Sonntag, 10. Februar 2013

The Trolls! Don't feed them!

Phil spricht in diesem Posting eine sehr unangenehme facebook-Geschichte an, die man - wenn man (so wie ich) Pech hatte - gestern Abend mitverfolgen konnte.

Irgendwer hatte auf seiner Timeline gepostet, daß er die Kündigung für Martin Lohmann wegen seiner "Homophobie" nicht nur irgendwie klasse findet, sondern daß er selbst ihn eigentlich zum Teufel gewünscht hatte. Ich selbst kenne diesen jemand nicht, konnte aber die Debatte verfolgen, weil sie von zwei facebook-Freunden geteilt wurde.

Unter dem Beitrag flammte sofort eine wilde Debatte auf, in der im Grunde nach Sekunden alle Hemmungen fielen.

Um das jetzt erst einmal aus meinem System zu kriegen - und auf die Gefahr hin, daß einige mir das vielleicht übel nehmen: Ich empfehle in solchen Situationen immer, die Trolle einfach nicht zu füttern und - wenn's vielleicht auch schwer fällt - sie im Saft schmoren zu lassen. Nichts ist für solche Leute schlimmer, als nicht die Aufmerksamkeit zu bekommen, nach der sie lechzen und nicht die Beleidigungen abschießen zu können, die ihre eigene Existenz schlagartig erträglicher erscheinen lassen, weil sie wenigstens in der virtuellen Welt Leute finden, denen sie unterschieben können, sie seien nicht informiert, hätten keine Ahnung, seien Lügner etc... Mein Tip also für sämtliche Situationen dieser Art: Wenn's im Internet stattfindet und die Trolle bereits mit gezückten Knüppeln warten, dann geht milde lächelnd vorbei.

Da nun gestern aber drei (oder so) Katholiken länger als nötig auf das Posting und die darauf folgenden Kommentare reagierten und dort auf zwei bis drei absolut vernagelte, unflexible, aggressive Kirchenhasser trafen, wurde es nach wenigen Kommentaren gleich persönlich und unappetitlich.

Eine Erkenntnis, welche die Geschichte brachte, ist, daß die Kirchenhasser gar nicht ausschließlich vom Haß gegen die Kirche motiviert werden. Letztlich kennen sie die Kirche ja gar nicht, sondern verlassen sich nur tapfer auf Soundbites aus Deschners "Kriminalgeschichte des Christentums", auf Kommentarbereiche einschlägiger Internet-Medien, auf Fernsehtalkshows und auf das, was Otto-Normal-Höhlenbewohner sich eben zum Thema Kirche gegenseitig so zugrunzt.

Der "Haß auf die Kirche" entspringt bei vielen dieser Leute wohl eher der Unzufriedenheit über Dinge, die sie selbst betreffen. Da muß - Obacht! "Gefährlich geschichtsvergessener" Alipius meldet sich zu Worte - ein Sündenbock her und ein paar großmäulige Vorreiter mit Agenda, die die Unzufriedenheit zum Haß schüren und den Haß dann dort hinleiten, wo er ihrer Agenda eben am meisten nützt.

Und wer kann da mit der Kirche schon mithalten? Die Kirche ignoriert nicht die Tatsache, daß Geschlechtsverkehr Konsequenzen hat? Auf sie mit Gebrüll! Die Kirche hält an der katholischen Definition der Ehe fest? Écrasez l'infâme! Die Kirche schickt sich an, Gewissen heranzubilden, die sich umfassend dem Schutz des menschlichen Lebens widmen? Ruf doch bitte endlich jemand den UN-Menschenrechtsrat an! Die Kirche schickt keine Selbstmordattentäter ins Rennen, wenn man sich über sie oder über Christus lustig macht? Drei Versuch, ein Euro!

Der Vorwurf jeglicher Art von -ismus oder -phobie ist ein unauslöschliches soziales Schandmal, aber wenn jemand von Katholophobie redet, darf man ihn auslachen? Worauf warten wir noch!

Man muß die Kirche nicht hassen, um zum Kirchenhasser zu werden. Man muß nur von den richtigen Großmäulern zum richtigen Zeitpunkt die richtige Richtung vorgegeben bekommen, um zum Teil jener Anfänge zu werden, gegen die man sich eigentlich laut handelsüblicher, aufklärungskompatibler und politisch korrekter Meinung wehren sollte.

Blöd ist natürlich, daß man dennoch immer wieder auf Menschen trifft, die nicht nur Katholiken sind, sondern die es auch gerne sind und die dies nicht verschweigen. Intuitiv wird in diesen Momenten wohl schon noch erkannt, daß die Ausgangslage streng genommen gleich ist: Es treffen zwei Menschen aufeinander, deren Meinungen über ein bestimmtes Thema weit auseinadergehen. Da man sich in der Regel auf Seiten der Zwei-Dutzend-für-drei-Euro-Kirchenhasser mit der Geschichte, den Riten und der Lehre der Kirche nicht so gut auskennt, wie auf der Seite derjenigen, die sich nicht scheuen, auf dem Marktplatz ihren Glauben und ihre Kirche zu verteidigen, hat man bald ein Problem: Da man sich ja von Mensch zu Mensch streitet und da plötzlich jemand auftaucht, der sich blöderweise in der Sache auskennt und das eigene Weltbild ins Wanken bringen könnte, muß man den Anderen möglichst schnell als Menschen treffen. Man muß ihn lächerlich machen, ihn diskreditieren, ihm Ahnungslosgkeit vorwerfen bevor er feststellt, daß man selbst keine hat oder ihm einfach möglichst deutlich zu verstehen geben, daß man bei ihm gerne eine Ausnahme macht, wenn es darum geht, die Würde des Menschen zu beachten.

Und genau dann kommt es zu solchen Situationen wie gestern bei facebook. Und deswegen bleibe ich diesen Situaitonen fern, wenn sie am Horizont aufziehen. Mit Argumenten kann man da nichts ausrichten, und endloses gegenseitiges Rumgeätze ist nun auch nicht so toll.

Kommentare:

Cinderella01 hat gesagt…

So ist es. Es fällt außerdem immer mehr aus, dass diese Trolle absolut humorlos sind.
Wir haben in den letzten Tagen versucht, dem einen oder anderen (Anonymus) Kommentar mit launigen Antworten zu begegnen und ihnen auf diese Weise klar zu machen, dass sie doch doch besser in den einschlägigen Internetforen aufgehoben sind. Absolut erfolglos, denn es folgen robotermäßig wiederholte Kommentare.
Dass die allerdings bei Deschner abschreiben, darauf bin ich nicht gekommen. Ich war so naiv zu glauben, die arbeiten für ihre Argumente ... Dann bin ich froh, dass ich diesen Müll gar nicht mehr freigeschaltet habe.

Echo Romeo (Tümpelritter) hat gesagt…

War, ja wahr ist’s!