Mittwoch, 6. Februar 2013

Kann mir mal jemand...

[UPDATE:: Wurde eben von einem Leser auf diesen Wiki-Artikel hingewiesen, in den steht: "Civil marriages may not take place in religious venues, but since the Marriage Act 1994 may take place in other licensed venues". Nun frage ich mich, wie man bei der BBC auf die Idee kommt, gleichgeschlechtliche zivile Trauungen könnten künftig in einer Kirche stattfinden (für weiterführende Infos siehe auch hier)?]

... diese Sätze enträtseln:
    A civil partnership offers similar legal rights, but isn't exactly the same as marriage. If this vote becomes a law it means same-sex couples will be able to get married in a church.
Was ich hier mit nach Hause nehme ist dies: Eine Zivile Partnerschaft ist nicht genau das Gleiche wie eine Ehe. Aber gleichgeschlechtliche Paare werden in der Lage sein, in einer Kirche den Bund der Ehe zu schließen (obwohl es nicht genau das Gleiche ist).

Gleichgeschlechtliche Paare werden dazu in der Lage sein, in einer Kirche den Bund der Ehe zu schließen, wenn sie mit Presse, Fernsehen, Protestern, Anwälten und Trillerpfeiffen anrücken und dem Priester klar machen, daß er im Knast landen wird, wenn er nicht spurt. Denn es war ja schon immer so, daß das Recht auf Eheschließung von der Kirche vorbehaltlos und ohne irgendwelche Einschränkungen anerkannt wird, also muß es auch künftig weiterhin so sein. Oh... Moment... Falsch! Es war bisher schon immer so, daß diejenigen, die aufgrund von Hinderungsgründen nicht kirchlich heiraten durften, dies einfach akzeptierten und keine öffentliche Soap Opera einschließlich Gewissensänderungs-Daumenschrauben für Priester daraus machten.

Was? Die werden schon keinen Terz machen und sich einfach eine Kirche aussuchen, von der sie wissen, daß sie dort die Ehe schließen können, oder sie werden - wenn sie in der einen Kirche abgewiesen werden - einfach eine andere suchen, die ihren Wünschen entgegenkommt, ohne großen Presserummel, ohne Mobilisierung der Truppen, ohne Einschalten der Internet-Thought-Police? Ja, klar... Glaube ich sofort.

Kommentare:

Monika hat gesagt…

Eine eingetragene Partnerschaft ist der Ehe rechtlich gleichgestellt. Mit einem Gesetz, nachdem gleichgeschlechtliche Paare auch eine Ehe eingehen können, könnten sie auch in einer Kirche heiraten.

So versteh ich das.

Siehe auch Wikipedia

Es geht wohl hauptsächlich um die symbolische Wirkung. Aber ich kann mir nicht vorstellen, daß man eine Kirche (egal ob jetzt einen einzelnen Pastor oder eine Institution) per Gesetz zwingen kann, Trauungen bei zwei Männern oder zwei Frauen vorzunehmen.

Alexander hat gesagt…

Der britische Gesetzgeber überlässt die Entscheidung über die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare ausdrücklich dem Gusto der Kirche. Sie kann also nicht gezwungen werden. So habe ich den Gesetzestext verstanden.

Anonym hat gesagt…

...die ihren Wünschen entgegenkommt, ohne großen Presserummel, ohne Mobilisierung der Truppen, ohne Einschalten der Internet-Thought-Police? Ja, klar... Glaube ich sofort.

Ich glaube das auch sofort ... NICHT, genau wie Sie, allerdings aus einem anderen Grund.
Nachdem die römisch katholische Kirche sich standhaft weigert eine Ehe gleichgeschlechtlich Liebender auch nur anzuerkennen, geschweige denn zu erlauben, wie die erste Eheschließung gleichgeschlechtlich Liebender in einer Kirche so etwas ganz besonderes sein, dass die Medien zur großen Hatz auf dieses exemplarische Ereignis Blasen werde, selbst wenn die beteiligten Personen das gerne in aller Stille gemacht hätten. Bei so was sickert immer etwas durch, egal wie gerne man das auch unter dem Deckel halten möchte. Wir kennen das ja aus vielen Bereichen des öffentlichen Lebens; Frau Schavan exerziert das ja gerade bildhaft vor.
Wenn dann einmal Eheschließungen gleichgeschlechtlich liebender so alltäglich geworden sind, wie zum Beispiel eine Mehrfachehe in Saudi Arabien oder eine Sighe-Ehe im Iran, kräht kein Hahn mehr danach.
Trost für Sie und alle anderen gläubigen Katholiken kommt, wie könnte es anders sein, von Gott, durch den Mund des Papstes.
Eine Kirche, in deren Kirchen Ehen gleichgeschlechtlich Liebender geschlossen werden, ist gar keine Kirche. Noch nicht einmal die evangelische Kirche ist ja eine Kirche, wie der Papst in seinem lichtvollen Schreiben "Dominus Jesus" absolut wahr und unzweifelhaft lehrt.
Also wenn in einer Kirche eine Ehe gleichgeschlechtlich Liebender geschlossen wird, dann ist das erstens keine Ehe und zweitens keine Kirche.

