Sonntag, 28. April 2013

"Ich lasse mir von 80-jährigen Männern nicht mehr vorschreiben, wie ich mein Leben zu leben habe"...

... sagt die 70-jährige Ex-Karmeliterin am Tag ihrer "Priester"-"Weihe"...

Was für eine emotional überfrachtete Ego-Show die Szene der "katholischen Priesterinnen" stellenweise abzieht, kann man recht gut ermessen, wenn man sich diesen REUTERS-Bericht über die jüngste "Weihe" in den USA reinzieht:
    In an interview before the ceremony, Smead said she is not worried about being excommunicated from the Church - the fate of other women ordained outside of Vatican law.

    "It has no sting for me," said Smead, a petite, gray-haired former Carmelite nun with a ready hug for strangers. "It is a Medieval bullying stick the bishops used to keep control over people and to keep the voices of women silent. I am way beyond letting octogenarian men tell us how to live our lives."

    ...

    During the ordination ceremony, Smead wept openly as nearly everyone in the audience came up and laid their hands on her head in blessing. Some whispered, "Thanks for doing this for us."

    During the communion service, Smead and other woman priests lifted the plates and cups containing the sacramental bread and wine to bless them. A woman in the audience murmured, "Girl, lift those plates. I've been waiting a long time for this."

    One of those attending the service was Stewart Pawley, 32, of Louisville, who said he was raised Catholic and now only attends on Christmas and Easter. But he said he would attend services with Smead when she starts to offer them in Louisville. "People like me know it's something the Catholic Church will have to do," said Pawley.
Versteht mich nicht falsch: Ich habe mich auch gefreut wie Bolle, als ich endlich geweiht wurde, und bei mir haben auch Leute geklatscht (allerdings erst außerhalb der Kirche) und sich mit mir gefreut. Aber das hier klingt doch zu sehr nach Popstars und nach Groupies und nach Priester-"Weihe" als Einsatz-Chip im kirchenpolitischen Pokerspiel.

Kommentare:

Monika hat gesagt…

Ist es schwer, sich von Exerzitien zu erholen? Wieviel Protest Beiträge braucht man so? Wird wohl individuell sein.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie was über Exerzitien schreiben könnten.

Liebe Grüße

Monika

De Benny hat gesagt…

"Aber das hier klingt doch zu sehr nach Popstars und nach Groupies und nach Priester-"Weihe" als Einsatz-Chip im kirchenpolitischen Pokerspiel."
Für mich hört sich das ebenso nach echter Freude an, wie bei Dir. Daß Du "Weihe" mit Anführungszeichen schreibst ändert nichts daran, daß alle diese Leute es als echte Weihe empfinden. Es gibt, neben all dem öffentlichkeitsgeilen Gleichmachergetue (das ich auch ablehne) ein echtes, ehrliches Sehnen nach weiblichen Priestern und diversen anderen Dingen, die Rom aus Tradition verweigert.
Dabei übergeht man das Sehnen der Menschen, man entfernt sich von den Menschen und verliert sie über kurz oder lang. Irgendwann spaltet sich das Ganze in Sedisvakantisten auf der einen Seite, denen Rom nicht reaktionär genug ist, und in exkommunizierte Liberale auf der anderen Seite, denen Rom nicht weit genug geht. Das Gegenteil davon, daß alle eins sein sollen. Ich seh aber auch nicht, daß das Problem gelöst werden könnte.

Alipius hat gesagt…

@ Monika: Man braucht exakt so viele Protestbeiträge, wie es Menschen gibt, die klare Aussagen der Kirche nicht verstehen.

@ De Benny: Daß diese Leute es als echte Weihe empfinden, ändert nichts daran, daß es keine echte Weihe ist und verstärkt zudem den Vorwurf reiner Emotionlität: "Ich fühle irgendwie ganz stark, daß es echt und richtig und ehrlich ist, also muß es erlaubt sein").

Monika hat gesagt…

Jetzt gleich ein Phoenix: "Das Geheimnis der Päpstin" - viel Spaß beim Ärgern.

Ester hat gesagt…

des Sehnen nach Priesterinnen ist eine reine Kopfgeburt, vom Gefühl her nerven selbst Kommunionhelferinnen und überhaupt Frauen im Chorraum.
Ich halte mich wirklich für einen Kunstbanausen, aber ich frage mich immer mehr, warum das keiner sieht, das es einfach nicht gut aussieht, wenn Frauen am katholischen Altar herumspringen.

