Donnerstag, 28. März 2013

Ungeplant und dennoch großartig

Eben ist in der Messe vom Letzten Abendmahl der denkbar coolste Unfall passiert: Als die Meßnerin während des Gloria die Glocken abschaltete, hat sie aus Versehen auch gleich mal dem Organisten den Saft mit abgedreht, was dazu führte, daß beim Schubert-Gloria plötzlich exakt nach dem "... stammeln auch wir, die die Erde gebar" die Gemeinde ohne musikalische Begleitung weitersang. Dies tat sie dafür aber um so lauter und inbrünstiger. Ich dachte sogar, daß dies vom Organisten so geplant war und hielt es für eine unheimlich gute dramaturgische Idee. Erst in der Sakristei erfuhr ich dann, daß es ein Unfall war.

Kommentare:

Admiral hat gesagt…

Macht ihr das jetzt jedes Jahr? :-)

Ester hat gesagt…

Bei uns war es immer so, allerdings erst nach dem Gloria. Ich dachte es wäre so liturgisch vorgesehen.

Alipius hat gesagt…

@ Admiral: Mal sehen... ;-)

@ Ester: Ist auch liturgisch so vorgesehen, aber eben erst nach dem Gloria und nicht mittendrin, so wie gestern.

Admiral hat gesagt…

Ich mußte gestern Abend im Hohen Norden (bin auf Osterbesuch) durch eine Gitarrengruppe mit Querflöte durch.

Und ein Pfarrer, der gerne bestimmte Worte "ersetzt" (z.B. "Jünger" wurde zu "Freunde", "selige Jungfrau und Gottesmutter Maria" wurde zu "liebe Mutter Maria" etc. Es gibt nich viele Weitere Ersetzungen).

Heute nachmittag such ich mir 'ne andere Pfarrei.

Gerd F. hat gesagt…

Schubert Messe???

Seufz.........

Psallite Deo hat gesagt…

Ich als Organist hätte mich tierisch geärgert, ich mag es, das Gloria bis zum Ende zu "zelebrieren", mit Baß-c.f. in der letzten Strophe etc.
Genauso, wie man auch in der Osternacht das Wiedereinsetzen der Orgel nicht mit einem 0815-Vorspiel beginnt, sondern schon etwas Besonderes macht.
Seit einigen Jahren bin ich von der Variante Tutti-Knopf weg und mache mit der Walze ein fettes Crescendo mit aufsteigenden Tonleitern, man muß nur aufpassen, daß man nicht zu weit "aufdreht", damit man bei der Halleluja-Intonation noch eins draufsetzen kann...

Zum Thema Hoher Norden: Die Messen, die ich dort in der Diaspora mitgefeiert habe, waren um einiges "besser" als das, was ich in katholischen Gebieten erlebt habe - dort immer 2 Lesungen, hier oft nur eine, dort lateinisches Ecce lignum , hier auf deutsch - um nur mal 2 Beispiele zu nennen :-(

Admiral hat gesagt…

@Psallite Deo

Zur Karfreitagsliturgie bin ich in die Nachbarpfarrei gegangen. War eine der am Besten gefeierten Liturgien, die ich je mitgefeiert haben. Schlicht, ohne persönliche Kreativität beim Zelebranten, und die ruhigeste Kreuzverehrung, die ich je mitgemacht habe (zu zweit vor das Kreuz gehen ,von der Seite kommend, hinknien, verweilen, und in Ruhe weggehen, dann die nächsten; nichts gegen das Sauerländische: Kniebeujge-schnell-weg-Nächster :-) ).

Ich weiß jetzt jedenfalls, wo ich in Zukunft immer hingehen werde, wenn ich bei meinen Schwiegereltern bin.

Alipius hat gesagt…

@ Psallite Deo: Der Organist hat sich auch geärgert, aber nachdem ich ihm erzählt hatte, wie perfekt der Aussetzer geaßt hat und wie großartig der Eindruck der laut schmetternden Gemeinde war, fand er's auch gut.

2 Lesungen sollten es schon sein, aber Latein alleine macht eine Messe noch nicht "besser".

Admiral hat gesagt…

@Alipius: aber das "Ecce" ist einfach viel schöner das "Seht, das Holz". Jedenfalls so melodietechnisch. :-)

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Also richtig schön wird das, wenn es sich um eine Orgel mit rein mechanischer Traktur handelt (in oben benannten Fall wurden die Tonkanzellen offenbar elektrisch angesteuert, wenn der Orgelklang schlagartig völlig wegbrach) ...

Bei einer rein mechanischen Traktur dreht man ja nur dem Gebläse den Saft ab, alles andere läuft schließlich ohne Strom. Ergo: Das Gebläse liefert keinen Wind mehr, die Bälge verlieren den Winddruck und sacken langsam zusammen und die Pfeifen fangen - eine Weile noch gespeist mit den "Windresten" - jämmerlichst (als wäre alles grausam verstimmt) zu heulen an, um irgendwann ganz zu verstummen.

Das kann - bis zu einem gewissen Punkt - sehr ergreifend klingen ... ;-)

Frohe Ostern übrigens dem lieben Herrn Alipius!

Psallite Deo hat gesagt…

Nee, das stimmt schon, Latein ist per se natürlich nicht "besser", aber ich finde es, gerade beim Ecce lignum, genau wie Admiral, einfach schöner.
Das Problem ist auch, daß es in meiner Gemeinde jetzt mehrere Jahre nicht mehr gesungen wurde. Sollte jetzt ein Priester es doch wieder lat. wollen, können die Leute es wahrscheinlich nicht mehr, und das finde ich einfach sehr schade, weil damit ein Stück Kultur verloren geht.

Für mich korrespondiert das Ecce lignum auch mit dem Lumen Christi - das habe ich allerdings noch nie auf dt. gehört - und natürlich auch mit dem Halleluja der Osternacht (3x einen Ton höher - ich mache Ganztöne, da sind die Tonarten einfacher...)

Zum Absaufen der Orgel: In einem meiner ersten Studiensemester hatten wir einen Kurs mit einem modernen Komponisten, der hat einen Staubsauger statt des Orgelmotors verwendet, außerdem ging es um das Stück "Arabische Ziffern": Man nimmt eine arabische Zahl, sucht sich irgendeinen schrägen Akkord, und so oft wie die Zahl ist, muß der Registrant den Motor ausschalten (geht natürlich, wie Pro spe salutis schon gesagt hat, nur mit mechanischer Registertraktur)- das klingt 1-2 mal sehr faszinierend, aber danach ist der Bedarf auch gedeckt...