Mittwoch, 16. Januar 2013

Argumente...

Im Kommentarbereich dieses Postings wurde gefragt, welche Argumente gegen Abtreibung uns denn noch bleiben, wenn die Argumente, die bisher angeführt wurden, nichts bringen und man keine Vergleiche ziehen darf oder soll.

Und weil ich ja nicht nur meckern sondern auch helfen will, versuche ich es mal mit einer Antwort.

Erst einmal bin ich mir nicht sicher, daß die bisherigen Argumente nicht helfen. Gallup berichtet, daß in den USA das Verhältnis Pro-Choice/Pro-Life sich seit 1995 von 56%/33& zu 41%/50% entwickelt hat. Bei den Republikanern und der Demokraten gibt es in diesem Zeitraum zwar Schwankungen, aber diese finden allesamt nur oberhalb der 50%-Grenze der von ihnen vertretenen Einstellung (Rep.: "Pro-Life", Dem.: "Pro-Choice") statt. Interessant sind die politisch Unabhängigen, die 1995 noch mit 55% zu 34% "Pro-Choice" waren, 2012 aber mit 47% zu 41% "Pro-Life" den Vorzug gaben.

"Politsch unabhängig" ist hier selbstverständlich nicht gleichbedeutend mit "An Fragen des Lebensschutzes überhaupt nicht interessiert und daher permanent schwankend". Ich denke, daß grade in einem Land wie den USA die politisch Unabhängigen für Argumente offen sind, weil sie weniger Zeit und Energie damit verschwenden müssen, jede ihrer Aussagen und Handlungen darauf zu überprüfen, ob sie ihre Stammeszugehörigkeit eindeutig wiederspiegeln und die reine Lehre wiedergeben.

Wodurch kam der Stimmungsumschwung zustande? Ich habe noch keine Aussagen dazu gefunden, aber neben den Lila Rose-Aktionen gegen Planned Parenthood (die mit der versteckten Kamera) hat sicherlich auch der jährliche March for Life einen Anteil. Dieser wird zwar von den MSM in den USA regelmäßig totgeschwiegen oder heruntergespielt, aber genau hier füllt das Internet eine Lücke und bietet hinreichend Informationen und Bildmaterial. Zudem ist der Eindruck, den Hunderttausende von Pro-Life-Demonstranten außerhalb der MSM (also in der Realität, möchte man fast sagen) hinterlassen, nicht zu unterschätzen.

Ein geeignetes Mittel ist also sicherlich die Öffentlichkeit und die Masse. Und zwar nicht, weil der gesunde menschliche Verstand so funktioniert: "Ah! Viele machen mit! Also muß es stimmen!", sondern weil die Präsenz in der Öffentlichkeit die Leute einfach mit dem Thema konfrontiert und man so unter Umgehung der üblichen "Hätte Maria abgetrieben..."-Bananenbieger vielleicht an diejenigen herankommt, die noch auf Argumente warten.

Was nun die Argumente betrifft... Hmm... Okay, wir müssen uns natürlich darüber im Klaren sein, daß wir als Katholiken/Christen hier in einer Arena argumentieren, in der unsere Sicht der Dinge nicht für alle Menschen verständlich ist. Wenn ich also z.B. darauf hinweise, daß der Mensch nach Gottes Abbild geschaffen wurde und daß der Mensch sein Leben von Gott hat, dann kann ich als Grundlage meiner Argumentation erst einmal das hier (gepostet bei Cicero im Kommentarbereich) anführen:
    Für mich als Katholiken ist das Sein besser als das Nicht-Sein, der Mensch besser als der Nicht-Mensch und das Leben besser als das Nicht-Leben. Als Katholik habe ich mich daher dem Schutze des menschlichen Lebens verschrieben und bin dagegen, ein solches menschliches Leben vorzeitig zu beenden, egal ob durch Abtreibung, durch Todesstrafe oder durch assistierten Suizid.
Sprich: Ich gehe nicht einfach hin und nehme das, was Gott gegeben hat. Wenn nun aber mein Gegenüber mit "Gott" so gar nichts anfangen kann, dann müssen wir uns eben überlegen, ob und wie man ohne Verweis auf Gott verdeutlichen kann, daß der Mensch sich als Mensch und nicht zum Menschen entwickelt, bzw warum dieser magische Moment, in dem aus einer Bratpfanne ein Mensch wird, nicht existiert.

