Dienstag, 12. Februar 2013

Ich schwöööööööör'...

Diese beiden facebook-Kommentare wurden von ein und derselben Person direkt hintereinander unter einem Artikel zum Thema "Neuer Papst" abgesetzt:


Damit wäre auch die Frage beantwortet, warum die Kirche selbst bei den besten Argumenten und der schlüssigsten Beweisführung bei vielen Leuten nie eine Chance haben wird. Diesen gegen jegliche Realität abschirmenden "Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt und habe nicht den geringsten Sinn für Ironie (obwohl ich sie - ungewollt und ohne es zu merken - perfekt beherrsche)!"-Schutzwall zu durchbrechen, das kann kein Vertreter der Kirche. Das kann nur Christus. Womit wieder einmal nur das Gebet für diese Leute bleibt.

Kommentare:

Monika hat gesagt…

Das kann nur Christus. Womit wieder einmal nur das Gebet für diese Leute bleibt.

Das ist zu einfach

Alipius hat gesagt…

@ Monika: Okay! Bin schon gespannt auf Ihre Vorschläge!

F. M. hat gesagt…

... möglichst einfache Wahrheiten zu vermitteln ...


Na ja, der kennt sicher nicht den Katechismus der Katholischen Kirche mit fast dreitausend Punkten auf über achthundert Seiten, sonst würde er nicht so fahrlässig daherreden.

Alipius hat gesagt…

@ F.M.: Exakt!

Monika hat gesagt…

Je mehr ein Mensch eins mit sich und einfältig in seinem Innersten geworden ist, desto mehr und höhere Dinge lernt er ohne sonderliche Mühe verstehen; denn das Licht des Verstandes kommt dann auf ihn von oben herab. Ein Geist, der rein, einfach und fest in seinem Innersten geworden ist, wird auch durch vielerlei Geschäfte des Lebens nicht zerstreut; denn er tut alles zur Ehre seines Gottes und arbeitet in sich darauf hin, all den geheimen Süchten der Eigenliebe auf immer Feierabend zu geben. Was hindert und plagt dich doch mehr als die Neigung deines Herzens, die noch ihr volles, unabgetötetes Leben hat? Der gute Mensch, der sich seinem Gott geweiht hat, ordnet zuerst in seinem Innern alles, was er hernach im Äußern zustande bringen soll. Nicht zieht ihn das, was er tut, dahin, wo ihn die sündigen Neigungen haben wollen, sondern er zieht und lenkt die Neigungen dahin, wo sie das Gesetz der gesunden Vernunft haben will. Wer hat wohl einen heißeren Kampf zu bestehen als der, der mit sich selbst im Streite liegt, um sich zu besiegen? Und dies sollte unser Geschäft auf Erden sein: sich überwinden, täglich mehr Gewalt über sich gewinnen und im Guten voranzuschreiten.

Thomas von Kempen, Erstes Buch, Drittes Hauptstück, 3

Alipius hat gesagt…

@ Monika: Okay, aber was hat dies mit Leuten zu zun, die - wie der von mir zitierte Kommentierer - offensichtlich nicht mit sich im reinen sind und vielleicht in ihrem Innersten einfältig sind, aber sich - zumindest, wenn man den Widersprüchen glauben darf, die sie (ohne es zu merken) äußern, um ihre Position zu halten - kaum auf einen kohärenten und gradlinigen Weg der Sündentilgung und der Gotteswidmung machen werden (wenn man nicht für sie betet).

Josef Bordat hat gesagt…

Interessant, dass hier plötzlich der Zölibat auftaucht. Norbert Bolz scheint Recht zu haben: „Zölibat ist Askese, und Askese ist etwas, das für unsere Gesellschaft unerträglich ist, das absolut Nicht-Säkularisierbare. Es gibt zwar alle möglichen Formen von Konsum und Befriedigung, aber Askese, also der freiwillige Verzicht auf Möglichkeiten, ist für die offizielle Selbstbeschreibung einer säkularen bürgerlichen Gesellschaft ein Skandal. Die Leute wittern, dass hinter der Askese Macht steckt, und das reizt sie bis aufs Blut.“

LG, Josef

Monika hat gesagt…

Das kann nur Christus. Womit wieder einmal nur das Gebet für diese Leute bleibt
@Alipius
Kam mir vor wie kampfbeten.

Aus dem Buch "Giving in to Get Your Way" (auf der Seite nach "Der Zug ratterte an einem verschlafenen Frühlingsnachmittag" suchen)

Wenn man für jemanden betet, weil sein Herz verhärtet ist, kann man, so glaube ich, sicher sein, daß man besser für sich selber beten sollte.

Einen direkten Zugang zu dem anderen gibt es dann nicht. Weil zwei Herzen verhärtet sind.

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Wenn ich im zwischenmenschlichen an meine Grenzen stoße, dann denke ich, wenn ich mich wieder erholt habe, das sollte nicht sein. Diese Maßstäbe, die der Glaube setzt, sind Richtschnur. Jesus ist Beispiel. Ich habe mich Jahrzehnte lang gefragt, wie er gesprochen hat, wie genau diese überlieferten Gespräche abgelaufen sind, Haltung, Blick, Tonlage, Stimmmodulation, Gestik. In den Predigten wird auf den Inhalt eingegangen. Jesus hat aber immer in Kontakt mit anderen gelehrt, oft im direkten Gespräch.

