Montag, 14. Januar 2013

Hurra! Noch 'ne Phobie!

Über die mittlerweile traditionellen Anschläge auf Christen in islamischen Ländern während der Weihnachtszeit wurde ja blogoezesenweit bereits im alten Jahr berichtet.

In Ägypten gehen nun junge Menschen auf die Straße und wollen bitte Spanien für den Islam zurückhaben.

In London protestieren Islamisten gegen Frankreichs Mali-Einsatz.

Und in den USA findet ein Anwalt des Council on American-Islamic Relations (CAIR), daß konservative Medien an einem Anstieg der "Islamophobie" Schuld tragen.

Hmm... Irrationale Furcht vor einem Gottesstaat, in dem die Frauen in Zelte gesteck, Schwule ermordet, Hände abgehackt, Kunstwerke zerstört, Fastenbrecher ausgepeitscht und Andersgläubige drangsaliert bis hingerichtet werden... Ja, das klingt schon nach einer wirklich irrationalen Furcht. Wer hätte je davon gehört, daß in Ländern, in denen der Islam stark wurde oder stark ist, solche Dinge geschehen?

Der CAIR-Anwalt erklärt:
    There are people who are professionals whose main job is to say and do negative things about and against Muslims, these people have been now given wider stages, have been given more time on the air, on news media

    [Es gibt Menschen, die Fachleute sind, deren Hauptaufgabe es ist, über und gegen Muslime negative Dinge zu sagen und zu tun, diesen Leuten wurden nun größere Plattformen gegeben, ihnen wurde mehr Zeit in den Medien gegeben]
Ja, stimmt!

Es gibt Leute, deren Hauptaufgabe es ist, dem Islam ein höllisches, unerträgliches, zivilisations-inkompatibles Image zu geben. Diese Leute nennt man islamistische Terroristen (inkl deren Schleppenträger, stillschweigende Zustimmer und Jubelalraunen).

Ich frage mich in diesem speziellen Fall, ob hier nicht wirklich eine irrationale Angst am Werke ist, nämlich die einer Religionsgemeinschaft, in welcher viele Mitglieder durch ihren Glauben überhaupt keinen Trost, keine Stärke, keinen göttlichen Funken und keine Identität erfahren, und die deswegen eine Angst (vor den bösen Christen, vor den bösen Juden, vor dem bösen Westen etc...) schüren und aufrechterhalten müssen, damit sie sich unter einen Schirm (nämlich den der Gewalt und des Terrors) flüchten können, um dort den Schutz und die Gemeinschaft zu erfahren, die ihnen ihr Glaube offensichtlich nicht gibt.

"Islamophobie"...

Kommentare:

Helene hat gesagt…

Soweit klar, nur - dem Islam braucht man kein "höllisches, unerträgliches, zivilisations-inkompatibles" Image zu geben.
Der Islam ist "höllisch, unerträg-
lich, zivilisations-inkompatibel".
(Ich warte noch immer auf die Widerlegung dieser meiner Schluß-folgerung nach längerer Befassung
mit dem Thema. Daß manche Moslems
durchaus sich friedlich verhalten, heißt lediglich, daß sie so wie Taufscheinchristen ihre Religion nicht ernst nehmen.)

Arminius hat gesagt…

Ein charakteristisches Merkmal des Islams besteht darin, daß er die dunklen und sündhaften Neigungen des Menschen in einen Kult einbettet und fördert und seinen Anhängern dabei das Gefühl vermittelt, reiner und anständiger zu sein als die "Ungläubigen"!

Anonym hat gesagt…

Hm, diese Fachleute...die braucht es gar nicht. Ich arbeite ehrenamtlich mit Afghanen, und was die so über die Umsetzung des Islam in ihrer Heimat erzählen, ist abschreckender als alles, was sich ein westlicher antiislamischer Scherge ausdenken könnte...

florianmayr hat gesagt…

Ich glaube, dass Sie alle den Fehler machen (ich bin so böse, das jetzt mal zu unterstellen, bitte nicht persönlich nehmen), ständig DEN ISLAM vor Augen zu haben. Den gibt es nicht. Das ist ein abstruses Hirngespinst. Man kann DEM ISLAM keine Attribute anheften, weil es DEN Islam nicht gibt. Da geht es nicht einmal um Fundamentalisten und Liberale, um Friedliche und Bösartige, sondern ganz grundsätzlich darum, was der muslimische Glaube eigentlich ist, wie er inkulturiert wird und wie seine Anhänger sich selbst, ihre Gesellschaft und ihren Glauben verstehen (wollen und können).

