Montag, 8. April 2013

Traumpaare...

Eben habe ich wieder etwas von irgendeinem Hollywood-"Traumpaar" gelesen. Die scheinen ja immer hoch im Kurs zu stehen. Ob "Bennifer" oder "Brangelina" oder "TomKat" oder was auch immer die Medien aus den zwei Namen zweier Berühmtheiten zusammenmixen (Ich warte immer noch darauf, daß Til Schweiger und Rachel Weisz mal zusammenkommen...).

Was aber ist der "Traum"-Anteil am Paar? Wir haben es mit Berühmtheiten zu tun, die in der Regel granatenmäßig aussehen und in ihren großen Tagen auch anständig Kohle einfahren. Beginnt der Traum nun bereits da, wo man sich vorstellt, was zwei so ungeheuer bedeutende Persönlichkeiten tagaus-tagein miteinander unternehmen, was sie zu bereden haben, wie sie mit ihren kleinen und großen Niederlagen und Triumphen umgehen? Oder fängt der Traum erst da an, wo man sich vorstellt, wie es wohl wäre, wenn man selbt Teil eines solchen Traumpaares ist?

Ich denke, die zweite Möglichkeit kann man gleich mal vergessen, denn wenn Nobody sich einen Star krallt, wenn "man" also tatsächlich Teil eines "Traumpaares" wird, dann hat man streng genommen ja schon kein "Traumpaar" mehr sondern eher einen Promi, der in den Augen der Medien irgendwie "unter Stand" geheiratet hat. Helfen kann da noch ein post-eheliches Status-Update, durch welches die unbekannte Hälfte des Paares auch Star- oder Sternchen-Level erreicht (Dieter Bohlen/Naddel).

Und warum sollte die erste Möglichkeit greifen? Warum sollte irgendwer sich für das Privatleben zweier Menschen interessieren, nur, weil sie berühmt, gutaussehend und wohlhabend sind? Vielleicht ticke ich da einfach anders, aber für mich werden Leute eigentlich immer erst interessant, wenn ich sie persönlich kennengelernt habe und nicht, wenn sie mir als Berühmtheit präsentiert werden. Natürlich kenne ich das "Fan"-Prinzip, und es gab Tage in meiner Jugend und meinem jungen Erwachsenen-Leben, da hätte ich einiges drum gegeben, mit Robert Smith oder Michael Stipe oder Simon Huw Jones oder Tanya Donelly oder Dave Sim oder Neil Gaiman einen Kaffee trinken und schwatzen zu können. Aber hätte ich diese Leute nach dem Kaffee immer noch interessant gefunden? Möglich. Aber nicht sicher.

Ist das "Traum"-Paar vielleicht einfach nur eine weitere geschickte Medien- und Industrie-Konstruktion, die uns vorschreibt, was wir toll zu finden haben, wofür wir uns zu interessieren haben, wie wir auszusehen haben, wie wir zu leben haben, ohne daß wir das vorgeschriebene Niveau jemals wirklich erreichen können? Werden wir durch diese Träume nicht einfach nur zu brav konsumierenden und zahlenden Hinterherhechlern, die - in den meisten Fällen gegen alle Chancen - versuchen, etwas zu erreichen, nur weil man uns gesagt hat, wir hätten es bitteschön zu erreichen und die, wenn sie es nicht erreichen können, sich wenigstens für die Details aus dem Leben derer interessieren, die es erreicht haben? Ist das "Traum"-Paar nur eine weitere Spielart von "Traum-Figur, "Traum-Urlaub, "Traum-Haus, "Traum"-Job?

Und ist somit das "Traum"-Paar nichts als ein weiteres Rädchen in der Manipulations- und Betrugs-Maschine, die uns umso mehr unserer eigenen Träume zu beraubt, je mehr sie uns ihre eigenen "Träume" präsentiert?

Es hat lange gedauert, aber ich habe nun seit einigen Jahren meinen "Traumjob" als Chorherr und Priester. Ich bewohne ein Zimmer in meinem "Traumhaus" in Klosterneuburg. Ich habe jedes Jahr ein paar Tage "Traumurlaub" in Bamberg. Die Pointe ist, daß alle diese "Traum"-Dinge sich erst als solche erwiesen, nachdem ich sie kennengelernt hatte und daß sie nicht bereits als (schwer bis nicht erfüllbare) "Träume" von anderen in mich hineingeschmuggelt wurden. Ich habe mir einfach die Freiheit genommen, mich ein wenig umzuschauen, ein wenig herumzuprobieren, viele Dinge kennenzulernen, hier "ja" und dort "nein" zu sagen und langsam aber sicher meinen Platz zu finden.

Was nun das "Traum"-Paar betrifft... Ich denke schon, daß Jesus und ich ein ganz gutes Team sind. Das ist jetzt natürlich nicht die Definition von "Traumpaar", welche uns die Medien vorschreiben, aber sei's drum. Auf der einen Seite haben wir den Gott, auf der anderen Seite haben wir sein Geschöpf. Eigentlich eine ziemlich ungleiche Konstellation. Als "Paar" kann man uns aber trotzdem bezeichnen, weil ER mir in unseren Begegnungen im Gebet, in der Beichte und beim Heiligen Meßopfer immer wieder die Kraft und den Mut und die Laune gibt, all das zu tun, was ich eben so tue und weil ich im Gegenzug ganz offen alles vor IHn trage und vertrauensvoll vor IHm ausspreche, was mich so bewegt. Und das ist ja schon mal nicht schlecht.

1 Kommentar:

Admiral hat gesagt…

Mit "Traumhaus" hast Du jetzt aber maßlos untertrieben. :-)