Alipius hat gesagt…

@ Monika: Als ob ich mir die eintausendste Version von "Vielleicht gibt es ja irgendwelche Sofakartoffeln, die glauben, daß es einmal eine Päpstin gab" reinziehe...

@ Ester: Davon mal abgesehen ;-)

Anonym hat gesagt…

Benny "Für mich hört sich das ebenso nach echter Freude an, wie bei Dir. Daß Du "Weihe" mit Anführungszeichen schreibst ändert nichts daran, daß alle diese Leute es als echte Weihe empfinden."

Na klar. Ich denke, auch in den satanistischen "Kirchen" werden alle ähnlich verdrehte Leute ähnliche Blasphemie als echte Weihe empfinden.

Vielen Dank, aber NO.

Admiral hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
De Benny hat gesagt…

"Daß diese Leute es als echte Weihe empfinden, ändert nichts daran, daß es keine echte Weihe ist"
Das werden die auch anders sehen. Und diesen "Vorwurf" kann man ja auch Dir bezüglich Deiner "Weihe" machen. Aus protestantischer Sicht bist Du schon immer geweiht, nicht erst wenn der Bischof Dir die Hand auflegt. Du magst jetzt sagen, das ist aber nicht katholisch, doch wer sagt Dir, daß die fraglichen Damen unter "katholisch" das Gleiche verstehen wie Du?
"verstärkt zudem den Vorwurf reiner Emotionlität: "Ich fühle irgendwie ganz stark, daß es echt und richtig und ehrlich ist, also muß es erlaubt sein")."
Ebendas könnte man auch über Deine Weihe sagen, aus anderer Perspektive. Mir geht es hier nicht darum, das eine als besser as das andere zu bezeichnen oderirgendeine Gleichberechtigung beider "Weihen". Ich versuche nur durch ein bißchen Spiegel hochhaten zu zeigen, wie das Ganze wirken kann, gerade auch der Vorwurf der Emotionalität. Hättest Du geschrieben, daß das Ganze nicht mit der päpstlichen Position oder der Tradition in Einklang zu bringen ist, hätte ich wenig zu meckern (wobei Diakone ja auch geweiht werden und Zollitch da nun plötzlich auch Möglichkeiten für Frauen zu sehen scheint - aber das hab ich nur am Rande erfahren und kann gut ne Zeitungsente sein). Sprich: Wenn Du den Dissens zwischen Dir und diesen Damen feststellst, kann ich dem nur zustimmen. Wenn Du aber bei Dir echte Freude in Anspruch nimmst, whend au der anderen Seite ales Pop und Groupies und Politik ist, kann ich darin nur Polemik erkenen (und unter uns: Würden diese Damen den Vorwurf nicht auch umgekehrt gegen die papsttreue Kirche birngen? Nur Männer als Politik der Frauenunterdrückung? Der Papst als Popstar und die Romtreuen als seine Groupies?).

Alipius hat gesagt…

@ De Benny: Die Frage, wer was wie versteht und wer was wie sieht kann hier einfach nicht entscheidend sein. Wir haben die klare Aussage, "daß die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben". Das ist nicht die katholische oder päpstliche "Position" sondern die katholische Wahrheit. Das mag immer noch Raum lassen, für ein anders "Verständnis" von Katholisch-Sein, aber wo dieses Verständnis gepflegt und praktiziert wird, muß man dann eben mit den Konsequenzen leben. Eben weil Dinge so oder so "wirken" können, können wir als Katholiken dankbar sein, daß wir nicht nur die Schrift sondern auch das Lehramt und die Tradition haben, die uns ein wenig dabei behilflich sind, wenn es darum geht, Ansprüche auf ihren Wert zu untersuchen.

Obwohl ich wußte, daß es echt und richtig und ehrlich ist, mußte ich mich nie fragen, ob meine Weihe erlaubt ist oder nicht und wurde daher auch nicht von Leuten hofiert, die mich beim Patene-Anheben anfeuern, die mir erzählen, sie hätten ein Leben lang auf meine Weihe gewartet oder die wissen, daß die Weihe von Männern etwas ist, was die Kirche zu tun hat.

Die Freude habe ich der Dame übrigens nirgendwo abgesprochen. Im Gegenteil: Ich beginne den letzten Absatz des Artikels mit "Versteht mich nicht falsch: Ich habe mich auch gefreut wie Bolle, als ich endlich geweiht wurde..." -> "Auch" = So wie die Frau, von der im Artikel die Rede ist.