Ich habe durch meine Arbeiten ein weltweites christlich-islamisches Netzwerk, von den USA über Lateinamerika, Afrika, Europa, den nahen und mittleren Osten bis nach Südostasien. Ich kenne hier über 150 ehemalige TeilnehmerInnen und DozentInnen eines internationalen Sommerprogramms in einem österreichischen Kloster. Alle diese Menschen könnten in ihrer religiösen, politischen und sozialen Auffassung unterschiedlicher nicht sein. Ein indonesischer Muslim hat mit einem arabischen nicht einmal den Koran gemeinsam, weil sie ihn in unterschiedlichen Sprachen, Übersetzungen und Auslegungsschulen lesen. Eine iranische Muslima hat mit einer arabischen kaum etwas gemeinsam usw.
Die Konstruktion "der Islam" ist unmöglich, da wehrt sich jede(r) halbwegs gebildete Muslim(a) vehement dagegen. Da geht es gar nicht um "die Friedlichen" oder "die Radikalen", um "die Reaktionären" oder "die Liberalen" - der muslimische Glaube ist ganz stark abhängig von der jeweiligen Kultur und Gesellschaft, in der er gelebt wird. Insofern muss ich - bei aller pauschaler Fehlerhaftigkeit - dem zitierten CAIR-Anwalt Recht geben: Wenn jemand hergeht und von der Bedrohung "des Islam" spricht, ist das ungefähr so, wie wenn ich in einem akuten politischen Bedrohungsszenario von "allen anderen Ländern der Welt" spreche. Natürlich kann man umgangssprachlich und vereinfachend über den Islam sprechen - aber wenn wir hier wirklich von einer ernsthafte Auseinandersetzung mit einer eventuellen Bedrohung DES Islam und den Folgen einer solchen Angst - Herr Alipius hat sie ja erwähnt - sprechen, halte ich das für äußerst gefährlich. Das geht einfach an der Realität vorbei.

Das Keyword in der ganzen Bedrohungsdebatte ist kein anderes als Bildung. Wir vergessen, dass die Gefahr, die wir - wie z.B. in Ägypten - nicht zu Unrecht wahrnehmen, grundsätzlich durch soziale Diskrepanzen bedingt ist. Natürlich ist es ein großes Problem, dass in vielen arabischen Ländern die religiöse Bildung plus ein Großteil der gemeinen Volksbildung unkontrolliert auch in religiösen Händen liegen. Aber das sind keine Primärprobleme DES Islam oder des muslimischen Glaubens, sondern der jeweiligen Gesellschaft, in der er gelebt wird und inkulturiert ist.

Ich kenne, um Alipius' Polemik zu zitieren, keinen demokratischen Gottesstaat. Ich kenne keine malayische Frau, die in einem Zelt steckt. Ich kenne viele türkische, ägyptische, libanesische, syrische und sogar arabische Frauen, die kein Kopftuch tragen (sofern sie sich nicht in Saudi Arabien aufhalten). Ich kenne umgekehrt aber auch keinen ungebildeten, in einem abgelegenen pakistanischen Tal lebenden Muslim mit seinem Menschenbild, der seine Informationen über die Welt grundsätzlich nur aus der Moschee bekommt. Wieso wohl?

Mit Islam-Bashing kommen wir nicht weiter. 1) weil es den Islam als solchen nicht gibt, 2) weil damit ein Bild produziert wird, das wir nicht replizieren können (wie viele Muslime kennen Sie denn alle zusammen, woher kommen sie, welchen Hintergrund haben sie?) und 3) weil es grundsätzlich nicht angeht, uns unbekannte Menschen in einen anonymen Topf zu stecken. Und bitte jetzt nicht mit "das machen die doch auch" antworten. Wer sind DIE denn?

