Donnerstag, 21. März 2013

Bigott...

Beim Durchstöbern diverser englischsprachiger Artikel zur Causa Card stieß ich selbstverständlich eine Milliarde Mal auf das Wort "bigot".

Der "bigot" ist Autor Orson Scott Card, welcher Mormone ist, Mormonen-Dinge glaubt (wie z.B., daß homosexuelle Akte sündhaft sind) und auch in der Öffentlichkeit nicht verbirgt, daß er diese Dinge glaubt sondern - wenn gefragt - den Glauben an diese Dinge eingesteht. Was den Zusammenhang zwischen diesem Verhalten Cards und seiner Bezeichnung als "bigot" betrifft, könnte der Autor also für jeden Christen stehen, der bestimmte Dinge glaubt und zu dem Glauben an diese Dinge auch steht.

Ein "bigot" ist im Deutschen ein "Bigotter" also ein "Scheinheiliger" oder ein "Heuchler" oder ein Mensch, der gemäß einer "Doppelmoral" redet und handelt.

Jemand, der bestimmte Dinge glaubt und einen bestimmten moralischen Kodex hat und der - wenn gefragt - diese Dinge schildert und zu seinem moralischen Kodex steht, ist also ein "Scheinheiliger", ist jemand, der etwas vortäuscht, etwas heuchelt, der "so tut als ob". Oder er ist - um dem aus dem Französischen stammenden bigot gerechter zu werden, jemand mit übertriebenem Glaubenseifer, der anderen Auffassungen gegenüber intolerant ist.

Dies wundert mich ein wenig. Ein Christ, der z.B. eine bestimmte Dienstleistung an Homosexuelle aus Gewissensgründen ablehnt, ist ja nicht einer bestimmten Auffassung gegenüber intolerant, sondern er schickt seine Überzeugung (oder nennen wir es von mir aus auch einfach "Auffassung") in den Ring, wo sie auf eine andere Auffassung trifft. In der Regel erklärt der Christ sich dann, indem er sagt, daß er XYZ nicht tun kann, weil dies seinem Glauben widerspricht und auf seinem Gewissen einen unschönen Fleck hinterläßt. Der Christ sagt also nicht "Ich toleriere deine Auffassung/deinen Lebensstil nicht" sondern er sagt "Ich kann deinem Wunsch nicht entsprechen, weil mein Gewissen mir das nicht gestattet". Idealerweise sagt der Christ vielleicht noch "Es gibt 400 Meter die Straße runter einen Laden, der genau das tun wird, was du wünschst".

Selbst, wenn Christen sich zusammentun (sagen wir mal in einem Verein, der sich dem Schutz des traditionellen Ehe-Begriffs verpflichtet), dann sagen sie damit ja nicht, daß sie einer Auffassung gegenüber intolerant sind. Sie organisieren sich nur als Gegenstimme zu einer ihrer Auffassung zuwiderlaufenden Auffassung und legen somit den Grundstein für eine öffentliche Debatte. Wenn jede Auffassung tatsächlich das Recht hat, gehört zu werden (und sei sie noch so bekloppt), dann ist es nicht bigottisch, sondern im Sinne des Auffassungs-Wettbewerbs, der in unserer Gesellschaft an vielen Stellen herrscht, sogar logisch - ja gerecht! - wenn Leute mit der gleichen Auffassung sich organisieren können, um im öffentlichen Diskurs eine hörbare Stimme zu erlangen, selbst wenn diese Stimme nun anderen Auffassungen widerspricht. Man nennt so etwas - wie gesagt - Wettbewerb, und in einem solchen Wettbewerb wirken normalerweise jene glaubwürdig, die der anderen Seite die Gelegenheit einräumen, ihren Standpunkt darzulegen anstatt sie mit Trillerpfeifen und Megaphonen zu übertönen. Wer das nicht vermag, der wirkt so, als habe er etwas zu verbergen.

Wenn man mal den "übertriebenen Glaubenseifer" als erstes herauspickt, so sieht man schnell, daß "Eifer" nun wirklich nichts ist, was sich im Streit um die Homo-Ehe oder auch den Lebensschutz nur eine Seite vorwerfen lassen muß. Denn auch Christen können da mal ein wenig überengagiert wirken ;-)

Was nun die "Scheinheiligkeit" oder die "Heuchelei" oder die "Doppelmoral" betrifft, wundere ich mich immer sehr, warum grade die Leute diese Begriffe im Mund führen, die sich für "Gleichheit" und "Toleranz" aussprechen und dann sehr schnell durchscheinen lassen, daß "Gleichheit" nur bedeutet "Alle sollen meinen Lebensstil in gleichem Maße nicht nur dulden sondern befürworten müssen" und "Toleranz" exakt so weit geht, wie die eigene Bequemlichkeits-Zone reicht. Ist das denn nicht der Inbegriff von Scheinheiligkeit und Doppelmoral?

1 Kommentar:

Josef Bordat hat gesagt…

Sehr gut!

LG, JoBo