er hat mit diesen Gedanken ziemlich genau dahin getroffen, wo es auch bei mir juckt.

Ich kenne von dem Stück nur, was das Internet an Filmschnipseln und Kritiken zu bieten hat. Und da will sich bei mir einfach keine rechte Empörung einstellen, aus den Gründen, die der Geistbraus gut beschrieben hat.

Unruhig macht mich eher diese Empörungsroutine, dieses "Bühne (außer Oberammergau) + Jesus = Protest", um es mal überspitzt zu formulieren. Sicher: Christus und Christliches wurden und werden immer wieder mal von Bühne und Leinwand, von Kunst und Literatur durch den Kakao gezogen, manchmal auch bis zur Schmerzgrenze. Aber man sollte nicht übersehen, daß heutzutage auch Dinge angefeindet werden, die es weder mit unserem Herrn noch mit denen, die an ihn glauben, so böse meinen, wie die ersten und meist lauten Kritiker es darstellen. Mit dem Geistbraus denke ich da z.B. an einen Hermann Nitsch, der mit seinen zugegebenermaßen wüsten Aktionen und Riten nicht nur tief im Katholischen herumwühlt, sondern auch Bilder produziert, die haften bleiben und die auf mich immer ausgesprochen aufregend, barock, prall und prunkend wirken, fast wie ein weihrauchdurchzogenes Pontifikalamt mit Orgelsturm.

Zugegeben: Als ich zum ersten Mal auf Nitsch aufmerksam wurde, fühlte ich mich abgestoßen, war schockiert. Aber als ich begann, mich mit ihm ein wenig näher zu beschäftigen, ging es ziemlich schnell bergauf.

Gleiches gilt auch für "Über das Konzept des Angesichts von Gottes Sohn": Als ich irgendwo die Schlagzeile "Granaten auf Jesusbild!" las, zuckte ich erst einmal entsetzt zusammen. Sobald ich aber eine sehr knappe Zusammenfassung des Stückes gelesen und einen Filmausschnitt mit der Granaten-Szene gesehen hatte, war das Entsetzen verflogen. Mehr noch: Ich fand mich in Gedanken wieder und konnte letztlich dem Regisseur keine böse Absicht mehr unterstellen. Hinzu kommt, daß der kurze Filmausschnitt eigentlich das bestätigt, was mein Glaube mich lehrt: Jesus wurde und wird vor und nach seiner Auferstehung (auf der Bühne symbolisiert duch ein Verdunkeln und Wiederaufleuchten seines Gesichtes) im übertragenen Sinne immer wieder Mal mit Granaten beworfen. Aber er hört dennoch nicht damit auf, milde auf die Werfenden hinabzublicken.

Ich werde es auch künftig so halten, daß ich erst einmal die Wogen vorüberziehen lasse und mich mit bestimmten "Skandal"-Stücken ein wenig näher beschäftige, bevor ich mich äußere. Es könnte sich lohnen. Manchmal wartet hinter dem Schock das Salböl.

Kommentare:

Kreuzknappe hat gesagt…

Kann man so sehen oder auch so wie Kardinal Woelki, der der Ansicht ist, dass unser Glaube da "durch den Dreck gezogen" wird.

Siehe auch hier:
http://kreuzknappe.blogspot.de/2013/05/ein-theaterstuck-das-nach-scheie-riecht.html

Geistbraus hat gesagt…

@Alipius, danke für die Wortmeldung :)