Alipius hat gesagt…

@ florianmayr: Sie haben Recht, wenn Sie es aus der Sicht der verschiedensten Geschmacksrichtungen von "Muslime" betrachten. Aber mir geht es weniger darum, nachzuforschen, ob es Phänomene im Islam gibt, die rechtfertigen, alle Anhänger dieser Religion unter "Der Islam" zusammenzufassen. Mir geht es darum, zu schauen, ob es Phänomene gibt, welche Christen die Ausübung ihrer Religion erschweren bzw verunmöglichen, welche Menschen mit höchst seltsamen Regeln und unnötig harten Strafen drangsalieren und welche sich unter einem Begriff zusammenfassen lassen. Wenn ich dann die Nachrichten höre und lese, dann drängt sich mir als verallgemeinernder, zusammenfassender Begriff für diese Phänomene schlicht und einfach "Der Islam" auf. Sprich: Es muß nicht unbedingt heißen, daß überall dort, wo es "Den Islam" gibt, auch Christen verfolgt, unterdrückt und getötet werden oder Anhänger der eigenen Religion brutal und menschenunwürdig bestraft werden. Aber es ist doch so, daß es dort, wo Christen verfolgt, unterdrückt und getötet werden oder wo Menschen unwürdig hart bestraft werden, fast immer auch den "Den Islam" gibt. Da hilft es wenig, wenn der gebildete, blümchenpflückende Moslem X aus P nichts mit dem ungebildeten, bombenwerfenden Moslem Y aus Q zu tun oder gemeinsam hat. Daß X sich nun mit Y in einem Topf befindet, finde ich weniger tragisch als die Tatsache, daß Christen in Q durch Y verfolgt werden, da es mir nicht darum geht "Den Islam" zu bashen, sondern darum, die Christenverfolgung anzuprangern. Jeder gebildete Moslem wird hier auch eine Trennlinie ziehen können. Ich selbst werde oft genug direkt oder indirekt mit dem Vorwurf konfrontiert, ich sei ja auch nur ein gehirngewaschenes Mitglied eines frauenhassenden, menschenverachtenden, schwulen-klatschenden, wissenschaftsfeindlichen Vereins. Was mache ich dann? Ich gucke in den Spiegel, wische mir die Lachtränen aus den Augen, putze mir die Nase und mache weiter, idealerweise auf eine Art, welche die tatsächlich frauenhassende, menschenverachtende, schwulen-klatschende, wissenschaftsfeindliche Geschacksrichtung von "Katholizismus" schwächt.

florianmayr hat gesagt…

>> Wenn ich dann die Nachrichten höre und lese, dann drängt sich mir als verallgemeinernder, zusammenfassender Begriff für diese Phänomene schlicht und einfach "Der Islam" auf. <<

Ja, genau das ist das Problem. Die Nachrichten, sprich die gefilterte Weltweisheit, drängen Ihnen dieses Begriff auf, keine reflektierte Wahrnehmung.

>> Aber es ist doch so, daß es dort, wo Christen verfolgt, unterdrückt und getötet werden oder wo Menschen unwürdig hart bestraft werden, fast immer auch den "Den Islam" gibt <<

Es werden auch in China und Nordkorea massig Christen verfolgt, da gibt es gar keinen Islam. Auch darüber beschwert man sich zurecht, allerdings doch deutlich leiser, wenngleich dort eine ganze Gegenkirche vom Regime errichtet wird. Auch komisch. Abgesehen davon ist das eine mathematische Gleichung und keine inhaltliche Aussage, man könnte das fast schon programmieren: if(Christen verfolgt)is(islamischesLand)then(derIslam)is...
Leider ist die Welt nicht programmierbar, sonst hätte man die Gleichung schon längst verkehrt - die Amerikaner haben das ja lange versucht oder versuchen es immer noch: if(islamischesLand)is(böse)then(bombit)else(makeTrade).

>> Daß X sich nun mit Y in einem Topf befindet, finde ich weniger tragisch <<
mit dem "als..." macht es schon Sinn. Für X, der übrigens nicht Blumen pflückt, sondern in Cambridge Politikwissenschaft studiert, ist es durchaus schlimm, ständig mit Y in einem Topf geworfen zu werden. Auch seine Perspektive ist eine Perspektive.

Ihre Ausgangs"anklage" war ja die Warnung vor einer Islamophobie, die Sie mit einem double facepalm quittiert haben. Kommen wir doch zurück zu dieser These, die Sie scheinbar so lächerlich finden und werfen wir unseren Blick gar nicht mal über den großen Teich, wo das Zitat ja eigentlich herkommt, sondern nach Norwegen, einem gut situierten, politisch stabilen, wohlhabenden Land in Europa. Dort fand vor fast zwei Jahren ein Anschlag statt, den wir alle in unseren Köpfen haben. Ich erinnere mich noch zu genau, an diesem Tag die Nachrichten gesehen und gelesen zu haben - die einen taten es direkter, die anderen, die von sich selbst behaupten, seriös zu sein, etwas indirekter: "Terroranschlag, mutmaßlich von islamischen Fundamentalisten." Das "mutmaßlich" geriet meistens doch recht klein, ja manchmal war es ganz verschwunden. Es gab kein einziges Anzeichen, nicht einmal den Ansatz eines Motives dafür, dass hier islamische Fundamentalisten am Werk gewesen wären. Nein. Es ist einfach unsere logische Antwort für jedes terroristische Verbrechen geworden, genauso wie "der Islam" gleichbedeutend steht für kriminelle Schläger und Verbrecher, die einem im 16. Wiener Gemeindebezirk, wo ich wohne, an allen Ecken auflauern (ich werde auch wirklich täglich tätlich angegriffen!). Wie tief die Islamophobie in Europa (und in den USA erst!) sitzt, hat das Breivik-Attentat m.E. sehr gut gezeigt: Es ist unsere erste, impulsive Reaktion auf eine wie auch immer wahrgenommene Bedrohung - und sei's nur die Angst davor, dass wir alle Kopftücher tragen werden, weil wir keine Kinder mehr kriegen. Am Ende wars ein christlich-nationalistischer Fundamentalist. Eine Ironie der Geschichte?

