Freitag, 22. März 2013

Heldinnen für's 21. Jahrhundert...

Die taz berichtet über Femen Deutschland:
    Wer sich im Netz tummelt und wem feministischer Protest nicht fremd ist, der erkennt sie, ihr markantes Gesicht, das in der letzten Zeit häufig in den Medien zu sehen war. Wutverzerrt an den Boden gedrückt, flankiert von zwei Polizeistiefeln. Mit zurückgezogenen Armen auf dem roten Berlinale-Teppich. Siegesstrahlend mit einer Fackel in der Hand in der Hamburger Hubertusstraße. Makelloser Busen, blonde Mähne, Blumenkranz. Perfekt, anmutig, hüllenlos und felsenstark. Jeanne dArc neu.
...

Kommentare:

kalliopevorleserin hat gesagt…

Über Jeanne d'Arc sagte Chevalier Simon Beaucroix während des Rehabilitationsprozesses: "Während der Kampagne duldete Jeanne nicht, daß ihre Leu­te je ein Dorf plünderten. Sie weigerte sich, Fleisch zu essen, von dem sie wußte, daß es gestohlen sei. Einmal gab ihr ein Schotte zu verstehen, daß sie gestohlenes Kalb­fleisch aß. Das empörte Jeanne derart, daß sie den Schotten beinah erschlug.
Sie duldete keine Dirnen, die mit den Soldaten ritten. Keine hätte sich in ihr Feldlager gewagt. Traf sie dennoch eine von ihnen an, so vertrieb Jeanne das Frauenzimmer, es sei denn, einer der Soldaten wollte sie ehelichen.
Ich glaube, sie war eine gute Katholikin; sie fürchtete Gott, hielt seine Gebote und gehorchte auch nach ihrem Vermögen der Kirche. Sie war mitleidigen Herzens, nicht nur den Franzosen, sondern selbst den Feinden gegenüber. Ich weiß das, weil ich lan­ge um sie war. Ich half ihr oft in die Rüstung. Sie litt darunter, und es mißfiel ihr, daß die Bürgerfrauen zu ihr kamen, um sie zu grüßen und sie mit Zeichen der Dankbar­keit zu überhäufen. Sie war unmutig darüber."

Ich kann da beim besten Willen nicht die Femen-Tussis drin erkennen...

kalliopevorleserin hat gesagt…

Und noch etwas: Schön und blond sind meines Wissens keine besonderen Kennzeichnen sozialer, politischer, revolutionärer oder irgendwie geistiger Fähigkeit.

Theodreds Schicksal hat gesagt…

Irgendwie geht es in dem Artikel permanent um Brüste. Ich bin ein Mann und weiß dieses weibliche Attribut durchaus zu schätzen, aber warum liegt in einem solchen Jubel- und Verherrlichungsartikel, der so gar keine kritischen Töne erkennen lässt, so ein Augenmerk darauf, wessen Brüste wie groß sind?

Davon abgesehen: Menschen die offen zum Mord und zur Entziehung aller Menschenrechte aufrufen kann ich bei edelsten Absichten nicht als Kämpfer für die Gerechtigkeit wahrnehmen.

jeannedarc hat gesagt…

Wie kommen diese "alten Säcke" von der TAZ hier dazu sowas über mich zu schreiben. Denen ist doch wirklich nichts heilig!!

J.d.A.

Alexander hat gesagt…

Man muss sich, gerade bei den Femen, mal die Statuten dieser Organisation durchlesen: Schlimmer als die einer kommunistischen Kaderpartei. Im Ernst, die meinen es Ernst, wenn sie von einer Revolution reden, bei der das Blut der Männer fließen und an deren Ende die Errichtung des Matriarchats stehen soll. Für dieses "hehre" Ziel werden sie nicht nur regelmäßig indoktriniert, sondern auch sportlich ertüchtigt. Bei den Mädels geht es zu, wie in einer Kaserne. Nebenbei erhalten sie Schauspielunterricht(!), sowie ein monatliches Gehalt von rund 1000 Dollar. Es versteht sich von selbst, dass sie weder Reise-, noch Übernachtungskosten aus eigener Tasche bezahlen. Über die Finanzierung erfährt man nichts, aber im Umfeld der Femen tauchen regelmäßig dieselben Namen auf: Unter ihnen auch deutsche Firmen, wie die Allianz oder der Arzneimittelkonzern Salutas, die sich stark in diversen, manchmal dubiosen feministischen Projekten engagieren.

Interessant auch das die Gründerin der Femen, Anna Hutsol, Stipendiat des US-Außenministeriums für ausländische Führungskräfte war und mehrere diverse Studiengänge in den USA an sogenannten Think tanks absolviert hat.

