Donnerstag, 14. Februar 2013

Was ich wohl nie kapieren werde...

Heute gucken viele Menschen mit Verwunderung auf die Kirche der vergangenen Jahrhunderte zurück. Einige sind noch in der Lage, zu erkennen, daß damals die Gesellschaft nach ganz anderen Regeln spielte, daß die Religion einen ganz anderen Stellenwert hatte und daß Republiken mit Demokratie-Zierrand damals einfach nicht an der Tagesordnung waren. Die meisten aber schauen nur einmal hin, sagen: "Pfui! Wie fies! Bischöfe als weltliche Herrscher! Päpste mit Kronen und Soldaten! Kardinäle in riesigen Palästen! Die Kirche hat sich ja damals total der Welt an den Hals geschmissen! Dabei hat Jesus doch gesagt, sein Reich sei NICHT von dieser Welt!"

Diese Leute schauen auf die heutige Kirche und fügen hinzu: "Pfui! Wie fies! Bischöfe mit Chauffeuren! Päpste als Monarchen! Kardinäle mit prunkigen Klamotten! Die Kirche schmeißt sich einfach total der Welt an den Hals! Dabei hat Jesus doch gesagt, sein Reich sei NICHT von dieser Welt!"

Und die meisten dieser Leute sagen auch: "Pfui! Wie fies! Zölibat! Kein Frauenpriestertum! Keine gleichgeschlechtliche Ehe! Hierarchie! Keine direkte Wahl von Bischöfen und Päpsten durch das Kirchenvolk! Die Kirche will sich einfach nicht der Welt an den Hals schmeißen!"

Wie gesagt: Ich werd's nie kapieren...

Kommentare:

Josef Bordat hat gesagt…

Da wären wir dann schon zu zweit – geeint im Unverständnis. Erstaunlich finde ich auch, wie man sich jede Einmischung der Kirche in die Politik verbitten kann, um noch in gleichem Atemzug zu kritisieren, die Kirche habe sich in der Nazi-Zeit „neutral“ verhalten. - Aber ich habe mir ja für die Fastenzeit mehr Gelassenheit vorgenommen. Also: Einatmen, ausatmen, nicht mehr atmen.

LG, Josef

Bundesbedenkentraeger hat gesagt…

Falsches tertium comparationis. Es geht weniger um "der Welt an den Hals schmeißen", sondern um darum, was gut ist, und was schlecht. Schlecht ist, Soldaten, Chauffeure und Luxus zu haben, wenn man das Evangelium (mit all seinen Verzichtsforderungen) verkünden will. Gut ist es, nicht nur den Kardinälen demokratische Möglichkeiten einzuräumen und nicht nur Heterosexuelen die Liebe zu erlauben. Daß es in der katholischen Ehe nicht um Liebe, sondern um Kinderkriegen geht, versteht heute wohl kaum einer mehr.
(Ja, ich bin heute etwas auf Krawall gebürstet)

Alipius hat gesagt…

@ Bundesbedenkenträger: Krawall ist gut! Das führt dazu, daß Sie der Kirche die Macht zusprechen, Menschen die Liebe zu erlauben!

Imrahil hat gesagt…

So viele Verzichtsforderungen stellt das Evangelium gar nicht auf. Es fordert zum Beispiel auch nicht den Verzicht auf Luxus.

Und bevor wir darüber diskutieren, was *für Kleriker* angemessen ist (womit wir ein ziemliches Faß aufmachen würden), sei hier mal angemerkt, daß ein Chauffeursposten im Dienst eines Bischofs für denselben zwar angenehm sein mag (als ob das schlecht wäre!), aber darüber hinaus auch schlicht zur notwendigen Arbeitsausstattung gehört. Ein Bischof muß im Auto arbeiten können; das kann er aber nicht, wenn er sich mit Fahren beschäftigen muß.