Samstag, 12. Januar 2013

Das Gesamtpaket...

[UPDATE: Witzig! Elsa hat auch eben einen Artikel abgeschickt, in dem sie auf diesen Artikel von JoBo verweist]

Und nochmals Josef Bordat. Der Ärmste sieht sich momentan offenbar einem Shitstorm negativer Kommentare ausgesetzt, weil er es gewagt hat, den Diskurs über den Mißbrauch zu analysieren und dabei auf Unebenheiten hinwies. Zwar erklärte er einleitend:
    Es geht mir nicht darum, den Finger auf Schulleiter, Moderatoren, Filmregisseure und Schauspieler zu richten und zu sagen: Aha, es gibt auch Missbrauchstäter außerhalb der Kirche! Das sollte ohnehin klar sein. Es geht mir auch nicht darum, durch das Betrachten anderer Fälle die „eigene“ Schuld zu relativieren.
Aber wer beschäftigt sich schon mit dem Keingedruckten? Zum gleichen Thema fragt der Bundesbedenkenträger im Kommentarbereich dieses dieses Postings:
    Warum interessiert man sich nicht die Bohne für den Skandal um die BBC, und wieso wird alles was irgendwie mit Kirche zu tun hat hochgepuscht? ... gibt es auch einen Grund dafür, daß alles kirchliche und vor allem alles katholische dermaßen angegriffen wird? Gibt oder gab es irgendwo einen großen Manipulator, der sich dafür einsetzt, daß "die Kirche" derartigen Angriffen ausgesetzt ist? Hat eine hinreichende Anzahl an den am Shitstorm beteiligten Menschen selbst Kirche einmal negativ erlebt, so daß nun projiziert wird? Und wenn ja, welcher Art waren diese Erlebnisse dann?
Ich bin nicht der Meinung, daß Leute notwendigerweise ein negatives Erlebnis mit der Kirche brauchen, um in den Chor der Stänkerer einzustimmen.

Und die Reaktion auf den guten und sachlichen Artikel von Josef Bordat legt erst einmal eine platte Antwort nahe: Was nicht wahr sein darf, kann nicht wahr sein.

Elaboriert: Überlegt mal, was diese Leute riskieren, wenn sie der Kirche auch nur den geringsten Spielraum einräumen (und sei es nur in der Form, daß sie sie für weniger teuflisch halten, als man ihnen aus interessierter Ecke und in bestimmten MSM weismachen will). Das fällt auf einmal der erste Domino-Stein und plötzlich stellt man fest, daß "Kindesmißbrauch" kein kirchliches, sondern ein gesellschaftliches Problem ist.

Aber Moment! "Gesellschaft"... Das umfaßt doch alle! Da stecken doch dann auch unsere Helden als potentielle Täter mit drin! Wenn wir den Blick von der Kirche als Schuldträger Nummer Eins abwenden und die Gesellschaft betrachten, dann ist plötzlich nicht mehr nur jeder Katholik (also jedes Mitglied der "Kinderfickersekte") ein potentieller Täter, sondern auch jeder Rock-Held, jeder Film-Star, jeder Dschungelcamp-Bewohner, jedes Fußball-Vorbild, jeder Politiker, jeder Arzt, jeder Lehrer, jeder Bei-DSDS-in-der-ersten-Runde-Rausflieger und - OMG! - jeder im Kommentarbereich einschlägiger Onine-Medien seine Ausfälle gegen die Kirche zurücklassende Leser!

Vergessen wir nicht, daß die Sündenbock-Methode nicht nur die zusammenschweißt, auf die mit dem Finger gezeigt wird, sondern auch (und erst recht) jene, die mit dem Finger zeigen. Wer kann und möchte es sich da leisten, darüber zu spekulieren, ob der Nebenmann, der grade so trefflich feststellt, daß die Kirche im Grunde immer und überall Schuld ist, vielleicht selbst Dreck am Stecken haben könnte? Das bringt Irritation in die Einheitsfront und wertet - schlimmer noch - den Gegner womöglich indirekt auf!

