Donnerstag, 21. Februar 2013

Lagerdenken...

Laut kath.net distanziert sich die Deutsche Bischofskonferenz von gloria.tv nachdem auf einer englischsprachigen Seite des Portals im Zusammenhang mit der Debatte um die "Pille danach" deutsche Bischöfe mit Hakenkreuzen gezeigt wurden:

(Dies ist eine Mini-Version des Bildes, welche ich auf in caelo gefunden habe).

Auf der englischen gloria-tv-Seite ist man mittlerweile offenbar zurückgerudert und zeigt die Bischöfe "nur" noch mit Blitzen:


Auf kath.net wurde auch schon kommentiert: Ein Leser distanziert sich von der Deutschen Bischofskonferenz. Ein Teil der Begründung lautet:
    Deutsche Bischofkonferenz hat mit Katholischsein immer weniger zu tun...
Hier ist wieder mal jemand in die klassische Falle des Lagerdenkens getappt. Die Hakenkreuz-Nummer ist auf jeden Fall und ausschließlich peinlich, geschmacklos und nicht zielführend. gloria.tv gehört nun aber nach der Meinung nicht weniger (grade junger) Katholiken zu den "Guten" (= Klinisch reine, superkatholische Geisteswesen mit Internetanschluß), während die Deutsche Bischofskonferenz (einzelne Bischöfe hier und da ausgenommen) nach Meinung der gleichen Leute eher zu den "Bösen" (= Verweltlichte Sell-out-Beamten mit Gesäßen, die auf unverdienten Thronen festkleben) gehört.

Bei unangenehmen Ausrutschern eigener Stammesangehöriger gibt es eine bestimmte Schallgrenze, ab der diese Ausrutscher einfach nicht mehr zu verteidigen sind. Die Hakenkreuz-Geschichte ist ein Beispiel. Die kluge Vorgehensweise wäre hier, sich an den eigenen Stamm zu wenden und darum zu bitten, künftig mehr auf Inhalte zu achten, sich über diese Inhalte zu informieren und ihnen dann in den Beiträgen gerecht zu werden. Die unkluge Vorgehensweise ist, sich mit Nachdruck auf die bereits Beleidigten zu stürzen (wenn man es aus guten Gründen schon nicht riskieren kann, das Verhalten des eigenen Stammes zu verteidigen) und nachzutreten. Das führt zu solchen Sätzen wie "Deutsche Bischofkonferenz hat mit Katholischsein immer weniger zu tun...", was aufgrund der gewählten Prioritäten beim verdutzten Leser schnell den Eindruck erwecken könnte, daß das Abbilden von Bischöfen mit Hakenkreuz dann ja irgendwie unheimlich viel mit Katholischsein zu tun haben muß (Ich will diese Einstellung dem Kommentierer natürlich nicht unterstellen, aber ich sehe einfach die Gefahr, daß es so rüberkommen kann).

Laßt uns bitte nicht zu dieser Art von Kirche werden, in der wir - anstatt für unsere Bischöfe zu beten - sie mit Hakenkreuzen bemalen (oder das Bemalen von Bischöfen mit Hakenkreuzen nicht explizit verurteilen), weil sie sich Gedanken über Menschen in Problemsituationen machen und diese Gedanken dann veröffentlichen. Wenn wir soweit sind, daß die Bischöfe aus lauter Shitstorm-Angst nicht mehr laut denken können, dann haben wir wirklich verloren, denn dann sind wir genau zu der mob-hörigen Institution geworden, von der unsere Gegner sich so flehentlich ersehnen, daß wir sie schon lange wären. Natürlich besteht immer wieder die Gefahr, daß da mal etwas durchsickert, das einen lehramtsfremden Beigeschmack trägt. Aber genau dafür haben wir ja das Lehramt (und nicht die Kommentarbereiche oder die katholischen Blogs und Foren und Portale): Daß es zum rechten Zeitpunkt die Leute zurückpfeift.

Kommentare:

tradi.nl hat gesagt…

Amen!

Wolfgang hat gesagt…

'Unangenehmer Ausrutscher'? Die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ist kein 'Ausrutscher', sondern ein strafrechtlich zu verfolgendes Vergehen. Bei mir hört da einfach jede Toleranz und jedes Verständnis auf.
Ich finde es gut, wenn du differenzierend und vermittelnd Stellung beziehst, aber es gibt Grenzen.

Alipius hat gesagt…

@ Wolfgang: Ernsthaft?