Je tiefer man in diesen Sumpf abtaucht, desto erschreckender die Fakten.

Ich sauge mit das nicht aus den Fingern, die Fakten erfährt man, wenn man sich mit diversen Projekten befasst, die an ukrainischen Universitäten und Hochschulen in Sachen Feminismus abgearbeitet werden.

Anonym hat gesagt…

Eine außerordentlich praktische Heilige, diese Johanna. Zuerst lässt sie sich von der katholischen Kirche verheizen, was ja eine mögliche Voraussetzung für die Heiligsprechung zu sein scheint und ein paar Donnerstage später zur Ehre der Altäre erheben, ad maiorem dei gloriam!
Besser hätte es Hollywood nicht arrangieren können.

kalliopevorleserin hat gesagt…

Anonym, du faselst.
Die Prozessakten sind ebenso vorhanden und in Taschenbuchform ediert wie die Rehabilitationsakten. Der Heiligsprechungsprozess ist ebenfalls dokumentiert. Von dem, was du über diese höchst unbequeme junge Frau schreibst, stimmt nachweislich genau gar nichts.

KingBear hat gesagt…

@kalliopevorleserin: Schön auf den Punkt gebracht, danke!

F. M. hat gesagt…

... unbequem für wen? Die Heiden, die Ketzer und Häretiker? Gar die in den eigenen Reihen? Oder unbequem für die römisch katholischen Glaubensverwalter?

Aber der Grundgedanke, dass Johanna unbequem gewesen sein muss, ist natürlich richtig. Warum hätte man sie sonst verheizen sollen?

Stellt sich nur wiederum die Frage, für wen genau war Johanna unbequem damals? Und für wen ist sie heute unbequem?
Man sollte vielleicht Bedenken, dass die römisch katholische Kirche zwar noch immer die Hoheit über die Geschichtsbücher beansprucht, sie aber längst nicht mehr besitzt.
Gesegnetes Wochenende allerseits wünscht F. M.

Anonym hat gesagt…

Liebe, lieber oder (wer weiß? gehen wir auf Nummer Sicher) liebes F.M.!

Die Frage, für wen denn Johanna von Frankreich (a.k.a. Jeanne d'Arc, Jeanne la Pucelle e tutti quanti) nun eigentlich unbequem und ein Stein des Anstoßes war - diese Frage ist zwar fast 600 Jahre alt, aber in der Geschichtsschreibung durchaus umfassend beantwortet. Die Akten für ihren Ketzerprozeß liegen ediert vor; ihre Biographien füllen zumindest ein Bücherregal; die Akten für ihre Heiligsprechung sind ebenfalls zugänglich. Weiters gibt es in der Geschichte des Mittelalters ein nicht unbeträchliches Subsystem "Geschichte des Hundertjährigen Krieges" (als sich die Königshäuser von England und Frankreich um die Krone Frankreichs stritten, mit Einbeziehung der Herzöge von Burgund usw.) mit zahlreicher Literatur. Sollte Ihnen das alles zu schwer verdaulich sein, können Sie es mit Shakespeare (sein "Heinrich V." ist allerdings alles andere als objektiv) oder der belletristischen Fassung von George Bernard Shaw versuchen. So Sie die Antwort auf Ihre Frage danach immer noch nicht verstanden haben, sollten Sie vielleicht Ihre Berufslaufbahn in den deutschen Talkshow-Bereich verlegen. Servitore!

Ihr Zwetschgenkrampus

kalliopevorleserin hat gesagt…

Hier gibt es einen interessanten Bericht über Femen. Meine Lieblingsstelle:

"Jaroslawa Koba ist Journalistin und war zwei Monate bei den Femen. Sie schildert wie Wiktor Swjatski, 36, die Gruppe gezielt steuert. Er ist «extrem kreativ», sagt sie. Für alle Aktionen muss die offizielle Anführerin Anna Hutsol zwar noch ihr Einverständnis geben, aber es sind in der Regel Swjatskis Ideen, welche die Femen umsetzen.

Dass die Femen nackt auftreten, sei für ihn nur Mittel zum Zweck. «Er hat auch keine private Beziehung zu einer der Frauen. Er ist einfach immer da und gibt Anweisungen», erzählt Koba. Zu ihr habe er etwa gesagt: «He du! Du musst abnehmen!» Danach hat sie drei Wochen Diät gehalten."

Ist das nicht rührend? Ein Mann sagt der tapferen Feministin, Ey, nimm ab - und sie macht eine Diät, weil er das sagt?

Monika hat gesagt…

Es gibt auch eine Feme in Tunesien - da ist diese Art von Protest lebensgefährlich.