Mittwoch, 17. April 2013

Sorry, kein Platz!

Erzbischof Vincent Nichols, Westminster, sagte vor einer Woche in einer Predigt dies:
    The Church must be a community rooted in the love of the Lord. Pope Francis understands this in practical terms. He has already identified two kinds of behaviour that destroy love in the Church. They are complaining and gossiping. He is a practical man. He knows that we live in a society in which complaining and gossip is a standard fare. They sell newspapers and attract us to blogs because we love hear complaints and to read gossip. But Pope Francis is clear: they should have no place in the Church.

    [Die Kirche muß eine Gemeinschaft sein, die in der Liebe des Herrn verwurzelt ist. Papst Franziskus versteht dies in praktischen Begriffen. Er hat bereits zwei Arten von Benehmen ausfindig gemacht, die die Liebe in der Kirche zerstören. Es sind Beschwerden und schlechtes Reden über andere. Er ist ein praktischer Mensch. Er weiß, daß wir in einer Gesellschaft leben, in der Beschwerden und das schlechte Reden über andere auf der Tagesordnung stehen. Sie verkaufen Zeitungen und locken uns auf Blogs, weil wir es lieben, uns zu beschweren und schlecht über andere zu reden. Aber Papst Franziskus ist deutlisch: Sie sollten in der Kirche keinen Platz haben]
Ich konnte in den Berichten über die Predigt von Papst Franziskus vom 9. April (auf welche Nichols sich bezieht) nirgendwo eine Formulierung finden, die nahelegt, daß für irgendwen in der Kirche kein Platz sein sollte.

Ich weiß nicht, welches Hühnchen Nichols mit wem über welches Thema zu rupfen hat. Ich weiß wohl, daß auf katholischen Blogs nicht selten schlecht über andere geredet wird (ich nehme mich da auch nicht heraus). Aber ich sehe nicht, wo die Schlußfolgerung herkommt, daß Sünder plötzlich keinen Platz mehr in der Kirche haben sollen (es sei denn, ich habe das Memo nicht bekommen, in welchem uns mitgeteilt wurde, daß wir seit neuestem die "Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner"-Kirche sind).

[HT: Pat Archbold auf NCR]

Kommentare:

Gorgasal hat gesagt…

Öhm... wenn ich den englischen Text lese, dann bezieht sich das "they" offensichtlich nicht auf Menschen, sondern auf "two kinds of behaviour", nämlich eben "complaining and gossiping".

Natürlich gibt es keine Menschen, für die in der Kirche kein Platz ist. Aber ich denke, dass es für gewisse Verhaltensweisen doch in der Tat keinen Platz geben sollte.

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Schon gesehen?
http://philippi-collection.blogspot.de/2013/04/biretta-model-alipius.html

Alipius hat gesagt…

@ Gorgasal: Ja, diese Interpretation habe ich auch angedacht. Aber es ist nun mal so, das "Beschweren" und "Schlecht über andere Reden" keine Zeitungen verkaufen und niemanden auf Blogs locken. Das machen immer noch Menschen. Daher fand ich die Ausdrucksweise des Erzbischofs mehr als unglücklich.

Braut des Lammes hat gesagt…

Das Gossipping – Klatsch, Tratsch, Ablästern – und die schlechten Reden machen, daß Zeitungen sich gut verkaufen und Leute Blogs anklicken, wo sie sowas finden – so hab ich den Originaltext verstanden.

Alipius hat gesagt…

@ Braut des Lammes: Ich war mir einfach nicht sicher, ob es wirklich so verstanden werden soll, weil Nichols vom Singular ("is a standard fare") sofort zum Plural ("They sell...") wechselt. Aber okay, ich war da vielleicht einfach angefressen oder erbsenzählerisch. Deine Interpretation ergibt jedenfalls Sinn und ist wohl auch das, was Nichols gemeint haben wird.

Jorge hat gesagt…

Ja, Alipius, ich denke das war ein sprachliches Missverständnis.

Das erste "They" (sell newspapers usw.) ist ein unpersönliches Personalpronomen, das auf Deutsch wohl besser mit "man" wiedergegeben werden sollte. Es expliziert jedenfalls den vorausgehenden Satz über den Zustand der Gesellschaft. Es bezieht sich auf keinen Fall auf dasselbe Subjekt wie das zweite "They" (should have no place usw.). Das nimmt ganz unmissverständlich auf die beiden zuvor noch einmal genannten Verhaltensweisen Bezug. Die dürfen (nicht "sollten") keinen Platz in der Kirche haben, nicht irgendwelche Menschen.

Man verkauft Zeitungen und

Anonym hat gesagt…

Meiner Meinung nach bezieht sich das "They" immer auf "two kinds of behaviour".

Uebers. in etwa so:
...zwei Arten von Benehmen identifiziert, die die Liebe in der Kirche zerstoeren.
Es sind "das sich-Beschweren" und "Tratschen".
...Er weiss, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Beschwerden u. Tratsch normal sind.
Diese(Verhaltensweisen) verkaufen Zeitungen und locken uns auf die Blogs...
...Diese(Verhaltensweisen) sollten keinen Platz in der Kirche haben.

Die im Deutschen unlogisch klingende Formulierung, das "Verhaltensweisen" etwas "verkaufen" ist ein Anglizismus; gemeint ist dass diese Themen dafuer sorgen, dass etwas gekauft wird.

Braut des Lammes hat gesagt…
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Braut des Lammes hat gesagt…
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Braut des Lammes hat gesagt…

(nochmal ohne Tippfehler):

Die Kirche muß eine Gemeinschaft sein, die in der Liebe zum Herrn verwurzelt ist. Papst

Franziskus versteht dies ganz praktisch. Er hat bereits zwei Verhaltensweisen aufgezeigt, die die Liebe in der Kirche zerstören. Dies sind Klagen und Tratsch. Er ist ein praktischer Mensch. Er weiß, daß wir einer Gesellschaft leben, in der Klagen und Tratsch gewöhnliche Handelsware sind. Sie sorgen dafür, daß sich Zeitungen verkaufen und locken uns auf Blogs, weil wir liebend gern Klagen hören und Klatsch lesen. Doch Papst Franziskus ist deutlich: in der Kirche sollten sie keinen Platz haben.