>> idealerweise auf eine Art, welche die tatsächlich frauenhassende, menschenverachtende, schwulen-klatschende, wissenschaftsfeindliche Geschacksrichtung von "Katholizismus" schwächt. <<

...und das ist gut so! Das tun Millionen von Muslimen weltweit. Aber sie kommen halt in Ihren Nachrichten nicht vor.

Alipius hat gesagt…

@ florianmayr: "Ja, genau das ist das Problem. Die Nachrichten, sprich die gefilterte Weltweisheit, drängen Ihnen dieses Begriff auf, keine reflektierte Wahrnehmung."

Ich nehme die Nachrichten wahr und reflektiere dann darüber. Dazu und zu den Fragen, warum viele Leute mit "vermutlich Islamisten" antworten, wenn es irgendwo einen Terroranschlag gibt bzw warum die "Millionen von Muslimen weltweit" in den Nachrichten nicht vorkommen siehe hier.

Ansonsten habe ich lange nachgedacht und keine Möglichkeit gefunden, meine Einstellung zur Sache klarer darzulegen, als in meinem erten Kommentar. Ich bitte Sie daher, diesen vorläufig als mein letzten Wort zu betrachten. Sollte sich etwas ändern, werden Sie es auf diesen Seiten erfahren.

florianmayr hat gesagt…

Gut, weil Sie also meinen, das sei alles religiös bedingt, die Gegenfrage: Wo haben Sie schon einmal von einem westlich kulturierten, mordenden und zerstörenden Muslim gehört? Wo haben muslimische Intellektuelle eine Autobombe gezündet?

Ich unterstelle Ihnen einmal ganz ohne Bösartigkeit, dass Sie in ihrer Argumentation recht naturalistisch in mathematischen Gleichungen denken. Vielleicht hilft es, im Kopf deshalb vorab folgende oder ähnliche Fragen ganz im Sinne solcher Gleichungen durchzudenken:

Woher kommen die meisten Selbstmordattentäter, die ich in den Nachrichten aufschnappe? Wo finden die meisten Selbstmordattentate statt? In welchen Regionen gibt es übermäßig viele Selbstmordattentäter?

Dann könnte man sich die Frage stellen, was diesen Faktoren gemein ist. "Der Islam!" meint man sicher gleich, stimmt (meistens) auch, aber mir fallen noch mindestens zehn andere Gemeinsamkeiten ein. Und spätestens dann wird man feststellen, dass es so leicht mit "dem Islam" und der Deutung "diese Handlungen definieren den Islam" einfach nicht ist.

Ihrer Logik folgend müsste übrigens seitens der Kirche auch ein Übergewicht an Missbrauchstätern, Kriminellen und Heuchlern herrschen - weil die Medien berichten ja natürlich nur das, was einfach so ein drückendes, offensichtliches Gewicht hat. Komisch, oder?

Wir können das gerne dabei belassen. Ich hatte nur den Sinn eines Blogs anders gesehen als die Verkündigung der eigenen Einstellung - bloggen hatte für mich mehr von dialogischem Entwickeln als vom Verfassen einer digitalen Autobiografie ;-)

Alipius hat gesagt…

@ florianmayr: Ja, aber ich muß als Blogbetreiber parallel in mehreren Kommentar-Threads Debatten verfolgen, moderieren und gegebenenfalls auch an ihnen teilnehmen. Daher bin ich froh, wenn ich hier und da die Sache vorübergehend vereinfachen kann. Das bedeutet nicht, daß man mir nicht immer und überall auf den Zahn fühlen kann und darf. Ich spiele halt nur nach meinen Regeln, die es mir erlauben, neben dem nicht eben zeitunaufwendigen Beruf auch noch das Blog zu betreiben.