Freitag, 12. April 2013

Karfreitagstanz und Papst-Fixierung

Der ehemalige Ratsvorsitzende der EKD, Bischof i. R. Wolfgang Huber, wird im ZDF-Interview nach seiern Meinung zum Tanzvrbot am Karfreitag befragt. Der Interviewer zitiert dabei den Slogan der Tanzbefürworter: "Ich laß dich beten, laß du mich tanzen!"

Unaghängig davon, daß die meisten derjenigen, die nun plötzlich am Karfreitag unbedingt tanzen müssen, ohne breiter angelegte Anti-Tanzverbots-Aktionen wohl nie auf die Idee gekommen wären, das Thema hervorzukramen, tut es vielleicht hin und wieder gut, wenn Leute lernen, daß nicht immer alles nur mit ihnen und mit dem, was sie unbedingt zu brauchen meinen, zu tun hat. Wenn "ich" nur deswegen beten darf, weil "ich" dich tanzen lasse und "du" mir dafür das Beten gestattest, dann verkommt das gesellschaftliche Miteinander zu einem faden Handelsplatz, auf dem jeder nur noch eifersüchtig auf seine Vorteile schaut und eine mit ein wenig Verzicht kombinierte Rücksichtnahme keinen Platz mehr findet.

Später warnt Huber die Medien vor einer Papst-Fixierung und weist darauf hin, daß es sowohl in der katholischen als auch der evangelischen Kirche auch noch andere interessante Nasen gibt. Da hat er Recht (mit den Nasen) und Unrecht (mit dem Papst). Alles, was katholisch ist, ist irgendwie immer ein wenig prickelnder, geheimnisvoller, weihrauchdurchzogener und glöckchenklingender. Alles, was katholisch ist, ist aus Sicht vieler Medienmacher und Medienschlucker in unserer Zeit und auf unserem Kontinent immer irgendwie zugleich überholt und todgeweiht und dennoch so lebendig, daß ein falscher Nebensatz eines Bischofs tagelang Schlagzeilen machen kann. Alles, was katholisch ist ist irgendwie zugleich frivol, gefährlich und anders aber eben auch lockend, faszinierend und vertraut. Und wenn es dann einen Mann gibt, den man als "Oberhaupt der Katholiken" bezeichnet, dann kann es in der evangelischen Kirche einfach niemanden geben, der über lange Zeit ein solches Interesse entfacht.

Kommentare:

Juergen hat gesagt…

Die kath. Kirche und ihre Vertreter sind für die Medien deswegen interessant, weil sie immer anders sind (bzw. teilweise eher: waren). – Der Stachel im Fleisch der Gesellschaft – Die Kirche, die die gleiche gestern und heute und morgen ist, ist nicht nur anders, sondern verweist in der Andersheit auf den ganz Anderen.

Die ev. Kirche und ihre Vertreten sind hingegen ganz im Hier und Jetzt verankert und ein mitschwimmender Teil der Gesellschaft.
Was soll daran interessant sein?
Die ist so interessant, wie das Radieschenzüchten von Frau Müsebrink in der Schrebergartensiedlung „Frisch ans Werk“ in Parzelle 08-15.

Anonym hat gesagt…

Ich habe kein Problem damit, wenn das Karfreitagstanzverbot fällt. Wenn man meint, dass das nicht mehr zu unserer Kultur passt, muss man sich von diesem alten Zopf eben trennen. Ich fürchte halt nur, dass die Befürworter des "Alten-Zopf-Abschneidens" erwarten, an einem freien Tag Halligalli machen zu können, wie es ihnen beliebt.

Nun, wenn das Karfreitagstanzverbot nicht mehr in unsere Zeit passt, dann der ganze Feiertag nicht mehr. Sollen sie tanzen wie es ihnen beliebt. Nach einem normalen Arbeitstag. Und den darauf folgenden Ostermontag können sie dann auch arbeiten.

Und Weihnachten, und Christi Himmelfahrt, Fronleichnam, Pfingsten....

Wenn das nicht mehr in unsere Kultur passt, gibt es keinen Grund mehr für die Feiertage! Die sind dann konsequenterweise auch futsch...

Interessanterweise habe ich bei dieser Diskussion nie eine Beschwerde darüber gehört, dass man doch lieber arbeiten gehen möchte, um nicht an diese vermeintlich nicht mehr in unsere Zeit passenden, alten Zöpfe unserer Kultur erinnert zu werden. Auch nicht in Bezug auf die anderen christlichen Feiertage. Komisch, eigentlich...

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Erinnert mich an eine Karikatur: Katholische Bischöfe in Soutane und Chorrock werden von Fernsehteams umlagert, daneben steht ein protestantischer Pfarrer im schwarzen Talar, von dem kaum einer Notiz nimmt bis auf ein Kameramann, der zu ihm sagt: "Sorry, aber die Katholischen sind einfach bunter" ... ;-)