Ich schlage vor, daß Du, wenn Du das nächste Mal endlich das vermeintliche Haar in der Suppe gefunden hast, welches es Dir ermöglicht, einen Moser-Kommentar zu einem Thema loszuwerden, über welches wir offensichtlich gleich denken, Du vielleicht erst einmal nachfragst, ob ich möglicherweise die Grenze nicht kenne, ab der ein differenzierender und vermittelnder Tonfall in Toleranz und Verständnis für ein strafrechtliche zu verfolgendes Vergehen umschlägt (was so ungefähr die Unterstellung ist, die bei mir ankam). Dann könnte ich erklären, was Stamm-Leser schon lange wissen: Daß ich gerne mit Unter- und Übertreibungen arbeite und daß ich es mir bis heute eigentlich immer leisten konnte, meine Leser für so reif zu halten, daß sie verstehen, was ich sagen will.

clamormeus hat gesagt…

Volle Zustimmung, Alipius!

Diese Art der Diffamierung ist allerunterste Schublade. Gleiches Niveau, wie von anderer Seite die Darstellung des Papstes als "Nazi".

Diese Primitivität läßt sich auch in nichts mit vermeintlich "edlen Motiven" rechtfertigen.

(Zu Niveaufragen und Gloria TV fällt mir noch ein: es nervt mich u.a. heftigst, daß dieses Portal Videos kapert, die von anderen TV - Sendern produziert und gesendet wurden, und dabei mit dem Gloria - Logo das der Quelle überdeckt. Auch das spricht Bände!)

clamormeus hat gesagt…

ah, ja zu @Wolfgang noch desweiteren:

Hier ginge es strafrechtlich zuvorderst darum, daß Leute, hier die Bischöfe, beleidigt und verleumdet werden, indem man sie per Hakenkreuz mit der NSDAP identifiziert.

Gerd F. hat gesagt…

"Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich."

Jesus hatte ja so recht.

Anonym hat gesagt…

>> Natürlich besteht immer wieder die Gefahr, daß da mal etwas durchsickert, das einen lehramtsfremden Beigeschmack trägt. Aber genau dafür haben wir ja das Lehramt (und nicht die Kommentarbereiche oder die katholischen Blogs und Foren und Portale): Daß es zum rechten Zeitpunkt die Leute zurückpfeift. <<

Oha. Ist das jetzt eine satirische Unterzeichnung der Realität? Falls nicht, wann hast du das in den letzten Jahren erlebt???

Gerd F. hat gesagt…

Soviel ich weiß haben die Bischöfe auch das Lehramt inne. Nun denn, ich habe meinen Bischof darüber persönlich informiert, dass unser Pfarrer der Meinung ist, die Hölle sei eine Erfindung der Menschen um ihnen Angst einzuflössen und jeder der getauft wäre, ist schon erlöst. So gesagt in einer Predigt. Das ist jetzt ca. ein halbes Jahr her. Bis auf die Tatsache, dass ich in unserer Gemeinde als Denunziant durchgereicht werde, geschah, richtig, nix! Am Aschermittwoch trug unser Pfarrer den Kindern in unserer Gemeinde das Aschenkreuz mit einem Lippenstift auf, weil sie das ja besser "verstehen"! Ich sehe davon ab, meinen Bischof darüber zu informieren, was soll das Ganze auch? Und nein, es käme mir nicht in den Sinn unseren Bischof in Verbindung mit dem Hakenkreuz zu bringen. Das ist kontraproduktiv und abzulehnen. Aber, dass das Lehramt häretische Pfarrer zurück pfeift, ist mir bis jetzt unbekannt.

Alipius hat gesagt…

@ anonym/Gerd F.: "Erleben" tut man so etwas - wenn es richtig läuft - nicht (bzw nur als direkt Beteiligter), denn alle in der Kirche sind dazu aufgerufen, solche Fälle nicht in der Öffentichkeit zu regeln und nicht in die Medien zu zerren. Mir persönlich sind einige Fälle bekannt, wo das Lehramt vor Ort auf die Bremse getreten hat, wenn ein Priester häretisch predigte oder wüste liturgische Mißbräuche vorkamen.

Nun kann man - wie Gerd F. - mit dem Lehramt schlechte Erfahrungen machen. Das ist bedauerlich und wirft kein gutes Licht auf den betreffenden Bischof. Aber nur, weil es in Fällen, die öffentlich gemacht wurden (und sei es nur hier in der Kommentarbox) nicht passiert, heißt das nicht, daß es nie und nirgendwo passiert.

