Donnerstag, 11. April 2013

"Zur Schau gestellt"...?

Auch einen Monat nach der Wahl von Papst Franziskus lese bzw höre ich noch Stimmen, denen seine "zur Schau gestellte" Demut und Bescheidenheit nicht gefällt. Oft fällt in diesem Zusammenhang auch das Wort "Hochmut" und Vergleiche mit dem "echten" Franziskus (dem von Assisi) werden gezogen.

Und immer wieder frage ich mich: Handelt es sich wirkllich um ein Zur-Schau-Stellen, welches nur der Befriedigung der eigenen Eitelkeit dienen soll? Oder handelt es sich um ein Zur-Schau-Gestellt werden, welches der Heilige Vater nutzt, um zu lehren?

Wir leben in einer Zeit, in der Fernsehsender selbst einen Mallorca-Aufenthalt einer Gruppe unterbelichteter Teenies als sendbares Material betrachten und in der Zeitungen uns praktisch live von den Schlafzimmertürschwellen abgehalfteter C-Promis berichten. Wie sollte es da einem Papst möglich sein, auch nur ans Nasebohren zu denken, ohne daß es Sekunden später die ganze Welt weiß?

Und wie sollte es der ganzen Welt möglich sein, heutzutage nicht vom Heiligen Franziskus zu erfahren, wenn er denn heute lebte und all das täte, was er damals tat (nur irgendwie ins heute übersetzt)?

Der schwerste "Hmm... Weiß nicht..."-Moment, den ich bisher bei Papst Franziskus hatte, war die Fußwaschung. Allerdings nicht die Fußwaschung selbst (auch, wenn ich die Argumente dagegen gelesen und verstanden habe und sie mir in der Tat oft überlegt und richtig erscheinen - Ich denke auch, daß Muslime mit einer Taufe mehr anfangen können als mit eienr Fußwaschung. Ich denke aber auch, daß die Fußwaschung als Signal keine Demutsgeste gegenüber dem Islam war, die jetzt alle Extremisten jubeln läßt), sondern die Tatsache, daß sie nicht unter Ausschluß der Medien stattfand. Das wäre ein Setting gewesen, wo man durchaus mal hätte sagen können "Extra omnes". Andererseits wären dann natürlich die Spekulationen noch wüster gewesen ("Papst bietet Muslima seinen Job an!").

Die Welt, in der genau das immer Privatsache sein soll, was dazu in der Lage ist, die Stimme des eigenen Gewissens nicht vorschnell zum Schweigen zu bringen, ist leider auch die Welt, in der alles öffentlich ist und sein muß, was uns gestattet, Urteile über den Gewissenszustand anderer zu fällen.

Dem kann sich auch ein Papst nicht entziehen, und deswegen sollte Franziskus einfach das Beste daraus machen, sollte sich um die "Guck mal, wie hochmütig der in seiner Demut ist"-Rufer nicht groß scheren und sollte sich wenn, dann nur von seinem Amt und nicht von irgendwelchen Unkern verbiegen lassen.

Denn der Mann muß in das Papstamt hineinpassen, nicht umgekehrt.

Kommentare:

kalliopevorleserin hat gesagt…

Franziskus von Assisi - das war doch der, der seine Umkehr mit einer wahrlich spektakulären Geste mitten auf einem vollen städtischen Platz vollzogen hat. Der, dessen Leben sehr weitgehend in der Öffentlichkeit stattfand. Warum wird sein Beispiel wahrhaft gefunden und das Beispiel unseres Papstes nicht? Können nicht beide ehrlich sein?

Matthäus hat gesagt…

Sehr gut! Danke!

ankerperlenfrau hat gesagt…

Danke, guter Artikel. Es gibt Menschen, die können mit dieser Zwangsöffentlichkeit umgehen, andere weniger. Johannes Paul II. schwamm darin, wie ein Fisch im Wasser und ER bestimmte die Zeichen. Papst Benedikt war es ganz offensichtlich zuwider, er setzte auf die Verkündigung. Mein Eindruck war immer, daß er sich in liturgischen Fragen ganz seinem Zeremoniar überließ, vielleicht zu viel. Das hat sein Bild mehr geprägt als seine Ansprachen: denn die meisten Menschen hören nicht zu!