Hier werden die Befürworter einer Abtreibung nun mit allen möglichen Szenarien, Messungen, Statistiken etc anrücken, um mit irgendwelchem Taschenspielertricks zu rechtfertigen, was nicht zu rechtfertigen ist. Oder sie rücken an und bespucken, beschmieren, beschimpfen und bedrängen die Abtreibungsgegner, so, wie es in Argentinien und auf diversen Märschen für das Leben immer wieder mal geschieht. Die Aggression, die hier zu Tage tritt, ist nichts weiter als ein Beweis dafür, daß auch hier der menschliche Verstand auf eine Vergewaltigung reagiert, welche da lautet: "Ein Mensch ist kein Mensch!"

Eine Art der Argumentation, die sich anbietet, wäre vielleicht, diese aggressiven Leute einmal zu fragen, warum sie überhaupt so aggressiv sind, warum sie oft einen solchen unverblümten Haß durchschimmern lassen und ob sie eine Idee haben, warum die Gegner der Abtreibung ruhig und ohne auf die Aggressionen und die Provokationen mit gleicher Münze zu reagieren ihr Ding abziehen.

Wenn man sich auf der Welt einmal umschaut: Wo wird in der Regel häufiger mit Gewalt vorgegangen? Dort, wo Leute die Wahrheit anbieten und sagen "Hier! Schaut mal! Könnt Ihr auch haben, wenn Ihr wollt!"? Oder dort, wo die Wahrheit auf keinen Fall als Wahrheit akzeptiert werden darf (siehe auch: Christenverfolgung in islamischen Ländern).

Sachlich und inhaltlich haben beide Seiten mittlerweile alle möglichen Geschütze aufgefahren. Ich denke, es wäre daher legitim, auch einmal einen Blick auf die Form zu werfen. Und genau deswegen ist es wichtig, daß wir als Katholiken nicht mit Vergleichen daherkommen, die auf den ersten Blick vielleicht gut ausschauen aber dann doch irgendwie müffeln. "Babycaust", "Hitler und Stalin", "Mehr Tote im Mutterleib als auf allen Schlachtfeldern der Welt" etc trägt zur Debatte streng genommen ja nichts bei, weil es an den entscheidenden Fragen vorbeizielt. Wenn Menschen sich über Kriegstote aufregen aber Abtreibung befürworten, dann helfen nicht solche Vergleiche, sondern nur die Frage, ob in beiden Fällen (Krieg und Abtreibung) menschliches Leben beendet wird. Da wir als Katholiken diese Frage eindeutig mit ja beantworten (von den "Catholics for Choice" einmal abgesehen, aber die sind ja so etwas wie "McDonald's Customers for well defined washboard-abs"), ist es unsere Aufgabe, dieses "Ja" auch in die Köpfe und Herzen anderer Menschen hineinzutragen. Dies nicht mit komischen Vergleichen, sondern mit sanfter aber steter Argumentation. Und diese Argumentation muß irgendwie um den zentralen Satz kreisen, daß der Mensch sich eben als Mensch und nicht zum Menschen entwickelt.

Natürlich wird es da immer und immer wieder frustrierende Erfahrungen geben. Aber niemand hat gesagt, daß der Kampf für das Leben einfach wird. Und so schnell will zumindest ich die Flinte nicht ins Korn werfen.