Er hat in Liebe mit Menschen gesprochen.

Er konnte das nicht deswegen, weil er Gott war, er konnte das, weil er ganz Mensch war.

Alipius hat gesagt…

@ Josef Bordat: BINGO!

@ Monika: Nein, Kampfbeten gibt es nicht.

Und ich sehe einfach nicht, daß ich, wenn ich Christus bitte, er möge ein verhärtetes Herz erweichen, ich damit zum Ausdruck bringe, daß auch mein Herz verhärtet ist. Ich wäre jederzeit dazu bereit, dem Menschen, dessen Herz ich als verhärtet betrachte, zuzuhören, auf ihn zuzugehen, ihn anzunehmen. Aber ich muß immer auch gleichzeitig das Gebet als Option betrachten, weil es letztlich Christus ist, der die Gnade gibt und der die Herzen bewegt.

Ich halte es darüberhinaus für ziemlich gefährlich, in Jesus Gott und Mensch trennen zu wollen. Wäre Jesus nicht auch Gott gewesen, so hätte er niemals ganz in Liebe zu den Menschen reden können, weil Gott schließlich doch die Liebe ist. Anders ausgedrückt: Jesus war nur deswegen "ganz" Mensch, weil in ihm die menschliche Natur mit der göttlichen Natur existierte und somit in ihm die menschliche Natur nicht der Sünde unterworfen war.

Monika hat gesagt…

Zwei Blogbeiträge, die mich heute morgen erreicht haben:
Zitat von Papst Benedikt XVI, 13.2.2013

Donnerstag nach Cinerum

Die meisten Blogs habe ich wegen der Information abonniert, einige wenige, weil mich der Mensch dahinter anspricht. Mir Heiterkeit zeigt, wie Claudias Gedichte und Bilder, mich aufregt, wie Ihre Beiträge. Ich glaube, ich habe mich jetzt genug darüber aufgeregt.

Liebe Grüße

Monika

Monika hat gesagt…

"Bis dahin weiß ich: Solange ich mich über Sie aufrege, bin ich noch nicht fertig mit mir" aus: Sie allein sind schuld, liebe Leser

Alipius hat gesagt…

@ monika: Kein Mensch sollte jemals so hochmütig sein zu denken, er oder sie sei schon fertig mit sich. Das ist eine Aussage, die sich ganz unabhängig von Kolumnen und Kommentaren machen läßt.

Alles, was danach kommt, ist charakterlich gefärbt. Manche Leute nehmen sich vor, sich 21 Tage nicht aufzuregen und scheitern dann. Das ist vollkommen normal. Andere Leute reagieren auf das, was sie aufregt, mit einer entsprechenden Äußerung. Das ist ebenso normal. Wieder andere Leute reagieren auf das, was sie aufregt, mit einer entsprechenden Äußerung und hängen dann noch ein Gebet für jene, die sie aufregten, hintendran. Auch das ist normal. Alle diese Leute versuchen (im Idealfall) nicht nur auf die Anderen zu schauen und auf das, was sie an den Anderen aufregt, sondern auch auf sich selbst, um weiterhin an sich zu arbeiten.

Somit ist weder das Gebet zu einfach noch das Aufregen über Aufregenswertes ein Ausdruck für ein verhärtetes Herz. Vielmehr ist das Gebet ein Hilfsmittel und das Aufregen über Aufregenswertes ein Ausdruck für ein Herz, welches versucht, sich zum Besseren zu entwickeln.

Monika hat gesagt…

Somit ist weder das Gebet zu einfach noch das Aufregen über Aufregenswertes ein Ausdruck für ein verhärtetes Herz.
Das stimmt. Und es tut mir leid, daß ich das geschrieben habe. Ich habs aber wirklich geglaubt.

Es hat aber auch sein Gutes. Wenigstens für mich. Ich hielt Don Camillo als Kind und bis dato immer für einen AntiPfarrer. Eine meiner Horrorvisionen von katholischer Priester. Peppone war natürlich keinen Deut besser, aber Kommunisten müssen sich ja schlecht benehmen. Wie sich so ein lauter, knalliger Typ benimmt, sagt nichts darüber aus, ob seine Gebete von Herzen kommen, ob er wohlmeinend ist, und schon gar keine Aussage kann man über die Tiefe eines Glaubens irgendeines Menschen treffen.

Was ich damit eigentlich gemeint hatte, steht noch immer. Es ist keine Basis der Kommunikation. Doch darum gings ja gar nicht.

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Es ist ein Unterschied, wo jemand seinen Schutzschild eingebaut hat. Wenn der recht weit innen und stabil ist, kann das Weltbild ungebrochen sein. Ein äußerer Schutz ist Analysieren, WeltVerstehen, Gefahren erkennen. Energie zur Aufrechterhaltung wird bei beiden benötigt, denn sie sind nicht statisch, auch wenn man nicht weiß, wie man sie erzeugt.

Glaube kann auch ein Schutzschild sein. Dies ist eine allgemeine Behauptung und auf niemanden, den ich kenne, persönlich bezogen.