Samstag, 5. Januar 2013

Leute, kauft Preußler-Bücher...

... so lange es noch geht...
    "Mit der Zeit ist aber die Einsicht gewachsen, dass die Authentizität des Werks der sprachlichen Weiterentwicklung untergeordnet werden muss..."
"Weiterentwicklung"...?

"WEITERentwicklung"...?

"WEITERENTWICKLUNG"...?

Bis ca 2016 dürfte dann wohl aus "Die kleine Hexe" so etwas geworden sein wie "Das vertikal herausgeforderte Mitglied einer durch die katholische Kirche über Jahrhunderte hinweg brutal unterdrückten Minderheit"...

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Pssst! Ich hab noch einen echten "Tintin au Congo" ....

Mary

Anonym hat gesagt…

Weiterentwicklung = Neusprech für Geschichtsverfälschung...

R.

Admiral hat gesagt…

Wenigstens sind die ersten Kommentare unter dem Artikel durchgängig einer Meinung.
Wie hut, daß ich noch unzensierte Ausgaben zu Hause habe.
1984 war, obwohl er vor der kleinen Hext geschrieben wurde, zweifellos prophetisch.

Admiral hat gesagt…

hut= gut
Hext=Hexe

Josef Bordat hat gesagt…

"vertikal herausgefordert" - LOL!

Ansonsten: Ja, ist denn schon wieder Karneval?

LG, JoBo

eumloquatur hat gesagt…

Kommt denn dann bald auch die Polizei um mir meine alten Bücher wegzunehmen? Die könnte man dann ja irgendwo auf einem großen Platz verbrennen.

kalliopevorleserin hat gesagt…

Noch ein schröcklicher Hinweis: Von James Krüss, dem Lieblingsautor meiner Kindertage, der mit Sprachwitz und Engagement für die Gleichberechtigung aller kämpfte, stammt die entzückende Geschichte "Der Neger Martin". Der Held ist ein genialer Bäcker und Konditor, der nicht nur die Menschen, sondern auch die Tiere mit seiner Kunst erfreuen will - was zur Folge hat, daß sie alle friedlich sind, weil seine guten Kuchen und Torten sie satt und zufrieden machen. ;-) Nicht direkt eine Geschichte, die zum Rassendünkel aufreizt - zumal außer ihm in der ganzen Geschichte kein Mensch persönlich vorgestellt wird.

Sprachlich ist das Gezeter um das N-Wort ein Quark. Die Argumentation lautet: Neger leitet sich von dem Schimpfwort Nigger ab. Und das ist falsch, vielmehr ist das üble Schimpfwort eine Verballhornung des Fremdwortes Neger (von lat. niger, zu Deutsch: Schwarzer). Schwarzer darf man sagen, den lateinischen Ausdruck dafür nicht.

Ich selbst benutze das Wort "Neger" deswegen nicht, weil ich weiß, daß es heutzutage als Schimpfwort mißverstanden wird, weil ich niemanden vor den Kopf stoßen möchte und weil ich kein Problem damit habe, das deutsche Wort zu benutzen (außer ich spreche gerade Latein). Mir ist die Sache nicht so schrecklich wichtig, und tatsächlich ändert sich Sprache eben zuweilen. Aber deshalb ein Kinderbuch ändern - das finde ich albern. Noch alberner wird es, wenn man sich klarmacht, daß Brentanos Märchen ungekürzt um ihre wilden antisemitischen Ausreißer in Kinderbuchverlagen erscheinen. Daß man also vor Kindern behaupten darf, Juden seien böse, aber nicht behaupten darf, Afrikaner seien dunkelhäutig.

Bastian (Sierra Victor) hat gesagt…

Zu Preußler sei gesagt:
Seine Bücher waren mit vorbereitend für eine offene und positive Einstellung der Kinder für die Leitfiguren von Teilen des New Age: Hexen, Wassermann.
Das Problem vieler Kinder heutzutage ist, dass sie in ihrer Nachbarschaft erleben, wie sich Menschen mit Hexerei beschäftigen - natürlich esoterisch aufgeklärt - und das eine ganz gute und positive Sache ist.
So nett die Bücher sind - ich würde sie nicht empfehlen.
Keinesfalls - auch wenn das oft auf wenig Verständnis stößt.

Katholische Freunde von uns fanden unsere Einstellung sehr doof, bis eines Tages ihre Tochter ausrastete, weil sie mit dem ganzen Hexenzeug nicht klar kam, das ihr in der Kinderliteratur ständig begegnete.

Anonym hat gesagt…

ps. das Neueste von der Wiener PC-Front: es darf keine schwarz geschminkten Melchiore mehr geben!

Mary

just wondering hat gesagt…

Und wie hieße dann der Räuber Hotzenplotz?

Anonym hat gesagt…

Na, Räuber Osoblaha doch.

(Hotzenplotz ist bekanntlich ein kleines Städtchen in Österreichisch-Schlesien, daher der Name heutigentags schwer "nazi" ist.)

Severus hat gesagt…

Mitmenschlichkeit und Gleichberechtigung - geht das eigentlich auch ohne Gehirnwäsche ??


clamormeus hat gesagt…

Anderer Bücher umzuschreiben ist ein größeres Verbrechen, als sie zu verbrennen.

Anonym hat gesagt…

Bücherverbrennung geht nicht mehr, nicht etwa, weil wir heute so viel intelligenter wären, nein, weil das die Kohlendioxid-Fußabdrücke ungut vergrößern würde ...

Zwetschgenkrampus

HY hat gesagt…

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer fahren in neueren Auflagen auch nicht mehr nach "China" sondern nach "Mandala" wie ich mit Entsetzen feststellen musste.

Schwachsinn!

Imrahil hat gesagt…

Lieber @Bastian,

nur ist der kleine Wassermann keineswegs ein Sternbild, sondern ein Fabelwesen, und die Einstellung Otfried Preußlers geht
- aus der kleinen Hexe (versteht die Aufforderung aller anderen [!] Hexen, zu einer guten Hexe zu werden, wörtlich, und da die andern sämtlich böse sind, bekämpft sie sie erfolgreich)
- aus dem Räuber Hotzenplotz (ging es bloß mir so, daß der Räuber selber eine ganz sympathische Figur ist, die halt nunmal bekämpft werden muß, während dagegen Zwackelmann der eigentliche Bösewicht ist?),
- aus dem Krabat (das der schärfste Harry-Potter-Gegner, der ich allerdings auch wieder nicht bin, einen christlichen Anti-Harry-Potter nennen könnte)
klar hervor.

Gertie di Sasso hat gesagt…

Als Angehörige einer "ethnischen Minderheit" (zumindest in Deutschland) durfte ich mir in meiner Kindheit einiges zu meinem "exotischen Aussehen" im Allgemeinen und meinen "Schlitzaugen" im Besonderen anhören. Das kam aber eher weniger davon, dass die Nasen im Kindergarten zuviel klassische Kinderliteratur gelesen hätten, eher im Gegenteil. Denn die Kinder, die zuhause diese furchtbaren Preußler, Lindgren und Ende Bücher vorgelesen bekamen, waren wesentlich entspannter und toleranter.
Von daher ist es wohl ganz gut, dass meine Mom nichts wegwirft, denn ich werde bestimmt kein gutes Geld für Bücher ausgeben, die so furchtbar verhunzt wurden.