Kommentare:

kalliopevorleserin hat gesagt…

Es gehen ja auch keineswegs die Argumente aus. Nur gibt es tatsächlich nicht unendlich viele Argumente für das Lebenlassen von Menschen, sondern nur sehr wenige - die sind aber gut.

Man braucht nicht für alles auf der Welt eine Unzahl an Argumenten, sondern man braucht für einiges einige Argumente. Für den Schutz des Lebens braucht man Argumente nur deshalb, weil die Welt so unfassbar pervers ist, das nicht ohne Argument zu verstehen.

T.C. hat gesagt…

Die Argumente scheinen nun auch Präsident Obama umgestimmt zu haben:

http://what-else-is.blogspot.de/2013/01/pro-life-obama.html

Oder doch nicht?

Gerd F. hat gesagt…

Obama ist ein gutes Stichwort.

Der amerikanische Präsident stellt in seiner Rede nach dem Massaker an einer Grundschule fest:
Wir tun nicht genug um unsere Kinder zu schützen. Er bleibt die Antwort schuldig, denn wie sollen Menschen vor Attentätern geschützt werden? Das geht kaum. Selbiger Präsident ist allerdings für eine vollkommene Legalisierung der Abtreibung. Also die Tötung menschlichen Lebens vor der Geburt allesamt Kinder im wahrsten Sinne des Wortes, wo die Beteiligten alle Möglichkeiten haben, dieses Leben zu schützen und das ohne CIA oder FBI. Auf diesen Widerspruch habe ich vor einiger Zeit während einer Diskussion über Abtreibung aufmerksam gemacht. Sofort wie aus der Pistole geschossen, kam die entrüstete Frage: "Du willst doch wohl nicht ein Massaker in einer Schule mit der Abtreibung vergleichen?"
Da war er wieder: Der unzulässliche Vergleich, der einem schon vorgeworfen wird, noch ehe man ihn ausspricht. Nun gut, ich habe geantwortet, das soll jeder selbst entscheiden, wie er die Dinge in Zusammenhang bringen will. Hinterher hatte ich das Gefühl irgendwie eine feige Nuss zu sein aber froh es zumindest angesprochen zu haben.

Josef Bordat hat gesagt…

Ach, dass einem in einer Sache die Argumente ausgehen, sollte man gelassen sehen, solange die Argumente, die man hat, hinreichend sich, um in der Sache zur richtigen Entscheidung zu kommen. Und das ist beim Einsatz für das Leben sicher der Fall. Es gilt ja ohnehin: Besser ein gutes Argument als zehn schlechte.

LG, JoBo

Berthold Bauer hat gesagt…

Als ob es um Argumente ginge. Es geht um die Macht sie durchzusetzen. Um nichts anderes geht es überhaupt.

Alipius hat gesagt…

@ Berthold Bauer: Das ist eine zu enge Sicht. Gute Argumente sind Wegweiser zur Wahrheit. Und die Wahrheit ist für den menschlichen Verstand von Natur aus attraktiv. Attraktiver jedenfalls als jene Versuche, den Verstand zu vergewaltigen, indem man ihm weiszumacht, ein menschliches Leben sei kein menschliches Leben. Somit ist es die Wahrheit, die den Argumenten die Kraft verleiht, sich durchzusetzen. Da braucht man keine menschliche Macht.

florianmayr hat gesagt…

Ich glaube, die USA sind da gleichzeitig ein gutes und ein schlechtes Beispiel. Wenn sich in Europa die Gesellschaft "pro life" (was ja wünschenswert wäre) mit den entsprechenden amerikanischen Nebengeräuschen entwickeln würde, weiß ich nicht, ob ich das in Kauf nehmen will.