Alipius hat gesagt…

@ anonym: Wunderbar erklärt! Ich erlaube mir nur die Frage: Wenn es aus Sicht und nach Lehre der Kirche keine gleichgeschlechtliche Ehe gibt (was vollkommen richtig ist), wieso kommen dann irgendwelche Leute immer wieder auf die Idee, die Kirche dringend mit etwas in Verbindung bringen zu wollen, was für sie (die Kirche) nicht existiert?

Anonym hat gesagt…

@Alipius
Ich kann mir das nur so vorstellen, dass die anglikanische Kirche gemeint ist. Das Geschehen um das es ja hier speziell geht, spielt sich doch in England ab. Und wenn Unter- und Oberhaus die Ehe für gleichgeschlechtlich Liebende statuiert haben, dann KANN die anglikanische Kirche diese Trauung durchführen und sie würde dann (im Gegensatz zu Deutschland!) auch staatlich anerkannt werden.
Das wäre dann deutlich mehr Macht und Einfluss für die Kirche dort, als die römisch katholische in Deutschland, Österreich oder gar im laizistischen Frankreich jemals erreicht haben.
Da ist der Wert eines Trauscheines relativ unbedeutend. Der Trauschein des Standesamtes wird von der Kirche als Giftpapier gewertet und der der Kirche ist vor den staatlichen Behörden völlig wertlos.

Aber meine Meinung dazu ist sowieso, dass an der Himmelstüre sich relativ wenig Leute für Trau- oder auch Taufscheine interessieren werden. Was nutzt der Trauschein, wenn der Ehemann regelmäßig Frau und Kinder verdroschen hat, oder die Frau ständig fremd gegangen ist? Und braucht eine Frau und ein Mann, die sich Jahrzehnte lang liebevoll und treu umeinander gekümmert haben und mehrere Kinder auf den richtigen Weg ins Leben gebracht haben wirklich irgendeinen Zettel auf dem ein Stempel von irgendeiner Behörde, sei es ein katholisches oder protestantisches Pfarramt oder ein beliebiges Standesamt, prangt?
Dort sind doch genau die (an der Himmelstüre nämlich!) die den Menschen direkt ins Herz schauen und dann ist JEDES von Menschen erdachte, geschriebene, gestempelte und unterschriebene Papier völlig bedeutungslos.

Anonym hat gesagt…

Irgendwie werde ich immer vorsichtig, wenn es von einer Maßnahme heißt, die Teilnahme sei in keiner Weise verpflichtend, sondern vollkommen freiwillig. Es ist schon des öfteren vorgekommen, daß sich einfach nicht genug Freiwillige gefunden haben. So war es etwa bei Einführung des neuen Allheilmittels gegen Unbildung und gesellschaftliche Unbildung in Österreich, der "Neuen Mittelschule" (NMS). Es gab wohl genügend Hauptschulen, die da mitmachen wollten, aber nicht genügend AHS. Vom Ministerium aus war die Teilnahme sehr erwünscht, dem Schulversuch NMS wurden zahlreiche Ressoucen (die immer begrenzt sind) zugeteilt. So hungert man im Ergebnis die unwilligen AHS in finanzieller Hinsicht so lange aus, bis sie, natürlich vollkommen freiwillig, beschließen, an der finanziell gutdotierten NMS teilzunehmen. Ob die Briten das Rezept auch kennen?

Zwetschgenkrampus

Ester hat gesagt…

Bei der Bewertung des BBC Kommentars muss bedacht werden, dass die anglikanische Kirche Staatskirche ist, das Pfarramt ist also gleichzeitig Standesamt.
es gibt zwar auch in GB "normale Standesämter" aber der Staus der Kirche ist ein anderer.
In D konnten die Pfarrämter übrigens bis neulich auch Zeugnisse und dergl beglaubigen, formal könne sie das immer noch; nur wird vielfach ein "nicht kirchlich beglaubigtes" Zeugnis (u-ä.) verlangt.