Gerd F. hat gesagt…

Vielleicht noch folgendes zu den schlechten Erfahrungen von Gerd F. Zuerst habe ich versucht im vier- Augen-Gespräch, mit unserem Pfarrer, seine haarsträubenden Irrlehren zu besprechen. Seine Reaktion: Ihr Gottesbild ist nicht meines und mein Gottesbild ist nicht ihres. Ende der Debatte. Soweit so schlecht. Dann hatte ich die Gelegenheit mit dem Bischof im Beisein des Pfarrers über seine Thesen zu sprechen. Sinngemäß wurde mir dabei mitgeteilt, dass es wohl erst mal eine Angelegenheit zwischen Gerd F. und dem Pfarrer ist und dass das Thema Hölle und Himmel eine extra Diskussion verlangt und ich solle da am Ball bleiben. LOL!!! Ich hatte mir einige Zitate zurecht gelegt u.a. Paulus, als er die Irrlehrer verflucht, selbst wenn sie als Engel auftreten würden. Lass ma stecken, hab ich mir in diesem Moment gedacht, denn so irrtümlich sind die Predigten meines Pfarrers dann nun wohl auch wieder nicht, zumidest soll ich mit dem Pfarrer darüber im "Gespräch" bleiben. Warum ich hier in der Kommentarbox darüber spreche? Pure Verzweiflung! Weil es die Christen in unserer Gemeind furzegal ist, was de Pfarrer predigt, Hauptsache wir kommen alle irgendwie in den Himmel. DAS NERVT!!! DAS IST NICHT BEDAUERLICH SONDERN EINE KATASTROPHE! Wenn ich weiß, dass jeder eingesetzte Pfarrer, einen Eid vor dem Bischof ablegt, Schaden von der Gemeinde abzuwehren und den Glauben der hl. katholischen Kirche unverfälscht zu verkündigen, kommt mir die Galle hoch, wenn ich an die zurück liegenden Gespräche mit dem Pfarrer und dem Bischof denke. Ich werde weiter darauf verzichten unsere Bischöfe mit Nazisymbolen in Verbindung zu bringen, das ist:
1. Kontraproduktiv und
2. eine Beleidigung für die Bischöfe und Priester, die während der braunen Diktatur ihr Leben für den Glaunben gelassen haben.

Nix für ungut. Bin froh, dass ich das mal los bin.

Alipius hat gesagt…

@ Gerd F.: Das klingt wirklich nicht schön. Einerseits bedauere ich, daß Sie diese Erfahrungen machen mußten, andererseits finde ich es sehr gut, daß Sie überhaupt die Diskussion gesucht haben. Viele Katholiken merken entweder gar nicht mehr, wenn ihnen Häresien vorgelegt werden oder sie scheren sich nicht drum. Das wiederum bestärkt die betreffenden Priester in dem, was sie tun. Daher ist es wichtig, daß es Leute wie Sie gibt, die dann auch mal unangenehme Fragen stellen. Und das mit den Nazi-Symbolen versteht sich von selbst.

Anonym hat gesagt…

Ach ja, das hört sich ja so an, als ob es hier und da mal vorkommt, dass ein Pfarrer nicht im Sinne der Kirche handelt.

Leute, es kommt JEDEN TAG vor!!! In 95 Prozent unserer Kirchen!!! Ich bin in einer Pfarrei mit einem gläubigen, heiligmäßigen Pfarrer, ich danke Gott jeden Tag dafür. Die Pfarrei ist aber nicht in unserer Kleinstadt, ich muss eine halbe Stunde raus aufs Dorf fahren. Ich habe den Pfarrer gefragt, wo es in unserer Diözese noch andere Pfarrer so wie ihn gibt, die katholische Messen feiern, so wie sie sein sollen, die den katholischen Gauben unverwässert lehren. Antwort: Es gibt keine anderen. DAS IST REALITÄT!!!

Anonym hat gesagt…

Ja, das ist das Problem , man sieht es auch beim Kardinal Schönborn, da ist einem jemand oder einige sympathisch dann weicht man eben von seinen sonst strengen Regeln ab. Das würde dem Papst nicht passieren. Suche zuerst das Reich Gottes...

liwindo hat gesagt…

Leider muss auch ich den Eindruck bestätigen, dass unsere lieben deutschen Bischöfe sich nicht gerade in Führungsstärke üben, wenn es um Irrlehren und falschen Praktiken seitens ihrer Priester geht. Meistens greifen sie erst ein, wenn der Priester schon ein halber Schüller ist. Oder im Beispiel von Schüller: gar nicht bzw. redundant.
Das hat sicherlich viele Ursachen, aber man sollte mal erwähnen, dass sich die Bischöfe so auch selbst gegen die Kirche schwer versündigen.
Was natürlich solche sinnlosen und grotesken Aktionen wie von glora.tv in keinster Weise rechtfertigt...