Mittwoch, 3. April 2013

Ich will den alten "pro multis"-Streit hier nicht wieder aufflackern lassen,...

... aber ich muß dennoch auf einen Artikel in der Herder Korrespondenz verlinken, der mir doch arg konstruiert vorkommt.

Bevor ich auf den Artikel zu sprechen komme, kurz die Skizzierung einer alltäglichen Szene, wie sie sich wohl nicht nur in meiner Familie abgespielt hat und abspielt. Mama sagt: "Denkst du auch daran, Vater zum Geburtstag zu gratulieren!" - Sohn antwortet entweder: "Logo!" oder "Au Backe! Das hätte ich jetzt toal vergessen! Danke für die Erinnerung!" - Fertig!

Im Artikel von Andreas Odenthal und Wolfgang Reuter wird diese Szene nun mit unzähligen Schichten psychologischer Begutachtung übertüncht, mit "Gegenabhängigkeit", mit "überreglementierende(r) Bevormundung", mit einer "über-verantwortlichen Allzuständigkeit", mit "einem an den Bedürfnissen des Anderen orientierten falschen Selbst", mit "dyadischer" und "triadischer" Struktur etc...

Nachdem "Normal" also dann endlich zu "Super-GAU" hochgejazzt wurde, stüzt man sich unter diesem Vorzeichen auf die Übersetzung "für viele". Guten Appetit!

Der Artikel ist lang und bot mir - trotz seines "Warum nur hat da vorher noch niemand dran gedacht!?"-Anspruches - keine wirklich neuen Impulse. Vielleicht geht's Euch ja anders...

Kommentare:

einfachentfachend hat gesagt…

Au wei! Da muß man jetzt schleunigst einen Krisenstab einrichten, der sich mit den zahllosen Ambulanzen und Selbsthilfegruppen in all den Ländern austauscht, die die Änderung schon hinter sich haben - oder gab es dort etwa gar keine Schwertraumatisierten?

Admiral hat gesagt…

Das ist doch eine Satire, oder?

Gerd F. hat gesagt…

Ach ja Pro Multis. Die deutschen Bischöfe bereiten die Katechese über die Änderung in den Messtexten sicherlich gründlich vor. Man hört allerdings wenig davon. Bin mal weiter gespannt.

liwindo hat gesagt…

Wenn man so etwas liest wundert man sich nicht mehr, dass die theologische Landschaft in Deutschland einer geistigen Wüste gleicht.
Wer sehnt sich nicht nach einer neuen großen und intellektuellen Koryphäe gleich einem Joseph Ratzinger? Aber davon ist weithin nichts in Sicht, leider...

Imrahil hat gesagt…

Die Frage wird da schon einmal in die ganz falsche Fakultät hineingepfriemelt.

Die Theologie ist da nicht zuständig. Zuständig ist die Altphilologie, oder weniger hochtrabend der Dolmetschdienst.

pro multis heißt, auf Latein, "für viele" oder "für die vielen".

Letzteres eher weniger; und wenn man noch dazu feststellt, daß das aus einem griechischen Text entlehnt ist (der Bibel), wo der bestimmte Artikel ebenfalls fehlt, obwohl es ihn im griechischen gibt, dann ist der Fall in trockenen Tüchern.

Interessant war der Artikel aber trotzdem; und zwar wegen der Einleitung. Die offenbart ein sehr einschlagendes modernes Problem, nämlich daß man angeblich auf Befehl keine willige Handlung mehr tun könne. Das ist schlicht Unfug, und für den Anfang sei der Film "Der Teufelshauptmann" ("I protest, respectfully" - "all right, do it in writing") zum Studium empfohlen.

Und davon abgesehen, wenn ein Priester ein Problem darin sieht, den Eindruck zu erwecken, römische Befehle zu befolgen, ist ohnehin etwas faul.

(Meiner Ansicht nach können, solange es der römische Ritus ist, die Bischofskonferenzen ohnehin nur pragmatische Zuständigkeit haben. Wenn Rom einen Fehler entdeckt, müßte Rom eigentlich hic et nunc durch sofortigen Befehl, wirksam ab vierzehn Tage nach Verkündigung und durch Einkleben in die Meßbücher zu bewerkstelligen, die Korrektur anordnen. Träumen wird man ja wohl noch dürfen...)

Damian hat gesagt…

Die Lösung für das aufgezeigte Dilemma: In jeder Heiligen Messe wird vor den Wandlungsworten per Akklamation abgestimmt, welche Form benutzt werden soll. Bei Unsicherheit in schriftlicher, geheimer Abstimmung.
Dass wir da aber auch nicht gleich drauf gekommen sind!

einfachentfachend hat gesagt…

Danke Imrahil!

Und wenn ich anmerken darf: auch das bisher falsch übersetzte "für alle" war ebenfalls in diesem Sinne ein Befehl, insofern konterkariert sich das vulgärpsychologische Konstrukt der Argumentation auch textimmanent. (geschwollen gesagt)

lylan hat gesagt…

Ach, dieses ganze durcheinander löst sich bestimmt, wenn die Liturgietexte
endlich gegendert werden... :)
Lylan

KingBear hat gesagt…

Zum Thema "pro multis" ist allmählich wohl tatsächlich alles Notwendige gesagt. Jedoch:

Endlich weist mal jemand darauf hin, wie brutal es ist, von einem Elternteil an den Geburtstag des anderen erinnert zu werden! Eine fatale Überregulierung, die nicht nur die zarte Kinderseele verstümmelt, sondern sämtliche innerfamiliären Beziehungen nachhaltig belastet, ja vergiftet! Wem das nicht einleuchtet, dessen Denken ist offenkundig bereits ein Produkt falscher psychosozialer Konditionierung. Da hilft nur ein Crashkurs: 8 Stunden "Best of Zwei bei Kallwass" und Auswertungsgespräch im Kreise frisch zugelassener Pychotherapie-Heilpraktikerinnen. Mit viel, viel Bier.

Admiral hat gesagt…

@KingBear
(Ich hab grad 'nen Déja Vu.)

Bei "viel viel Bier" bin ich dabei. Ich hoffe der Rest ist fakulatativ.