Donnerstag, 3. Januar 2013

Zwei volle Seiten...

... war der Printausgabe der PRESSE heute die Tatsache wert, daß Charlie Hebdo mal wieder einen Mohammed-Stunt plant (diesmal gleich ein 64-seitiges Comic-Heft).

Also werden wir uns bald wieder trefflich darüber unterhalten können, ob die brennenden Kirchen und die getöteten Christen ein angemessener Preis dafür sind, daß irgendwer in Paris in diesen mittelalterlichen Zeiten endlich mal unter Beweis stellt, daß Satire alles darf.

Die Geschichte ist die: Ja, Satire DARF alles. Dies bedeutet aber nicht, daß Satire auch ständig alles MUSS. Der vernunftbegabte und charakterlich nicht herausgeforderte Mensch versteht das DARF nicht als Aufforderung, Voraussetzungen zu schaffen für eine Gewalt, unter der im Regelfall jene zu leiden haben, die mit der Geschichte nichts zu tun haben.

Einer der oben verlinkten Artikel trägt den Titel "Religiöse Extremisten brauchen uns nicht als Vorwand". Ebenso brauchen Leute, die den Islam kritisieren wollen, keine Mohammed-Karikaturen als Vorwand. Es gibt auch ohne die zweifelsohne auf die Karikaturen folgenden Gewalttaten weltweit genügend Geschichten, welche Anlaß zur Kritik am Islam bieten. Ich nehme mir daher an dieser Stelle die Freiheit heraus, die Macher von Mohammed-Karikaturen dafür zu kritisieren, daß sie unnötig Öl ins Feuer gießen und damit Menschenleben riskieren. Wäre es nur ihr eigenes Leben, wäre es in Ordnung. Diese Leute kennen den Preis und wissen, worauf sie sich einlassen. Aber es ist einfach verantwortungslos, den geballten Zorn aufgebrachter muslimischer Massen auf Leute loszulassen, die es in islamischen Ländern ohnehin schon schwer genug haben.

Versteht mich nicht falsch: Ich will solche Karikaturen nicht verboten wissen, und ich fordere auch kein Blasphemie-Gesetz. Ich wünsche mir eher, daß wir es mit Karikaturisten und Satire-Magazin-Chefs zu tun haben, die etwas weniger ihre Eitelkeit polieren und dafür ein wenig mehr abwägen, wann welche Karikatur eine gute Idee ist und wann nicht. Hey! Hackt doch einfach weiter auf den Katholiken herum. Die sind in ihrem Glauben in der Regel so gefestigt, daß sie nicht gleich mit Macheten losziehen und Blut sehen wollen. So könnt Ihr demonstrieren, wie unheimlich aufgeklärt und rebellisch Ihr seid und wieviel mutige Ecken und Kanten Eure Produkte aufweisen, und die Christen in islamischen Ländern müssen sich nicht noch eine Extra-Sorge machen. Win-Win!

Versucht mal, es so zu sehen, liebe Charlie Hebdos der Welt: Wer in der heutigen Zeit im Namen der Meinungs- und Pressefreiheit eine so - im wahrsten Sinne des Wortes - todsichere Nummer wie eine Respektlosigkeit gegenüber Mohammed abläßt, der ähnelt schon irgendwie dem, der im Namen seines Gottes tötet. Denn beide lassen für ihre Ideen/Ideologien Unschuldige über die Klinge springen und zeigen, daß sie nicht wirklich kapieren, um was es geht.

Wer mit einem dünnhäutigen Gewalttäter Umgang pflegen muß, sollte ihn nicht reizen, bis er zum Angriff ansetzt, und gleichzeit denen falsches Appeasement vorwerfen, die davon abraten, den Mann zu nerven. Er sollte allerdings wachsam und vorbereitet sein, so daß er den Kerl ausschalten kann, wenn er plötzlich zum Sprung ansetzt.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Es geht den Zeitungsmachern ums schnelle Geld durch die erhöhte Publicity, sonst nichts.

