Freitag, 25. Januar 2013

Na klar...

Habe eben via facebook erfahren, daß ein Bekannter und Co-Blogoezesaner in einer "kulturpolitischen Kneipe" (Selbstbezeichnung lt. Webpage) in Berlin ab jetzt Hausverbot hat.

Warum?

Weil er beim "Marsch für das Leben" gesehen wurde!

Warum ist das schlecht?

Weil er keine beleidigenden und herabsetzenden Plakate mit sich trug, weil er Leute keine Kreuze entrissen hat, weil er nicht mit Eiern und Kondomen geworfen hat, weil er keine Bibeln verbrannt hat, weil er keine Trauernden verhöhnt hat, sondern weil er einer derjenigen war, die sich gegen Abtreibung engagierten.

Und erneut geht ein heißer Dank an die "Anti"-Faschisten, welche in einer eigenen Schaumblase leben, die offenbar so dicke Wände hat, daß man drinnen die Einschläge nicht mehr hört.

Kommentare:

clamormeus hat gesagt…

Die Mentalität des "Juden werden nicht bedient" oder "Kein Zutritt für Schwarze" hat sich bei einigen leider kaum geändert, nur die Zielgruppen.
Und auch noch der passende Slogan, irgendwie kulturpolitisch war das ja früher auch.

KingBear hat gesagt…

Lieber Alipius,

dass Du Dich hier dieses - nun ja - "Vorfalls" angenommen hast, hat meinem seelischen Gleichgewicht gestern Abend ausgesprochen gut getan. Herzlichen Dank dafür.

Für die Leser: Ja, der oben erwähnte Bekannte und Co-Blogoezesane bin ich.

Mancher fragt sich vielleicht, warum ich mich überhaupt in solchen links-autonomen Kreisen bewege. Die Antwort ist aber recht einfach: Ich habe in diesen Kreisen einige liebe Freunde und zahlreiche teils mehr, teils weniger gute Bekannte - übrigens auch in dem betreffenden Haus. Was ich an deren politischer Einstellung schätze und teile, ist, kurz gesagt, das Eintreten für die Schwachen, Wehrlosen und Entrechteten. Darin finde ich auch vieles von meinem Verständnis christlicher Ethik wieder.

Umso mehr befremdet es mich, wenn das Engagement für das Lebensrecht schwacher und wehrloser Menschen - seien sie ungeboren, behindert, chronisch krank oder alt und hinfällig - als "antiemanzipatorisch", "frauen- und schwulenfeindlich", "fundamentalistisch" und, wie mir mehr oder weniger durch die Blume angedeutet wurde, in letzter Konsequenz als rechtsextrem denunziert wird.

Der blanke Fanatismus, der mir in meinem gestrigen "Gespräch" mit zwei "VertreterInnen" des Barkollektivs entgegenschlug, hat mich erschreckt und mir zugleich gezeigt, dass ich in diesem Lokal wohl tatsächlich nichts zu suchen habe. Zudem habe ich genug eigene Erfahrung mit der Arbeit in der Gastronomie, um zu wissen, was Hausrecht ist; deshalb bin ich ohne Protest gegangen.

Schade ist es aber irgendwie doch - nicht zuletzt um das leckere, preiswerte und fastentagstaugliche (weil vegane) Abendessen, das mir so entgangen ist und nach Lage der Dinge wohl auch an künftigen Freitagen entgehen wird...

Grüße
Tobias (KingBear)

clamormeus hat gesagt…

Lieber @King Bear

ich hoffe, daß wenigstens die Freundschaften keinen Schaden erleiden!
Das, was ich so erschreckend finde,ist noch nicht, daß sich jemand durch solche hohlen Etiketten (die in dem Kontext bei "schwulenfeindlich" schon absurd doof sind, selbst gemäß der eignen "Logik") einer Auseinandersetzung entzieht, sondern die Anmaßung, das Recht zu haben, einen anderen Standpunkts gar nicht mehr zu dulden und "falsche" Gesinnungen bestrafen zu dürfen.
Deswegen muß dann auch immer so was wie "rechtsextrem" draufgekleistert werden auf die Person, sie muß zu etwas im eigenen Wertmaßstab ganz bösen werden, damit man seine Unduldsamkeit vor sich selbst moralisch rechtfertigen kann.

Bitte nicht unterkriegen lassen, ich weiß wie sehr dergleichen schmerzen kann!

KingBear hat gesagt…

@clamormeus: Danke für die Unterstützung!

Ester hat gesagt…

@ king bear. Virtuelles Schulterklopgfen,
Lesen sie linke Biografien aus dem dritten Reich, besonders Manes Sperber, dann werden sie den Mechanismus erkennen.
Es ist schon immer das Drama der Linken, das da gute (im Sinn von engagiert, und echt interessiert am Nächsten und der Verbesserung seiner Lage) Leute sind, aber irgendwann die Säuberungen einsetzen.
Hoffe das Barkollektiv beruhigt sich wieder.
Witzigerweise ist das chapta russa

Cassandra hat gesagt…

Hallo Kingbear!

Ich hab' einen ähnlich bunten Bekanntenkreis, kein Grund, sich deswegen zu entschuldigen oder zu rechtfertigen.

Gegen die Tötung von Menschen zu sein ist KEIN Rechtsextremismus, Akt der Homophobie oder sonstewas. Das kann doch alles nicht so schwer sein. Ich hatte deswegen auch schon die eine oder andere unangenehme Diskussion. Das nennt man dann "Dialog", wer sich immer nur mit Leuten unterhält, die dasselbe denken, kann auch Selbstgespräche führen.

Kopf hoch, so blöd es klingt, durchhalten. Wenn es Freunde waren, werdet ihr das durchstehen, und zwar zusammen, und wenn nicht... dann ist das traurig, aber vielleicht auch gut zu wissen.

Es tut mir total leid für dich.

Dybart hat gesagt…

Sind Lokalverbote wegen Meinungsverbrechen nach dem Antidiskriminierungsgesetz überhaupt noch erlaubt?

KingBear hat gesagt…

Innigsten Dank für den großen Zuspruch! Ich darf sagen, dass ich in den letzten zwei Tagen auch aus meinem persönlichen Umfeld viel Unterstüzung erfahren habe, auch von Leuten, die beim Thema Lebensschutz nicht mit mir übereinstimmen. Das lässt hoffen...!

Elsa hat gesagt…

Lieber KingBear,

die ganze Chose lässt Rückgrat, Anstand und Menschlichkeit von seiten dieser Kneipe vermissen.
Ich bin kein unbeschriebenes Blatt und war auch jahrelang eher in linksautonomen Kreisen vor meiner Konversion zu verorten.Ist lange her.
Was hier allerdings dir passiert ist, ist sowas von demaskierend und entlarvend, man möchte sich den Staub von den Füßen schütteln gegen diese Leute.
Selbst in meinen wüstesten /vergangenen Zeiten vor meiner Konversion hatte ich Herz genug zuzugeben: Ich stimme nicht mit der katholischen Kirche in allem überein, aber es ist gut, dass irgendjemand, also eben konkret diese Institution, noch irgendein Maß und irgendeine Norm aufrechterhält, wann und wo Leben beginnt und kompromisslos bereit ist, es zu schützen.
Wir gehen dann mal irgendwann mal woanders eine schöne Portion Trüffeltagliatelle essen, wenn ich mal in Berlin sein sollte.
:-)