Montag, 29. April 2013

Lustig ist auch,...

... daß ZdK-Vizepräsidentin Claudia Lücking-Michel neben dem Sockengate auch noch für diese Aussage verantwortlich ist:
    "Wir leiden innerkirchlich unter Sprachlosigkeit in Bezug auf alles, was mit Sexualethik zu tun hat. Uns fehlen die Worte oder wir trauen uns nicht, auszusprechen, was wir wirklich denken."
Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob sie wirklich "Sexualethik" sagen wollte und nicht "Sexualmoral". Sollte sie "Sexualmoral" gemeint haben, dann liegt sie ziemlich daneben, denn über kaum etwas wird in der Kirche (und außerhalb der Kirche) so viel gesprochen wie über die kirchliche Sexualmoral, und zwar in der Regel in dieser Form: Zuerst spricht man über die kirchliche Sexualmoral, dann regt man sich darüber auf, dann ignoriert man sie. Da fehlen weniger die Worte, als das Verständnis für die Worte und die Bereitschaft, den Mut und die Kraft aufzubringen, das, was man "wirklich denkt", mit dem, was die Kirche wirklich sagt, in Einklang zu bringen.

Sollte Frau Lücking-Michel die Sexualethik gemeint haben, dann sehe ich auch nicht, wohin sie damit will. An dieser Stelle möchte ich auf einen Beitrag bei Josef Bordat verweisen, der vor ziemlich genau einem Jahr schrieb:
    Ethiker argumentieren dabei auf drei unterschiedlichen Ebenen: auf der deskriptiven Ebene, der normativen Ebene und der Meta-Ebene. Auf der deskriptiven Ebene wird beschrieben, was ist. Psychologen, Soziologen, Ethnologen und Anthropologen liefern empirische Daten über tatsächlich gelebte Moralvorstellungen. Philosophen strukturieren die in der Geschichte erarbeiteten Argumente und die gewonnenen Erkenntnisse und liefern so die Basis für die Arbeit auf der normativen Ebene. Auf dieser wird dann darüber beraten, was sein soll. Hier findet die Kritik des beschriebenen Materials statt, sowohl der empirischen Daten, wie auch der historischen Argumente. Es findet also eine Reflexion auf Moral und Moraltheorie statt. Auf der Meta-Ebene findet nun eine Reflexion auf die Ethik selbst statt. Ihre Instrumente und Techniken werden durchleuchtet, die von ihr verwendeten Begriffe analysiert.
Wenn sie über "Sprachlosigket in Bezug auf alles, was mit Sexualethik zu tun hat" spricht, dann berührt Frau Lücking-Michel hier "sexualethisch" für mein Empfinden nur die deskriptive Ebene, auf der ja am untersuchten Ende tatsächlich gegenüber dem Tatendrang (Verfehlungen gegen die katholische Sexualmoral) eine gewisse Sprachlosigkeit herrscht (Wir machen's einfach gerne und oft und in jeder Form und reden nur dann darüber, wenn es daumenschraubig genug rüberkommt). So wirkt es dann (zumindest auf mich), als versuche Frau Lücking-Michel (und mit ihr natürlich viele andere Katholiken), über das, was ist (eine seltenst bis nicht gelebte katholische Sexualmoral) das was sein soll (der Inhalt der katholischen Sexualmoral und -moraltheorie) zu ändern.

Die Frage ist, ob es jemals in diese Richtung funktioniert hat? "Die Menschen lügen gerne und oft, also soll es so sein, daß die Menschen lügen!" Klingt irgendwie falsch...

Ich denke, Frau Lücking-Michel muß sich akkurater und ehrlicher auf der deskriptiven Ebene rumtreiben, indem sie nicht nur untersucht, was die Leute gerne und tatsächlich treiben, sondern indem sie auch fragt, was genau eigentlich die Konsequenzen dieses Treibens sind. In der tatsächlichen Sprachlosigkeit, die sich einstellt, während sie über die Abtreibungszahlen, die Ausbreitung der Geschlechtskrankheiten, die Scheidungsraten, die Hormoncocktails, die mit nur einem Elternteil aufwachsenden Kinder etc sinniert, kann sie dann vielleicht die Ruhe finden und die Kraft sammeln, nicht nur medienwirksame Entschuldigungen auszusenden, sondern auch innerlich ein wenig zurückzurudern. Denn erstens ist der Umgang der Kirche mit der Sexualität natürlich nicht so verkrampft, wie es ihre "Igitt! Ein nackter Fuß!"-Stand-up-Comedy uns glauben machen wollte. Und zweitens ist es gut und richtig, daß die Kirche beim Thema Sexualität ein (bremsendes) Wörtchen mitredet, denn die wirkliche Verkrampfung ist doch heute mittlerweile da zu finden, wo schon junge und jüngste Mitglieder unserer Gesellschaft in den Strudel des erotischen und sexuellen Hochleistungssports mit hineingezogen werden (sollen), so daß sie kaum noch abwartend und locker dieses wichtige Thema kennenlernen können. Wer sich schon mit 16 als Verlierer fühlen muß, weil er noch keinen Sex hatte, dem tut eine Portion katholischer Entspanntheit in Sachen Sex sicherlich ganz gut.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Vom Sein auf das Sollen zu schließen, ist ein naturalistischer Fehlschluß. Das fühlt sich nicht nur falsch an, das ist es auch.

Alipius hat gesagt…

@ anonym: Ich weiß, Humes Gesetz...
Ich wollte es irgendwie unfachmännisch ausdrücken und nicht mit Namen um mich schmeißen ;-)

Anonym hat gesagt…

Mann kann dieses wichtige Thema auch definitv kaputt theroretisieren. Gut gelungen.

Arminius hat gesagt…

Diese Frau ist eine typische Funktionärin der in Deutschland registrieten Partei mit dem geheuchelten "C".

Alipius hat gesagt…

@ anonym (29. April 2013 20:28): Inwiefern?

Le Penseur hat gesagt…

@Don Alipio:

Griffiger, klarer Text, den ich mir erlaubt habe, zum Nutzen und Frommen meiner — zum guten (bösen?) Teil doch deutlich »kirchenfernen« — Leserschaft zu verlinken ...