Jörg hat gesagt…

Unmöglich,diese Argumentation.
Das Gegenteil ist richtig: Gerade weil der Islam so so gewaltbereit ist - ganz entsprechend seiner heiligen Schriften - muß das immer wieder auf Tagesordnung gesetzt werden. Im übrigen ist die aktuelle M.-Biographie - lt. Herausgeber - eine einfache Darstellung der überlieferten Geschichte dieses Meschen, der nun wirklich einer der privelegiertesten ist, was die Ansammlung unsozialer oder einfach böser Eigenschaften betrifft. Daß sich sich Moslems über die eigene Kultfigur erregen müßten, ist denen nicht klar. Noch absurder ist es aber, diese einfach aus Koran und Hadithen abzuleitenden Tatsachen (so man M. als historische Person annehmen will, woran es eine Reihe berechtigter Zweifel gibt)als schlechte Darstellung des lslambegründers anzusehen.
Ärgerlich ist zudem Ihre Anmerkung, auf den Katholiken herumzuhacken, wäre eine bessere Alternative. Das passiert weltweit täglich,besonders von Seiten der Muslime. Ehrlich, wenn die Christen (sind ja nicht alle römisch-katholisch) ebenso drauf wären wie die Moslems, kämen wir aus einer weltweiten Dauerrandale nicht mehr heraus.
Recht haben Sie, vor der realen Gefahr zu warnen, nur die Konsequenz sollte die Einsicht sein, daß der Islam mit dem Rest der Zivilisation eben nicht kompatibel, und aus diesem Grunde seine Ausbreitung wo immer nur möglich verhindert werden sollte. Je mehr sich damit z.B. in Europa verzögert,um so schlimmer wird es am Ende. Wäre das christliche Europa dem Islam - gemeiinsam mit den Ostkirchen schon im 8. oder 9. Jh.konsequent entgegengetreten, wäre dieser nicht bis nach Wien gekommen. Was glauben Sie, wird ein Herauswurf des Islam aus Europa (mindestens bis an die türkische Grenze) an Blut und Tränen kosten? Es werden vermutlich Unmengen sein, je länger wir die Gefahr noch schönreden,desto schlimmer wird es. Immerhin glaube ich nämlich nicht, daß sich die europäischen Völker mit der Alternative, nämlich einem vollständig islamisierten Eurabias, abfinden werden.

Tigerentenzersäger hat gesagt…

"Hey! Hackt doch einfach weiter auf den Katholiken herum. So könnt Ihr demonstrieren, wie unheimlich aufgeklärt und rebellisch Ihr seid"
Gerade daran, daß ein Satiriker nicht nur die harmlosen Zeitgenossen verspottet, sondern auch die gefährlichen, zeigt sich doch, daß es ihm nicht nur um eine billige "Rebellenpose" geht...

Es gibt einen Grund, weshalb Notfalleinrichtungen - Sprinkleranlagen in Gebäuden, mechanische Notbremsen in Aufzügen, Schwimmwesten auf Schiffen, whatever - in regelmäßigen Abständen auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft werden müssen.
Ganz ähnlich ist es mit den bürgerlichen Freiheiten. Werden sie aus "Besonnenheit" oder "Rücksichtnahme" konsequent nicht in Anspruch genommen, mag irgendwann der Zeitpunkt kommen, in dem man selbst ihrer dringend bedürfte - und feststellen muß, daß sie schon lange nur noch auf vergilbtem Papier stehen.

Man muß sich schon hin und wieder rühren, um sicherzugehen, daß man nicht bereits in Fesseln liegt. Selbst dann, wenn Wohlmeinende einem versichern, das sei ganz unnötig, die alten Freiheiten hätten sicherlich auch so Bestand, das müsse man nicht ständig auf die Probe stellen.

Und weiters: "Rücksichtnahme" auf die Empfindlichkeiten von schlechten Menschen (ja, gewalttätige religiöse Fanatiker sind ganz pauschal schlechte Menschen) führt nicht dazu, daß diese bescheidener werden, im Gegenteil, die werden nur immer anmaßender, je mehr man versucht, sie zu beschwichtigen. Da hilft nur die regelmäßige Demonstration, daß man sich von ihnen nicht ins Bockshorn jagen läßt.

"Wer in der heutigen Zeit ... eine Respektlosigkeit gegenüber Mohammed abläßt, der ähnelt schon irgendwie dem, der im Namen seines Gottes tötet."
Das kann doch wohl nicht ernstgemeint sein? Ich lese hier (als Nicht-Katholik und auch sonst nicht sonderlich religiöser Mensch) nun schon eine Weile mit; das ist das erste Mal, daß mir hier etwas begegnet, das mich wirklich fassungslos macht.

"Denn beide lassen für ihre Ideen/Ideologien Unschuldige über die Klinge springen..."
Wirklich? Der geiselnehmende Terrorist und derjenige, der auf die Forderungen des Geiselnehmers nicht eingeht, weil er weiß, daß er durch Nachgiebigkeit nur die nächste Geiselnahme provoziert, sollen moralisch auf einer Stufe stehen?

"...und zeigen, daß sie nicht wirklich kapieren, um was es geht."
Ich verstehe es, ganz ehrlich, auch gerade nicht. Worum also geht es, bitte?

