Freitag, 25. Januar 2013

Auf wie viele Arten...

... kann man eigentlich "Bitte! Wählt uns nicht! Bitte! Nehmt uns nicht ernst!" sagen?

Das berühmte Martinstor in Freiburg im Breisgau soll bitte kein Fresko erhalten, auf dem der Heilige Martin zu sehen ist. Meinen zumindest - na klar - die Grünen:
    Für die Grünen ist Gösers Heiligenbild Sozialkitsch: Ein besserverdienender römischer Militarist, der seinen Offiziersmantel herablassend mit einem kriecherischen Bettler teilt, verewige „die Barmherzigkeit der oberen Zehntausend“ als Vor-Bild für Hartz-IV-Empfänger. Die Grünen favorisieren den Freiburger Bauernkriegshelden Jos Fritz, der 1513 mit Waffengewalt für die Umverteilung von oben nach unten focht. Wenn es aber unbedingt ein Martin sein muss, könnte man sich demnach Martin Luther King als „schönes Zeichen“ für eine weltoffene Stadt vorstellen. Und wenn es unbedingt mittelalterliche Kunst sein soll, dann das Fresko von 1470, das sich heute in der Martinskirche befindet: Der Bettler darauf ist zwar auch nur ein knieender Almosenempfänger, aber sein Wohltäter ist schwer beschädigt und also quasi nicht im Bilde. Sankt Martin passt offenbar so wenig in die Zeit wie der Neger ins neuere Kinderbuch.
Vielleicht habe ich mich irgendwo zwischen den Zeilen verlesen, aber heißt das nicht, daß die Grünen lieber die Idee des bewaffneten Aufstands zwecks "Umverteilung" unterstützen wollen als die Idee der Wohltätigkeit und Nächstenliebe?

Kommentare:

Cinderella01 hat gesagt…

Martin Luther King geht gar nicht. Auch von ihm ist zwischenzeitlich bekannt, dass er seine Doktorarbeit weitgehend plagiiert hat (steht so bei Wiki).
Und das ist laut Verhaltenskodex der Grünen schlimmer als alle Todsünden und Schwerverbrechen zusammen. Leute, die so was machen, gehören verbannt, am besten auf den Mond.

sophophilo hat gesagt…

witzig, ich habe zeitgleich etwas dazu gepostet ;)

just wondering hat gesagt…

Ich muss mal grad meinen Kopf irgendwo gegen eine Wand hauen gehen ...

Anonym hat gesagt…

Erstklassige Parodie auf die Logik vieler grüner Zeigenossen und -Innen.

In dem Falle allerdings, daß dies keine Parodie sein sollte, sondern blutiger Ernst: Auf die Knie und beten, der HErr möge Volk und Land vor den Vertretern des ersteren und den Regenten des letzteren in seiner Gnade beschützen und bewahren.

Zwetschgenkrampus

clamormeus hat gesagt…

@just wondering

Bitte damit warten, bis die Grünen mit ihrem Favoriten das Tor verunstaltet haben, dann das Ding bei der Enthüllung mit einem kräftigen Stoß zerbröseln :-)

Anonym hat gesagt…

Ist das ernst gemeint oder Satire?
Falls ernst gemeint, weise ich darauf hin, dass Hartz 4 nicht Almosen der Superreichen ist, sondern dass auch Otto Normalbürger und Ottilie Normalbügerin über ihre Steuern Hartz 4 fianzieren - ganz ohne herablassende Gebärde, aber auch fast ganz ohne Wahl.
Hätten Schergen des römischen Staates Martin gezwungen, seinen Mantel zu teilen, ob er will oder nicht, wäre die Analogie vielleicht ansatzweise zu verwenden. Aber so nicht.

Gerd F. hat gesagt…

Ich sehe im Geiste die grünen Batikträger und Tuschkästen bei der Jos-Fritz-Prozession, säbelrasselnd mit ihrem Nachwuchs die Laternen verbrennen, die sie den Teilnehmern der Martinsprozession aus den Händen gerissen haben.

Epigonias hat gesagt…

"aber heißt das nicht, daß die Grünen lieber die Idee des bewaffneten Aufstands zwecks "Umverteilung" unterstützen wollen als die Idee der Wohltätigkeit und Nächstenliebe?"