Im Mittelteil, wo es um die Abtreibungsbefürworter und ihre nicht zu rechtfertigende Rechtfertigung geht, fehlen mir allerdings neben der Polemik - natürlich - etwas die Argumente. Sie kommen hier zum Schluss, dass da Wahrheit drinnen stecken muss, weil man ja nur Wahrheit so aggressiv bekämpft. Das ist schön heroisch, aber ich würde ads Wort "Wahrheit" durch "Macht" auswechseln, nicht im gewalttätigen Sinn, sondern in der Frage der Bestimmungsmöglichkeit (über sich selbst), der böse Grundsatz dazu ist: "Mein Bauch gehört mir". Menschen reagieren (heute) mehr als verschnupft darauf, wenn ihr Individualismus eingeschränkt wird. Das hat wenig mit Wahrheit, sondern eher mit einem freiheitlichen Selbstverständnis des Menschen im 21. Jahrhundert zu tun. Dass das an vielen Ecken und Enden Probleme bereitet, ist klar. Dann sprechen Sie davon, dass man nicht vergleichen soll, wenn es inhaltlich aneinander vorbeigeht, und sprechen die Christenverfolgungen an. Nicht sehr konsequent.

Natürlich ist hier zu hinterfragen, wie viel Individualismus und Egoismus eine Schwangerschaft verträgt, d.h. wie viel Altruismus ab wann (da wären wir dann bei Singer) angebracht ist - und überhaupt, ob Sexualität immer individualistisch, oder nicht doch eher altruistisch, also auf Gemeinsamkeit, Gemeinschaft und das Schenken von Leben zumindest verwiesen ist.

Interessant finde ich auch die Formulierung "Kampf für das Leben". Ich weiß schon, dass Sie das nicht kriegerisch meinen, aber wenn ich mir ansehe, wie das gerade in den USA militärisch aufgeladen wird (ich weiß nicht, wer von Ihnen die Doku "Jesus Camp" kennt), dann komme ich zu meinem anfänglichen Schuss zurück: Die US-Nebengeräusche will ich in diesem Kampf nicht haben, also am besten gleich gar keinen Kampf, sondern einen Dialog - am besten noch dazu mit konkret Betroffenen (kirchliche SKB?) und nicht mit Bildern von bösen Institutionen, Politikern und Organisationen - die sind zwar einerseits greifbar, aber andererseits so virtuell, dass man sie zwar super beschmutzen, aber kaum mit ihnen in Dialog treten kann.

Anonym hat gesagt…

Nachdem ich mich hier (nicht zustimmend) schon einmal irgendwo zu Singer und auch sonst geäußert habe, hierzu mein Senf:

Wenn man auf eine höhere, abstrakte Ebene kommt - die natürlich "draußen" nicht so relevant ist -, wird das alles letztlich auf eine Frage der zugrundeliegenden Ontologie hinauslaufen. Eine aristotelische Substanzontologie in scholastischer Manier eignet sich natürlich hervorragend, um die christliche Position zu dieser Frage zu stützen. Leider hat diese Ontologie natürlich auch ihre Probleme und es gibt Alternativen. Mir scheint allerdings, dass alle Alternativen, die ein Wesen des Menschen annehmen, also alle Formen eines »Essentialismus«, wesentlich besser geeignet zu diesem Zwecke sind, als diverse "Bündelontologien". Man muss sich in diesem Bereich also etwas überlegen.
Natürlich ist das nicht das, was praktisch gesehen, Frauen von der Abtreibung abhält, aber es stützt die eigene Position ungemein und gehört zum Teil eines rationalen, theoretischen und praktischen Gesamtrahmens.

Gott oder die Offenbarung würde ich dafür eher aus dem Spiel lassen, es sei denn, man wendet sich an - in erster Linie christliche - Theisten, schreckt damit aber andere oftmals ab.


der Heide

Akatair hat gesagt…

Die Argumente sind gut. Sie sind nur weitgehend unbekannt. Fast niemand scheint zu wissen, was "Verhütungsmittel" wirklich tun. Und manche, die es wissen, wollen andere nicht damit "belasten", dass sie die Wahrheit erfahren darüber, was sie tun.
Solange das so ist, helfen die besten Argumente nicht.