Freitag, 1. März 2013

Was ist "Haß"? Und was ist "modern"?

Alan Posener blickt in der WELT auf das Pontifikat Benedikt XI zurück. Die grobe Stoßrichtung kann man sich (spätestens) denken, wenn man die Überschrift des Artikels lies: "Getrieben vom Haß auf die Moderne".

So wäre streng genommen der Artikel auch nicht weiter beachtenswert, wenn er nicht ein so prägnantes Beispiel dafür wäre, was geschieht, wenn jemand sein Weltbild zu großmaschig gestrickt hat, so daß nur die groben Klötze hängenbleiben und für die Bewertung von Situationen oder Personen relevant sind, während subtilere, feinere Stückchen durch die Maschen fallen und daher keine Beachtung finden. Somit ist es Posener gar nicht gegeben, alle Töne des Papstes aufzufangen, sondern er sieht sich gezwungen, die leisen Töne, die Zwischentöne in seiner Phantasie zu hören und sie so weiterzuspinnen und aufzublähen, daß sie von seinem eigenen Netz noch gehalten werden.

So muß dann zwangsläufig aus einem Leben aus dem Glauben an Christus heraus ein Getriebensein vom Haß auf die Moederne werden. So ist die Vorsicht gegenüber dem Gedankengut der 68er ein "Kampf gegen die Moderne". So kann die Regensburger Rede nur eine "Einladung an den Islam zum gemeinsamen Kampf gegen" den Universalanspruch der positivistischen Vernunft und die ihr zugehörigen Formen der Philosophie sein. So müssen die Werke des Joseph Ratzinger in den Bibliotheken bald zu Staubfängern werden, weil Posener sie nicht für unpolitisch hält. So muß die Reinigung einer Kultur zwangsläufig ein Niedermachen mit Feuer und Schwert sein und nicht das Abstellen blutiger Rituale, nachdem der Glaube an Christus, an seine Gnade und an die Erlösung stark geworden ist. So muß der Papst dann schließlich zwangsläufig zum Ankläger Gottes werden, weil er sich menschliche Fassungslosigkeit und Verständnislosigkeit angesichts namenlosen Grauens erlaubt.

Der ganze Artikel wirkt zumindest auf mich wie ein inkohärentes Durcheinander an für das Zielpublikum geschmackvoll angerichteten Anklagen, zubereitet von einem Autor, der ein Hühnchen zu rupfen hat (und sei es auch nur das der unbefriedigenden Verkaufszahlen - an Posener-Hinwisen auf seine eigenen Werke mangelt es im Artikel und in den Kommentaren nicht).

Weiterführende Links:

Pater Recktenwald über die Methoden des Alan Posener
Josef Bordat zum gleichen WELT-Artikel

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Vielleicht hätte Posener den Hass anders verorten sollen: "Hass auf den Relativismus" wäre verständlicher gewesen.

NonNobis hat gesagt…

Auch ein anderer "Kritiker" ist dieser Tage wieder aktiv. Der ist jedoch deutlich aggressiver und bei Kirchenfeinden deutlich beliebter.
Ich hoffe der Link ist ok, dient er doch zur Kenntnisnahme.
http://staunend.blogspot.de/2013/03/jetzt-ist-es-raus.html