Die Folgen sind unabsehbar: Wenn Die Kirche auf einmal doch nicht die eine und einzige Institution ist, der man Kindesmißbrauch in großem Stil vorwerfen kann, dann haben ja eigentlich diejenigen Recht, die der Kirche nahe stehen und die von anfang an darauf bestanden haben, das Phänomen "Kindesmißbaruch" gesamtgesellschaftlich zu betrachten.

Aber... Aber... Wenn die in diesem Punkt Recht haben, dann haben sie es vielleicht auch in anderen!? Dann ist Enthaltsamkeit vielleicht wirklich sicherer als geschützter Verkehr? Dann ist der Zellklumpen im Mutterleib vielleicht doch menschliches Leben? Dann sind Folter und Todesstrafe vielleicht doch nicht cool? Dann sind Materialismus, Relativismus, Konsequentialismus vielleicht duch nicht so töfte? Dann ist gegenseitiges Einverständnis vielleicht doch nicht das einzige Kriterium für das Gute?

Der wahrhaftige Katholik bringt das Gesamtpaket mit. Das heißt, er ist immer zur Debatte bereit und wird versuchen, in dieser Debatte respektvoll und ehrlich zu bleiben. Aber er wird keine Position der katholischen Lehre nur aus dem Grund aufgeben, weil es ihm Sympathien bzw positive Kritiken einbringen könnte.

Die in den Kommentarbereichen herumtrollenden Anti-Katholiken erwecken immer mehr den Eindruck, als betrachteten sie nicht diese einzelnen Positionen, sondern nur das Gesamtpaket, auf welchem in großen, roten Buchstaben steht: "Vorsicht! Katholisch! Die geringste Menge kann Euren Lebensentwurf oder Eure Ideologie oder Euer gegenseitiges Schulterklopf-Potenzial aus dem Gleichgewicht bringen!"

Das ist selbstverständlich nur ein Erklärungsversuch, aber er erscheint mir vor dem Hintergurnd der Debatten, die ich in den vergangenen Jahren in Kommentarbereichen oder auhc im richtigne Leben führen durfte, nicht unplausibel.

Von hier aus auch noch mal einen herzlichen Dank an josef Bordat, dafür, daß er sich immer wieder ins Gewühl wirf, und auch dafür, daß ihm daran gelegen ist, eine Lanze zu brechen für die Priester und Ordensleute, die mit "Kindesmißbrauch" so gar nichts am Hut habne, die aber trotzdem doch von den breit gestreuten Salven irgendwie getroffen werden.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich erlaube mir mal ein OT (bzw. halb OT):

Was ist eigentlich aus der Planung der Vernetzung der Blogozese geworden?

Ich denke da an eine Online-Zeitung wie theeuropean.de
Ein Thema und mehrere Diskussionsbeiträge.

Es ist sehr anstrengend und auch nicht besonders informativ, wenn ich auf jedem Blog nun einen Beitrag zum Missbrauchsthema lese...

Alipius hat gesagt…

@ Anonym: Die Häufung von Beiträgen zu bestimmten Themen während bestimmter Tage ist eine kleine Unannehmlichkeit, die der Leser schlicht und einfach in Kauf nehmen muß. Als Gegenleistung bekommt er dafür die Gedanken, Meinungen und Beiträge der Blog-Betreiber (also deren Arbeit) kostenfrei ins Haus. Gern geschehen.

Was die Planung der Vernetznug betrifft habe ich momentan, ehrlich gesagt, keine Ahnung...

F. M. hat gesagt…

Einmal Dampf ablassen ist ja ganz gut, aber immer nur bei allen anderen die Schuld suchen ist nicht unbedingt zielführend; es sei denn das Ziel ist immer die nächste Sackgasse. Eine nüchterne Analyse, wie sie unter anderem im Blog von Radio Vatikan zitiert wird, erscheint mir da für die zukünftige Glaubwürdigkeit des römisch-katholischen Klerus ein ganz klein wenig besser geeignet. Auch wenn Demut vor den Opfern der katholischen Pfarrherren nicht unbedingt in die Stellenbeschreibung für Priesteramtskandidaten gehört, wenn ich mir die Geschichte des Missbrauchs und vor allem die Erfindung des Missbrauchs des Missbrauchs vor Augen führe.

