Mittwoch, 20. Februar 2013

Warum das "Tiere tun's aber auch!"-Argument nicht zieht...

Ein Akademiker namens Brett Mills hat David Attenboroughs Tierdokumentationen kritisiert, weil sie homosexuelle Partnerschaften unter Tieren nicht ausreichend thematisieren.

In klassischer Aktivisten- und Agenda-Sprache heißt es, Tiere hätten (ÜS meine)...
    "... komplexe und wechselnde Formen sexueller Aktivität, unter denen Heterosexualität nur eine von vielen möglichen Optionen ist."
Ein Argument, welches mir immer wieder begegnet, ist, daß Homosexualität erstens natürlich und daher zweitens okay ist, weil Tiere es ja auch tun. Das Problem ist, daß bei Menschen, die so argumentieren, "natürlich" soviel bedeutet wie "Das, was wir in der Natur beobachten" und nicht "Das, was unserer Natur als Mensch entspricht".

Wir können in der Tierwelt allerdings viele Dinge beobachten, die wir als Menschen niemals als "natürlich" und deswegen "okay" übernähmen. Insofern finde ich sowohl das Pro-Argument ("Tiere tun's aber auch") als auch das Kontra-Argument ("Tiere tun so etwas nicht, also dürfen wir es auch nicht tun") wenig hilfreich. Denn wir sind (hoffentlich) noch nicht so weit, daß wir unsere Verhaltensmuster und Moralvorstellungen an der Frage ausrichten "Was tun die Tiere eigentlich?". Ich wage zu hoffen, daß die Frage immer noch lautet "Was sollten wir Menschen eigentlich tun?"

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hinzu kommt, dass nicht alles, was wir bei Tieren in der Natur beobachten koennen auch "normales" Verhalten ist, schliesslich gibt es auch unter Tieren in der Natur Verhaltensstoerungen.

Epigonias hat gesagt…

Bei manchen Tierarten scheint die (gleichgeschlechtliche) Vergewaltigung (aka das "Durchrammeln rangniedriger Männchen") ja durchaus zur Konstituierung und Bewahrung des sozialen Gefüges vorzukommen, wie man mir mal gesagt hat. Und Löwen und Mangusten töten ja u.a. aus dem Grund, anderes Erbgut als das eigene auszulöschen. Ich würde allerdings bezweifeln, dass Vergewaltigung und Genozid darum legitim sein sollten, weil sie auch in der Natur vorkämen.

kalliopevorleserin hat gesagt…

Die niedlichen Singvögel werfen aus dem Nest, was zu schwach ist. Oder auch nicht - zuweilen packen sie auch einfach ein bißchen Nistmaterial drüber. Wenn man Nistkästen säubert, kann man darin zuweilen in einem früheren Nest einen toten Jungvogel entdecken - und in der nächsten Brutzeit wurde ein neues Nest darübergebaut.
Ich fände es nicht so ganz in Ordnung, wenn Menschen mit ihren toten Babys so verführen.
Auch wenn ich einvernehmlich ausgelebte Homosexualität nicht schrecklich finde, nerven mich diese pseudowissenschaftlichen Argumentationsmuster.

Anonym hat gesagt…

ad Kalliopevorleserin: Dass Vögel über den toten Jungvogel "drüberbauen", wußte ich nicht. Die Menschen in der Antike machten es jedenfalls - Archäologen schreiben dann vom "Bauopfer": Ein Säuglingsskelett unter der Schwelle, der Herdgrube oder dem Grundstein ... alles ganz natürlich ...

Zwetschgenkrampus

kalliopevorleserin hat gesagt…

@ Zwetschgenkrampus: Das führt zu einem weiteren gern gebrauchten Argument: Die alten Griechen (oder auch Römer, Kelten, Mayas...) haben auch schon.
Auch das ist so ein mich immer wieder aufbringendes Argument, das übrigens Singer, Giubilini und Minerva (nicht die Göttin, sondern eine Philosophiedozentin in Melbourne) brauchen, um Kindstötung zu rechtfertigen. Allerdings kann man mit "Die alten Griechen haben schließlich auch schon" auch für Sklavenhaltung und gegen das Bürgerrecht für Frauen argumentieren.

ultramontanus hat gesagt…

»Was sollten wir Menschen eigentlich tun?« – Nein, ich denke nicht, dass die Frage immer noch so lautet. Diese Frage unterstellt nämlich ein Sollen, dass der Mensch von sich aus irgendetwas soll. Das ist eine Haltung, die nicht mehr dem gängigen Denken entspricht. Danach hat der Mensch kein Sollen, kein Telos. Er ist ins Leben geworfen und kann sich Ziele höchstens selber, individuell setzen. Die Welt an sich, das Leben an sich, der Mensch an sich hat keinen »Sinn« und also auch kein Sollen.

Anonym hat gesagt…

ad Kalliopevorleserin: Stimmt. Die Antike war eine interessante Zeit, ganz im Sinne des berühmten chinesischen Fluchs, auch was die alten Griechen angeht. Die dachten wunderbar, zumindest ihre Philosophen taten es, aber: Vergessen wir auch nicht die Idolisierung der homosexuellen Liebe zwischen Männern und Knaben (eines der wenigen griechischen Vokabeln, die ich kenne, ist "paides", die Wurzel für sowohl "Pädagogik" als auch "Pädophilie"). Und dann gibt es noch genug anderes ...

Wer für die Kindestötung argumentiert, "weil es die alten Griechen schon gemacht haben", der wird dann auch eher früher als später für die Wiedereinführung der Kreuzigung plädieren - die wurde ja nicht nur von den Römern praktiziert und wirkte also völkerverbindend ... (Autor unterbricht und geht sp...en)

Zwetschgenkrampus