Montag, 25. März 2013

Schönheit: Kostenfrei für alle oder hinter Gittern für einen?

Claudia Sperlich hat auf facebook dies hier geschrieben:
    Der angeblich so böse, schreckliche, gottesferne und "geraubte" Prunk in Kirchen hat viele Jahrhunderte lang dafür gesorgt, daß Maler, Goldschmiede, Steinmetze, Bildhauer, Stukkateure und andere Künstler sich und ihre Familien gut ernähren konnten. Die schlechtgelaunte Nörgelei über kirchlichen Prunk ist zutiefst unsozial gegenüber Künstlern.
Das möchte ich erstens unterschreiben.

Zweitens möchte ich noch dies hinzufügen: Was nützte es einem Armen, der hin und wieder - ohne Eintritt zahlen zu müssen - in einer Kirche Schönheit in Form von Gemälden, Skulpturen und Ornamenten erfahren kann, wenn diese Schönheit auf Zuruf irgendwelcher Harvard-Absolventen verkauft wird und dann im Tresor einer gut bewachten Millionärs-Villa verschwindet?

Die Kirche hilft nachweislich den Armen, egal, ob ihre Sakralbauten nun schön und prunkvoll sind oder schlicht und ärmlich. Papst Franziskus spricht sich für die Armen aus und verzichtet nicht erst seit seiner Wahl zum Papst auf Prunk. Was aber genau tun eigentlich diejenigen, die immer in erster Reihe stehen, wenn es darum geht, anderen Leuten vorzuschreiben, was sie mit ihrem Besitz zu tun haben?

Kommentare:

kalliopevorleserin hat gesagt…

In Frankreich und Italien habe ich zudem oft - viel öfter als in Deutschland - erlebt, daß Menschen die Kirche einfach als Ort zum Ausspannen nutzen. Das ist zwar nicht der Hauptsinn von Kirchenbauten, aber wichtig genug - ein Ort, an dem man zur Ruhe kommen kann.
Dabei ist es bestimmt kein Schade, wenn der Blick über schöne Architektur und Kunst schweift, wenn die Atmosphäre des Raumes Ruhe und Freundlichkeit ausstrahlt.

Psallite Deo hat gesagt…

Der Mensch braucht eben nicht nur Lebensmittel und Kleidung, sondern auch Kultur - und, ganz richtig, die Kulturschaffenden müssen davon leben.
Natürlich kostet das Geld, aber es ist sinnvoll genutztes Geld - im Gegensatz zu den Milliarden einiger weniger Superreicher, die nur auf irgendwelchen Konten rumliegen oder in zweifelhafte Anlagen gesteckt werden - da wäre m. E. viel eher mal angesagt, etwas an die Armen abzugeben.

Wobei andererseits manchmal auch mehr Sparsamkeit angebracht wäre: Ich kenne eine Kirche, wo den ganzen Tag, egal wie kalt es ist, die Tür offen steht, damit es "einladender" aussieht (also nicht bloß nicht abgeschlossen, sondern sperrangelweit auf). Und dann wird gelegentlich für die Heizkosten kollektiert - da tu ich sicher keinen Cent rein!

Elsa hat gesagt…

Genau das sag ich auch immer. Allerdings sind es eben nicht nur Künstler gewesen, sondern einfache Handwerker und auch Leute, die kein Handwerk gelernt hatten und einfache, aber häufig körperlich fordernde, Handlangerdienste ausführten - deren Zahl ist Legion und sie konnten dadurch ihre Familien ernähren. Hatten sie das Glück, an einem großen Projekt wie einem Dombau beschäftigt zu sein, sogar fast für das ganze restliche Arbeiterleben.

Chrysostomus hat gesagt…

1998 gab die Orgel in meiner Heimatgemeinde unrettbar ihren Geist auf. Der Kirchengemeinderat war damals dominiert von Müslifürdiewelt- und Birkenstockfreunden. Man beschloß, für diese sehr große gotische Hallenkirche keine neue Orgel anzuschaffen. Begründung: Solange es auf der Welt soviel Armut gäbe, sei es unverantwortlich, etwas derart Teures anzuschaffen.
Daraufhin gründete sich ein privater Orgelförderverein, organisierte erfolgreich relativ schnell viel Geld und bot der Kirchengemeinde an, ihr eine Orgel zu SCHENKEN. Das konnten die Räte nicht ablehnen, machten aber zur Bedingung, daß 10% der Bausumme für Soziales bereitgestellt werden müßten. Da die Müslis jetzt mitnaschten, durfte die Orgel plötzlich kosten, was sie wollte.
Ich hab damals dem 2. Vorsitzenden des Kirchengemeinderates gesagt, daß ich das für eine Frechheit halte, denn es ist schlicht Erpressung. Zudem behauptet man, daß die Müslifürdieweltbewegung moralisch wertvoller sei als einigen Orgelbauern das Leben in Lohn und Brot zu ermöglichen (die daraus dann auch Steuern, auch KIRCHENsteuern bezahlen) und für ästhetisch anständige Gottesdienste zu sorgen. Wie wäre es also, den Spieß umzudrehen und von jedem Projekt der "Müslis" 10% für die Orgel zu verlangen? Natürlich würde man dann empört aufschreien. Bloß warum? Eben weil ganz selbstverständlich und fraglos angenommen wird, daß das eine Engagement das Bessere sei.
Und ich habe dann den Herrn gefragt: "Du hast ein Eigenheim gebaut. Hast Du 10% für gescheite Hütten in irgendeiner Armensiedlung gegeben? Du hast ein Auto. Hast Du 10% für ein Missionarsmoped gegeben? Du hast einen Wohnwagen. Hast Du 10% für die Unterkunft von Migranten gegeben? Dein sozial verantwortungsvoller Umgang mit dem Geld ist durchaus beachtenswert, aber eben nur mit dem Geld Anderer, nicht mit Deinem eignen Geld."