Alipius hat gesagt…

@ F.M.: Wenn sie nicht lernen, Sätze wie "Es geht mir nicht darum, den Finger auf Schulleiter, Moderatoren, Filmregisseure und Schauspieler zu richten und zu sagen: Aha, es gibt auch Missbrauchstäter außerhalb der Kirche! Das sollte ohnehin klar sein. Es geht mir auch nicht darum, durch das Betrachten anderer Fälle die „eigene“ Schuld zu relativieren." (-> "...immer nur bei allen anderen die Schuld suchen") richtig zu verstehen und weiterhin so einen Mist wie "Erfindung des Mißbrauchs des Mißbrauchs" absondern, werden Ihre Kommentare künftig gelöscht.

Ich habe einen anstrengenen Job, und das Bloggen soll Spaß machen. Das tut es um so mehr, desto weniger Trolle ich erdulden muß.

Bundesbedenkenträger hat gesagt…

Eigene Erfahrungen meinte ich nicht unbedingt, aber irgendwann trifft derjenige, der mit dem Finger zeigt doch die Entscheidung, zu zeigen, und derjenige, der verteidigt, zu verteidigen. Mir schient das bei vielen Thematiken und Gruppen einigermaßen gleich verteilt zu sein, da wird wenig hochgekocht. Aber sobald es um Kirche geht, oder sogar um die katholische Kirche, kocht sich das Ganze hoch, der Ton wird harscher und mir kommt es vor (gut, mein Umfeld ist auch nicht sonderlich katholisch) als ob alle auf Papst und seine Kirche einhauen, ob begründet oder nicht. Ich bin ja selbst kein Mitglied der Papstkirche (würde aber nicht sagen, daß ich nicht katholisch wäre, anderes Thema) und hab selbst so den ein oder anderen Kritikpunkt (so wie Du natürlich auch an uns Protestanten), finde mich dann aber doch oft in der Situation, die Papstkirche zu verteidigen. Das find ich halt komsich. Und ich frag mich, wie es kommt. Daß unsere Gesellschaft eine ist, in der Kirchens nicht unbedingt sehr populär sind, ist klar. Aber auch das kommt ja nicht aus dem hohlen Bauch...

F. M. hat gesagt…

Das tut es um so mehr, desto weniger Trolle ich erdulden muß.

Sie Ärmster! Da haben Sie aber viel zu tun mit der Trollverfolgung.
Doofe wie uns gibts ja, nach massgeblichem katholischem Glauben wie Sand am Meer.
Vielleicht fangen Sie beim Blog von Radio Vatikan an? die zitieren so blödes Trollzeugs; ageblich katholischens.
http://blog.radiovatikan.de/praktische-blasphemie/
bin ja schon weg ...

Le Penseur hat gesagt…

@Chor- & Pfarrherr Alipius:

Lustig, daß Poster »F.M.« irgendwie auf denselben (wenngleich in der Tendenz etwas anders nuanciert) Terminus »Pfarrherr« gekommen ist, wie LePenseur ...

Ich habe mir jedenfalls erlaubt, ein paar Gedanken — z.T. auch in den Denkspuren des Wiener Philosophen Robert Pfaller (ich bitten den Link auf »Die Zeit« zu entschuldigen — diese Postille ist sonst nicht mein Stil!) wandelnd — auf meinem Blog anzufügen.

Anonym hat gesagt…

Das Buch "Der blockierte Riese" von Manfred Lütz kann für dieses Phänomen vielleicht hilfreich sein.
Er erklärt die vielen Angriffe auf die katholische Kirche u.a. mit der Tatsache, dass die Väter fehlen. Sie sind entweder nicht da oder nehmen ihre Rolle nicht wahr. Deshalb fallen bei vielen Menschen die notwendigen Reibereien in der Pubertät aus. Diese holen sie dann bei der katholischen Kirche nach, weil diese das macht,was eigentlich die Väter machen sollten. Näheres im o.g. Buch.

Interessant scheint mir auch, dass sich die heftigen Reaktionen nur auf bestimmte Themen konzentrieren. Als Johannes Paul II. den Kapitalismus kritisiert hat und ein neues Wirtschaftssystem gefordert hat, hielt sich die Aufregung sehr in Grenzen, d.h. außer ein paar Kurzmeldugen hat es keinen interessiert.