Alipius hat gesagt…

@ Jörg: Ich habe nirgendwo angedeutet, daß die Gewaltbereitschaft des Islam nicht tagtäglich auf die Tagesordnung gesetzt werden darf. Nun sind aber Karikaturen über Mohammed keine Beiträge, die die Gewaltbereitschaft des Islam auf die Tagesordnung setzen, sondern sie fordern die Gewaltbereitschaft des Islam heraus bzw. lösen diese aus um danach zu rufen "Aha! Der Islam ist gewaltbereit!". So, als hätten wir das nicht auch ohne die Karikaturen (und die darauf folgenden Toten) gewußt...

Das mit dem "Herumhacken" auf den Katholiken war selbstverständlich ironisch gemeint (** Zaunpfahl wieder wegleg **). Als ob ich mir wünsche, daß diese Fritten noch mehr billigen Ruhm aufhäufen, indem sie Papst-Karikaturen oder ähnliches veröffentlichen...

@ Tigerentenjäger: Betr.: "Herumhacken" -> siehe Antwort an Jörg.

Das Nicht-Veröffentlichen von Mohammed-Karikaturen ist keineswegs eine Rücksichtnahme auf schlechte Menschen. Sie wissen doch z.B. auch ohne die Karikaturen ganz offensichtlich, daß religiöse Fanatiker schlechte Menschen sind. Warum also sollte man dies durch Karikaturen unbedingt untermauern müssen, wenn dies bedeutet, daß dadurch unschuldige Menschen in Lebensgefahr geraten?

Wenn Sie wirklich hier schon eine Weile mitlesen, dann sollten Sie wissen, daß solche Sätze ("Wer in der heutigen Zeit...") bei mir immer ernst gemeint sind (im gegensatz zu den "Herumhacken"-Sätzen, die sich einem erprobten Leser eigentlich auch als Ironie hätten offenbaren müssen).

Wo genau in meine Text geht es bitteschön um Geiselnahme?

Worum es geht erkläre ich gern noch einmal: Es geht um Leute, die sich mit Mohammed-Karikaturen als ungemein kantig und aufgeklärt hinstellen wollen und leider übersehen, daß diese Ego-Politur einen Preis hat, nämlich den, daß anderswo unschuldige Leute über die Klinge springen müssen. Dies für eine Erkenntnis, die wir auch ohne diese Karikaturen hätten, nämlich, daß der Islam leicht reizbar und gerne gewalttätig ist. Das ist doch so, als werfe man einen Menschen ins Feuer, und erklärte dann der Öffentlichkeit großspurig, daß Feuer gefährlich ist, nachdem man besagtem Menschen beim Krepieren zugesehen hat.

Tigerentenzersäger hat gesagt…

"Das Nicht-Veröffentlichen von Mohammed-Karikaturen ist keineswegs eine Rücksichtnahme auf schlechte Menschen."
Was denn sonst? Etwas zu unterlassen, das nach unseren kulturellen Maßstäben ein selbstverständliches Recht ist, nur im Hinblick darauf, daß Barbaren irgendwo auf der Welt sich auf den Schlips getreten fühlen könnten ... was ist das denn als vorweggenommene Unterwerfung unter eben diese Barbarei?

"Sie wissen doch z.B. auch ohne die Karikaturen..."
Ich wohl, und Sie ja wohl auch. Aber ist Ihnen wirklich entgangen, daß das bei 100% unserer offiziellen Politik und 95% unserer Presse so ganz anders ist? Daß dort "der Islam" in teilweise schon arg würdeloser Art pauschal hofiert wird, ganz egal, wieviele Mörder er hervorbringt?

"Wo genau in meine Text geht es bitteschön um Geiselnahme?"
Die Bedrohungssituation, die Sie schildern: Europäer, verzichtet (in euren eigenen Ländern, no less) "freiwillig" aus "Rücksichtnahme" auf unsere "religiösen Gefühle" auf eure Bürgerrechte und euer kulturelles Selbstverständnis, oder wir hier in Weitwegistan massakrieren unsere christlichen Nachbarn. Das ist doch eine klassische Geiselnahme und Erpressung. Nach der Logik Ihres Artikels, so wie ich ihn (vielleicht ja miß-) verstanden habe, wäre Helmut Schmidt der Mörder Hanns-Martin Schleyers?

"Es geht um Leute, die sich mit Mohammed-Karikaturen als ungemein kantig und aufgeklärt hinstellen wollen..."
Ich meine, daß Sie speziell den Leuten von Charlie Hebdo damit Unrecht tun. Denen dürfte es eher nicht um pubertäres Egoboosting gehen (wie so manchem, der sich hierzulande mit billigen "Papstkarikaturen" o. dgl. hervortut). Dazu ist das, was sie tun, auch in Frankreich inzwischen zu gefährlich.
http://www.bbc.co.uk/news/world-europe-15550350
Die Weigerung, sich von gewalttätigen Barbaren einschüchtern zu lassen, ist auch nicht "großspurig", sondern mutig und verdienstvoll.