Geistbraus hat gesagt…

also ich denke, es gibt durchaus verschiedene Kategorien der Franzschen Demutsbezeigungen, die durchaus unterschiedlich zu bewerten sind.

Ich störe mich z.B. nicht daran, dass er das Protokoll bricht, seine Hotelrechnung selbst zahlt, Regierungschefinnen küsst usw. Das ist nun mal seine Art, es kommt mir jedenfalls authentisch vor, und egal ob man es angemessen findet oder nicht: zur Schau gestellte Demut ist es jedenfalls nicht. Das hast Du recht mit der Aussage, dass sowas eben im Medienzeitalter zwangsläufig öffentlich wird.

Etwas anderes sind aber Entscheidungen wie der neue Papstname, das dauerhafte Wohnen im Hotel, der Verzicht auf diverse Kleidungsstücke usw. - also alles, womit er nach seinem persönlichen Gusto das Papstamt kleiner macht. Das ist m.M. schon eine problematische Art von Demut.

Eine dritte Kategorie sind schließlich seine Tendenzen zur Relativierung des päpstlichen Primats. Wenn es hier wirklich zu grundlegenden Änderungen kommen sollte, würde sich seine persönliche Demut an zentralen kirchlichen Lehrinhalten vergreifen, und das könnte man wohl nicht anders denn als "Hochmut" bezeichnen.

Juergen hat gesagt…

"Zur Schau gestellt", fragst Du?

Ja, zur Schau gestellt.

Aber das ist sowieso in kurzer Zeit erledigt, wenn er das Papstamt endgültig erledigt hat. Die Weichen dazu hat er ja schon gestellt.

Alipius hat gesagt…

@ geistbraus: Ja, so ähnlich sehe ich es auch. Zumindest bei Punkt 3 bin ich an Bord. Bei Punkt 2 ringe ich noch ein wenig mit mir.

@ Jürgen: Locker bleiben!

Juergen hat gesagt…

„Quo vadis, Domine?“, fragte Petrus den Herrn.

Der Herr antwortete: „Venio Romam iterum crucifigi.“

Inzwischen ist er ein Rom angekommen und findet den, der ihn und seinen mystischen Leib die Kirche, kreuzigt, als Nachfolger des Hl. Petrus.

Oder so ähnlich…

Anonym hat gesagt…

Ich finde es immer ganz schwierig, jemandes Intention per Ferndiagnose zu bestimmen - auch, weil sie mehr über den Ferndiagnostizierenden aussagt als über den Ferndiagnostizierten.
Wenn ich ein großer Fan der roten Schuhe und es ärgert mich, dass der neue Papst nicht darin herumschlappt, kann ich ihm mangelnde Demut vor dem Amt vorwerfen.
Wenn ich die roten Schuhe nicht mag, kann ich jubeln und dem Mann unterstellen, das Ganze wäre der Beginn der Revolution.
Der Papst tut dabei in diesem Bespiel nichts, außer Schuhe anzuziehen, und wir liefern den Rattenschwanz von Interpretationen dazu, die rein subjektiv gefärbt sind.

Was der Papst sich wirklich denkt, weiß kein Mensch so genau. Also wäre ich hier ein großer Befürworter von

1. abwarten
2. Teetrinken
3. in zwei, drei Jahren das Thema wieder aufgreifen.

Mit freundlichen Grüßen voller Sympathie an alle, die sich an dem Papst in dieser oder jener Richtung abarbeiten,
Hörnerbewehrter Nichtchrist

Marsilio Ficino hat gesagt…

Was die Wahl oder Ablehnung von Kleidungsstücken und Paramenten angeht, denke ich nicht, dass es sich hierbei um Demut handelt, sondern schlicht um persönliche Vorlieben, die vermutlich biographisch bedingt sind. Schließlich hat unser Papst seine prägende Ausbildungsphase in den Zeiten des liturgischen Umbruchs erfahren, der in Südamerika wie auch in den romanischen Ländern besonders abrupt und einschneidend gewesen ist. Er hat vermutlich eine innere Abneigung gegen römische Kaseln und dergleichen, wie sie andere Kleriker seiner Generation auch haben. Ich kenne da genügend Beispiele. Wirklich verstehen kann man dies nur aus den Zeitumständen der 60er Jahre heraus. Wir heutigen, die diese Zeit nicht erlebt haben, denken oft gänzlich anders in diesen Fragen.