Sonntag, 10. Februar 2013

Heute, im Evangelium...

Petrus: "Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder."

Jesus: "Fürchte dich nicht!"

Bei allem Gerede über Lebensnähe, Katholophobie, Dialog, Pogromstimmung etc sollten wir vielleicht eines nicht vergessen: Daß wir alle Sünder sind, läßt sich einfach nicht bestreiten. Es mag Menschen geben, die sich vehement gegen den Begriff "Sünde" wehren, aber ich glaube nicht, daß es irgendjemanden gibt, der so verblendet ist, zu behaupten, er habe sich allen Menschen gegenüber sein Leben lang immer absolut korrekt verhalten.

Die Menschen, die sich nicht gegen den Begriff "Sünde" wehren, sind auch die Menschen, die sich nicht gegen den Begriff "Gott" wehren. Und da nun mal Jesus Christus unser Gott ist, halte ich SEine Reaktion auf Petrus' Selbstanklage für einen der größten Sätze in den Evangelien.

"Fürchte dich nicht!": Wie wunderbar ist dieser Satz schon, wenn er nur von einem Menschen zu einem anderen Menschen gesprochen wird! Wenn aber ein Gott ihn zu einem seiner sündhaften Geschöpfe sagt, dann muß man sich doch fühlen, als baumle einem das Herz an einem Faden, der irgendwo im Himmel verankert ist.

"Fürchte dich nicht!": Mit diesem Satz bricht die Barmherzigkeit in die Welt; die Barmherzigkeit eines Richters, der jeden einzelnen Menschen heimholen möchte in sein Reich und der von uns nur verlangt, als daß wir uns nicht selbst zum Richter machen und daß wir es nicht beim "Ich bin ein Sünder" belassen sondern es auch mal mit dem "Ich will fortan nicht mehr sündigen" versuchen.

Kommentare:

Gerd F. hat gesagt…

Mal eine Frage an den Priester: Wie bringt man das alles mit dem Begriff "Gottesfurcht" zusammen? Was ich verstehe ist, dass Petrus im Bewusstsein seiner Sündhaftigkeit den Herrn von sich weg wünschte. Welche Furcht trieb ihn dabei um, zumal er Jesus ja ziemlich genau kannte, nehm ich mal an, nach drei Jahren des Zusammenseins?

Isabella hat gesagt…

Nicht 3 Jahre Zusammensein, gerade berufen worden.

Alipius hat gesagt…

@ Gerd F.: Die "Gottesfurcht" ist eine bestimmte Art der Furcht. Sie äußert sich idealerweise nicht in der Furcht vor Bestrafung (also in der Furcht des Knechtes vor dem Herrn) sondern in der Furcht davor, die Liebe des Vaters zu enttäuschen oder gar zu verletzen (also in der Furcht des Sohnes vor dem Vater). Wenn Jesus sagt "Fürchte Dich nicht!", dann meint er damit, wir sollen die knechtische Furcht ablegen und in der Liebe des Vaters bleiben.

Anonym hat gesagt…

Was mich SEHR stört ist diese unterschwellige Unterstellung, nach der nur gottgläubige Katholiken den Wahren Umgang mit Sünde ("Just say no!") kennen und praktizieren.
Um sich für einen Sünder zu halten (i. e. ein Mensch, der immer wieder ethisch falsch handelt, manchmal beabsichtigt, manchmal nicht, manchmal in großen Dingen, manchmal in Kleinen), brauche ich den Begriff "Gott" nicht mal strapazieren. Um an mir zu arbeiten und zu versuchen, aufzuhören mit Sündigen (was immer konkret dann anliegt), auch nicht.
Man könnte auch insinuieren, dass sich's Christen besonders leicht machen - während wir Normalsterbliche versuchen, so gut wie möglich mit unseren Fehlern und Verfehlungen zu kämpfen und daran nagen bis zum Tod, geht der Christ davon aus, dass ihm Gott seine Sünden schon vergeben wird, wenn er flugs zur Beichte marschiert und ein bisschen bereut ("Barmherzigkeit").
Also, generell. Auch der hörnerbewehrte Nichtchrist weiß in der Regel um seine Sündhaftigkeit (auch, wenn er sie anders nennen würde) und arbeitet an sich - es scheint mir, in der Regel nicht mit weniger Erfolg als der Durchschnittschrist (aber unter knallhärteren Bedingungen -> nix Beichte, nix Vergebung, nix Barmherzigkeit. Wir müssen da einfach selbst durch.).

Alipius hat gesagt…

@ anonym: Danke für Ihre Überlegungen.

Der Begriff "Sünde" ist nun mal religiös vorbelastet und daher nach meiner Erfahrung kein Begriff, den "hörnerbewehrte Nichtchristen" wie selbstverständlich auf der Zunge führen.

Wenn es Ihnen schon möglich war, die "unterschwellige Unterstellung" aufzuspüren, daß "nur der gottgläubige Katholik den wahren Umgang mit Sünde" kennt und praktiziert, so dürfte Ihnen eigentlich ebenfalls nicht entgangen sein, daß ich - ganz und gar nicht unterschwellig - zu Beginn des Textes geschrieben habe, daß ich nicht glaube, "daß es irgendjemanden gibt, der so verblendet ist, zu behaupten, er habe sich allen Menschen gegenüber sein Leben lang immer absolut korrekt verhalten", sprich, daß ich durchaus weiß, daß auch "hörnerbewehrte Nichtchristen" Umgang mit dem Phänomen pflegen, welches Christen als "Sünde" bezeichnen. Vom "wahren Umgang" mit diesem Phänomen war in meinem Text allerdings nirgends die Rede, so daß es mich schon interessieren würde, wo Sie dies herausgelesen haben.

Man darf aus der Tatsache, daß Gott dem reuigen Sünder vergibt, nicht schließen, daß der Christ deswegen nicht die Anstrengung unternimmt, "so gut wie möglich" mit seinen "Fehlern und Verfehlungen zu kämpfen". Im Gegenteil. Eben weil die Furcht des Christen die Furcht des Sohnes ist, der die Liebe des Vaters nicht verletzen will (siehe mein Kommentar an Gerd F. hier im Thread), wird der Christ (so er es mit seinem Glauben und seinem Gott ernst meint) sein ganzes Leben lang versuchen, seine Fehler und Verfehlungen auf kleinster Flamme zu halten. Ich kenne keinen Katholiken, der sagt, er lebe munter und selbstbezogen in den Tag hinein, weil eventuelle Sünden in der Beichte ja ganz fix weggewaschen werden können.

Wenn es wirklich so ist, daß der "hörnerbewehrte Nichtchrist" (irgendwie gefällt mir diese Formulierung, wie Sie sicherlich schon erraten haben ;-) zwar einerseits um seine Sündhaftigkeit weiß und auch dagegen ankämpft, aber andererseits weder Vergebung noch Barmherzigkeit erfährt, so sollte es Ihnen schon eine Überlegung wert sein, ob dies wirklich eine Situation ist, in der Sie Sich bis zum Ende Ihres Lebens wiederfinden wollen.

Denn schließlich würden Sie auch als Christ und als Katholik gegen ihre Fehler ankämpfen müssen, da man es als Christ und als Katholik - wie ich am Ende des Textes schrieb - "auch mal mit dem 'Ich will fortan nicht mehr sündigen' versuchen" muß. Sie würden dazu aber auch die Vergebung und die Barmherzigkeit und die Liebe Jesu Christi erfahren.