Ich glaube, die Grünen stören sich daran, dass diese "Umverteilung" durch Martin aus Liebe geschah, wo doch aber jeder humanistisch Gebildete mit festem Klassenstandpunkt weiß, dass die militaristische Oberschicht gar nicht lieben kann.

Anonym hat gesagt…

»Ist das ernst gemeint oder Satire?«

Nein, das ist keine Satire, sondern zeugt bloß von unendlicher Dummheit:

»Die Fraktion von Junges Freiburg/Die Grünen bekundete nun noch einmal ihre Verblüffung, dass es plötzlich im Rat eine Mehrheit für den Göserschen Martin geben soll. Fraktionschefin Maria Viethen begründete gestern ausführlich ihre Ablehnung: Das Bild sei noch niemals auf dem Tor gewesen. Es handle sich um eine "süßliche Darstellung" und um "ein Werk, das von seiner Entstehungszeit im späten 18. Jahrhundert her und dem künstlerischen Kontext mit dem Martinstor und seiner mittelalterlichen Ausgestaltung nicht in Einklang zu bringen ist". Die Fraktionsvorsitzende findet zudem, man müsse nicht alles bemalen. Die weiße Fläche tue den Proportionen des Torgebäudes gut. Sie lasse so den Baukörper selbst stärker in Erscheinung treten.

Die Grünen stört noch einen ganz anderen Punkt: Das Bild von Simon Göser (1735 – 1816) transportiere ein "nicht mehr zeitgemäßes Verständnis der sozialen Probleme in einer Gesellschaft und der Haltung, die der Freiburger Gemeinderat dazu entwickelt hat". Das Bild verherrliche die Geste des gut bestallten Militärhauptmanns (oder Geschäftsmanns?) und zeige den Bettler als geschmäcklerische Zutat. Man solle nicht "die Barmherzigkeit der oberen Zehntausend" als Symbol für soziales Handeln verewigen, so Viethen. Sie enthüllt eigene Vorschläge: Im Bundschuh-Jahr 2013 empfehle sich eher eine Darstellung von Bauernführer Jos Fritz und den Männern und Frauen, die schon Anfang des 16. Jahrhunderts gegen Frondienste und für die Gleichstellung aller Bürger gekämpft hätten. "Die hießen allerdings nicht Martin. Wenn es denn ein Martin sein soll, warum nicht Martin Luther King? Ein Kämpfer für Bürger- und Menschenrechte auf dem Martinstor, welch schönes Zeichen."«

(Zitiert nach: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/martin-luther-king-oder-jos-fritz-auf-dem-martinstor--68238498.html)

Nett, nicht wahr? Derartiger Schwachsinn tut selbst Nicht-Christen weh.

der Heide

Anonym hat gesagt…

ja, ich habe den Artikel in der FAZ gelesen. Mit einer deftigen Portion Fremdschämen. Die Grünen sind eigentlich immer meine Partei gewesen, aber ihnen geht anscheinend jedes Augenmaß verloren.
Mal abgesehen, dass man nicht endlos umverteilen kann. Und dass es nicht angeht, die Leute, deren Steuern zur Umverteilung verwendet werden, auch noch dafür zu diffamieren. Ich ärgere mich wirklich sehr, fürchte aber, dass diese Haltung symptomatisch ist für einen gewissen Teil der Linken.

Ester hat gesagt…

Habs jetzt erst gelesen.
Der Oberhammer!
Übrigens was machen die grünen Landtagsabgeordneten und ihr Ministerpräsident mit ihrem Geld?
Im Prinzip ist's mir zwar egal, aber ich hoffe doch, sie laufen täglich durchs Stuttgarter Notwohngebiet und verteilen Zehneuroscheine.
Ich möchte daruf hinweisen, dass die ersten grünen Landtagsabgeordneten (Name vergessen) fanden, so ein Landtagsabgeordneter verdient soviel davon können 2 richtig gut leben.
Was die Herren und Damen Grünen regelmäßig verkenne, ist, dass auch sie zur Elite und den Besserverdienenden gehören.