"Warum also sollte man dies durch Karikaturen unbedingt untermauern müssen, wenn dies bedeutet, daß dadurch unschuldige Menschen in Lebensgefahr geraten?"
Ich habe oben schon versucht, zu umschreiben, warum.

Irgendjemand muß diesen Leuten

http://www.focus.de/politik/ausland/daenemark-mordanschlag-auf-mohammed-karikaturisten_aid_467253.html

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/kofferbomber-von-koeln-wir-wollten-furcht-einfloessen-a-447295.html

http://www.welt.de/politik/deutschland/article111965539/Bombe-so-explosiv-wie-bei-Anschlag-von-Madrid-2004.html

immer wieder ein deutliches "¡No pasarán!" entgegenrufen. Wenn nötig, so lange, bis auch der letzte koranschwingende Bombenleger verstanden hat, daß wir uns nicht einschüchtern lassen.

Daß die Kirche das nicht kann oder will, ist zu respektieren. Aber anderen, die es tun, in den Rücken zu fallen, ist ... nicht richtig.

Ich glaube auch nicht, daß Unterwürfigkeitsgesten unsererseits die Situation von Christen in anderen Ländern irgendwie verbessern können. Die Leute, die dort randalieren, sind Menschen, denen es Vergnügen bereitet, ihre Nachbarn zu malträtieren. Die werden immer einen Vorwand finden, ganz egal, was wir hier in Europa drucken oder nicht drucken.

Tigerentenzersäger hat gesagt…

PS.

"Wenn Sie wirklich hier schon eine Weile mitlesen,"
Tue ich, nicht täglich, aber immer wieder, warum sollte ich da lügen...
" dann sollten Sie wissen, daß solche Sätze ("Wer in der heutigen Zeit...") bei mir immer ernst gemeint sind"
davon war ich auch ausgegangen, die Frage, ob etwas ernstgemeint sei, ist eher ein Stilmittel, um auszudrücken, daß einem eine Aussage ganz unverständlich erscheint...
" (im gegensatz zu den "Herumhacken"-Sätzen, die sich einem erprobten Leser eigentlich auch als Ironie hätten offenbaren müssen)."
war mir ebenfalls klar, aber die ironisch verpackte Aussage, daß es den Charlies nur um billige Provokation gehe, halte ich für eine Fehleinschätzung.

Alipius hat gesagt…

@ Tigerentenzersäger: Den Christen in "Weitwegistan" geht es so oder so regelmäßig an die Gurgel. Weiß nicht, ob man da unbedingt Karikaturen produzieren muß, die diesen Tatbestand noch einmal verdeutlichen.

Die Gewaltbereitschaft des Islam und die Gefahr, die vom Islam für ganz Europa ausgeht, ist mittlerweile so bekannt, daß man sich mit dem Extra-Blut, das wegen solcher Karikaturen vergossen werden wird, nicht noch zusätzlich die Hände schmutzig machen muß. Es gibt andere Mittel und Wege, immer und immer wieder auf die Gefahren des Islam aufmerksam zu machen. Und unter diesen Mitteln und Wegen finden sich auch solche, die nicht notwendigerweise Gewaltwellen nach sich ziehen. Ich weise auf meinem Blog ja auch auf Schandtaten, Gräuel und Eseleien des Islam hin, komme aber dabei ohne Mohammed-Karikaturen aus. Es ist somit falsch, zu behaupten, daß "die Kirche" ihr "deutliches ¡No pasarán!" nicht rufen will. Sie wählt nur andere Mittel.

Koranschwingende Bombemleger werden niemals verstehen, daß wir uns nicht einschüchtern lassen. Erstens ist ihr Weltbild dafür zu zementiert, und zweitens verlören diese Schulhofrowdies ihre Identität, wenn sie sich jemals erlaubten, es zu verstehen.

Der ganze "Geiselnahme"-Gedanke ließe sich also genausogut umkehren in "Wir wissen zwar haargenau, was die Christen in islamischen Ländern zu erwarten haben, wenn wir diese Mohammed-Karikaturen veröffentlichen, aber im Namen UNSERER Bürgerrechte und UNSERES kulturellen Selbstverständnisses muß uns das Schicksal dieser Menschen leider egal sein bzw. werden wir uns - nachdem sie massakriert wurden - ganz arg doll gegen die Gewaltbereitschaft des Islam aussprechen (die zwar vor Erscheinen der Karikaturen auch schon jedermann klar war, aber wer liest schon das Kleingedruckte...) und ganz blauäugig feststellen, daß wir lediglich von UNSEREN Bürgerrechten Gebrauch gemacht haben!"

Wenn das keine Eitelkeit ist, dann ist es Egoismus oder Dummheit.