Montag, 25. März 2013

Gesten...

Leute, die mein Blog schon länger als 12 Sekunden verfolgen, werden wissen, daß der folgende Satz mir nicht leicht fällt (obwohl er aber sehr ernst gemeint ist): Es gefällt mir, daß der Heilige Vater so schlicht auftritt.

Und zwar nicht, weil er damit den Daniel Deckers und den David Bergers der Welt keine Munition für ihre schlüpfrigen "In der katholischen Kirche laufen nur Tunten herum"-Dramolette liefert. Leute wie Deckers oder Berger werden immer etwas zum Jammern finden, und ein Kardinal, der sich für ein Pontifikalamt eine Cappa Magna überwerfen läßt und sie würdig und ohne Firlefanz trägt, wirkt allemal maskuliner als eine Feuilleton-Klemmschwester, die sich nicht in den Park traut, weil sie hinter jedem Busch einen Anblick vermutet, der sie in ihrem Selbstbild hinterfragt.

Nein, mir gefällt der Stil des Papstes, weil alles, was er bisher getan hat, auf mich sehr authentisch wirkt. Bisher füllt er mit seiner Person das Amt gut aus. Und jedes Amt kann nur existieren, wenn eine Person da ist, die es füllt. Natürlich gilt hier und dort immer noch die Frage, ob Papst Franziskus mit seiner Art nicht die Person über das Amt stellt. Aber alle diese Fragen beziehen sich - soweit ich es bisher überblicken kann - nur auf Symbolisches und nicht auf die Essenz dessen, was es heißt, Papst zu sein.

Wenn wir aber von Symbolen sprechen wollen, dann finde ich, daß ein Papst, der vom Papamobil springt, um einen Behinderten zu segnen, der sich ein Schwätzchen mit seinen Reinigungs- oder Sicherheitskräften gönnt, der trotz seiner exponierten Stellung nicht den Ehrenplatz will, Gesten von ungeheurer symbolischer Kraft streut.

Vielleicht schmerzen diese Gesten auch ein wenig, weil wir alle uns oft genug an den Zügeln unseres hohen Rosses festklammern und Franziskus uns nun zeigt, daß es auch anders geht. So lange diese Gesten nicht zur Show oder zum Selbstzweck werden (und bisher sehe ich das einfach nicht), darf er von mir aus gerne so weitermachen.

Kommentare:

kalliopevorleserin hat gesagt…

Ohne daß ich deshalb befürchten muß, einer götzendienerischen Art von Franziskus-Fanclub beizutreten, geb ich mal einfach zu: Ich habe rosa Herzlein in den Pupillen, wenn ich diesen Papst lachen sehe.
Ich finde ihn im besten Sinne gewinnend, und ich traue ihm zu, Menschen für den Glauben zu begeistern.

Efoi hat gesagt…

Otra vez: Er ist Südamerikaner!!!
Und wenn er vorher so gelebt hat, und zu Hause so sozialisiert wurde, dann ist das nur für uns erstaunlich.
Und wenn er vorher mit seinem Zeitungsverkäufer geplaudert hat, dann ist er es gewöhnt, mit den Leuten seiner Umgebung ein Schwätzchen zu halten. Das liegt doch auch im Naturell der Südamerikaner - man schafft es neben ihnen nicht lange zu schweigen!!!

Bellfrell hat gesagt…

Mir geht es ähnlich. So traurig ich war als Benedikt abgetreten ist, so erfreut bin ich nun über Franziskus.
Als ich dann das Treffen der beiden gesehen habe und die Art, wie Franziskus mit Benedikt umgegangen ist, da war ich mir sicher, daß wir den für unsere Zeit und unsere Kirche richtigen Papst bekommen haben.

Martina Baro hat gesagt…

Diese unprätenziöse Art kenne ich sehr gut von vielen Priestern meiner Diözese, ist die Person in sich stimmig, braucht es keine anderen Verstärkungen. Sie sind erfrischend nahbar, doch niemand tritt ihnen zu nahe.
Wahre Größe äußert, wer vor dem Kleinsein, nicht klein machen, sich nicht scheut.

Gerd F. hat gesagt…

Ich schreibe es gar nicht ungern sondern bekenne freudig: Bei der Predigt von Papst Franziskus zum Palmsonntag hatte ich Tränen in den Augen und einen dicken Kloß im Hals. Egal ob er in Sandalen oder Lackschuhe zu den Menschen unterwegs ist: Mach weiter so, Franziskus.....

nk hat gesagt…

Ich freu e mich, daß Du das schreibst. gerade weil ich weiß, daß Du Barockfreak bist.

Ich habe immer noch etwas Bedenken, weil der heile Vater doch sehr viel Beifall von der falschen Seite bekommt, aber das wird sich wohl noch legen.

Le Penseur hat gesagt…

Nun, ich bin da etwas weniger euphorisch unterwegs (wird auch keinen wirklich verwundern).

»Gesten« sind in unserer TV-deformierten Zeit zwar (angeblich) wichtig — für mich sind sie bislang eher ein Anlaß zu etwas peinlich berührtem Fremdschämen.

Ein Papst ist kein Kumpel, der so einfach ein Schwätzchen hält. Auch die Königin von England hält Distanz — und das ist gut und richtig so.

Mir geht es, was Pomp und Cappa MAgna betrifft, völlig anders als Ihnen, Reverende: ich bin diesbezüglich für recht »unbarocke« Nüchternheit. Dafür nervt es mich umso mehr, wenn ein Papst liturgsches Latein eher nur verwaschen dahinstammeln kann, liturgische Bewegungen eher »beiläufig« wirken, Predigten in der Machart von »Einfach zum Nachdenken« (falls Ihnen diese Sendung noch was sagt) etwas zu Konfusität neigen etc. etc.

All das ist aber in der Kategorie »peanuts« gegenüber den durchaus nicht von der Hand zu weisenden Bedenken, über deren Eintreffen wir vorderhand nur rätseln können.

Für mein Dafürhalten ist es jedenfalls für ein erleichtertes »Entwranung!« bei weitem zu früh.

Alipius hat gesagt…

@ Le Penseur: Das ist schon okay. Hier soll ja jeder frei seine Eindrücke, Hoffnungen und Befürchtungen äußern können.