Samstag, 15. Dezember 2012

Weltfrieden = Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften

Die Reaktionen auf die am Freitag veröffentlichte Botschaft des Papstes zur Feier des Weltfriedenstages (hier der ganze Text) lassen vor allem zwei Dinge vermuten: Die Botschaft bestand nur aus einem Absatz, und im Kielwasser von Forderungen nach Hexenverbrennung oder HIV-Infizierung schwimmt es sich als Vertreter irgendeiner LGBT-Organisation offenbar besonders gut. Der Absatz, der u.a. Manfred Bruns und Volker Beck mal wieder vorgestanzte Empörungslingo entlockte, liest sich folgendermaßen:
    Auch die natürliche Struktur der Ehe als Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau muß anerkannt und gefördert werden gegenüber den Versuchen, sie rechtlich gleichzustellen mit radikal anderen Formen der Verbindung, die in Wirklichkeit die Ehe beschädigen und zu ihrer Destabilisierung beitragen, indem sie ihren besonderen Charakter und ihre unersetzliche gesellschaftliche Rolle verdunkeln. Diese Grundsätze sind keine Glaubenswahrheiten, noch sind sie nur eine Ableitung aus dem Recht auf Religionsfreiheit. Sie sind in die menschliche Natur selbst eingeschrieben, mit der Vernunft erkennbar und so der gesamten Menschheit gemeinsam. Der Einsatz der Kirche zu ihrer Förderung hat also keinen konfessionellen Charakter, sondern ist an alle Menschen gerichtet, unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit. Solch ein Einsatz ist um so nötiger, je mehr diese Grundsätze geleugnet oder falsch verstanden werden, denn das stellt eine Beleidigung der Wahrheit des Menschen dar, eine schwere Verletzung der Gerechtigkeit und des Friedens.
Die Reaktionen auf diesen Absatz:
    Auch der Grünenpolitiker Volker Beck (MdB) reagierte auf die erneute homosexuellenfeindliche Botschaft aus dem Vatikan. Die Botschaft des Papstes ist ein Dokument der Anmaßung und wirft allen säkularen Verfassungsstaaten, die die Menschenrechte achten, den Fehdehandschuh hin! … Mit seiner Aussage, die Gleichberechtigung homosexuelle Paare stelle eine "Beleidigung der Wahrheit des Menschen" dar, verläßt er die Grundlage der Menschenrechte und des demokratischen Diskurses. Diese Aussage umfasst das, was viele Abgeordnete unbedacht beklatschten, als der Papst von der "Ökologie des Menschen" im Deutschen Bundestag sprach.
Mit diesen aufwühlend klingenden aber letztlich inhaltslosen Sätzen begibt sich also ein MdB auf den Boden des demokratischen Diskurses. Bruns ist aber noch einen Tacken besser, weil er das MSM-Spielchen spielt: Tu so, als ob...:
    Ausgerechnet den katholischen Weltfriedenstag missbraucht Papst Benedikt XVI. zu erneuten menschenverachtenden Ausfällen gegen Lesben und Schwule. Er diffamiert die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare als “eine schwere Verletzung der Gerechtigkeit und des Friedens”. Der Papst ist offenbar endgültig von allen guten Geistern verlassen. Benedikt XVI. behauptet, die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften beschädige die Ehe und trüge zu ihrer Destabilisierung bei. Jeder sei aufgerufen, den Kampf gegen eine Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften aufzunehmen.
Bruns bleibt im letzten Satz im Konjunktiv und erweckt so den Eindruck, er zitiere aus dem Schreiben des Papstes. Das tut er allerdings nicht, da sich dort nirgend wo eine Formulierung wie "jeder ist aufgerufen" oder gar "Kampf gegen eine Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften" findet. Aber man kann's ja mal versuchen...

Es scheint mittlerweile ständig aktualisierte Schlachtpläne zu geben, die detailliert beschreiben, mit welchen Nebensächlichkeiten man sich an den Papst zu wenden hat, um vom eigentlichen Thema abzulenken. So finden es beide, Beck und Bruns, daß hierzu der Segen, den der Papst der ugandischen Parlamentssprecherin Rebecca Kagabe spendete "paßt", weil die in ihrem Heimatland eine stärkere strafrechtliche Verfolgung "schwerer Homosexualität" gefordert hat, die auch vor der Todesstrafe nicht haltmachen sollte.

Nun ist es aber so, daß jedermann, der einen Internetanschluß besitzt und ihn nicht nur dazu nutzt, vorgebellte Befehle nachzukauen, sondern auch mal selbst auf die Pirsch zugehen, leicht auf solche oder solche Informationen stoßen kann, die alles doch irgendwie wieder in ein etwas anderes Licht rücken.

Nicht uninteressant ist, daß in Zusammenhang mit Uganda sich nun einige Leute auch wieder entsetzt daran erinnern, daß der Vatikan bereits 2008 die weltweite Straffreiheit von Homosexualität mit ein wenig Distanz betrachtete und davor warnte, durch den Versuch, Menschen vor Diskriminierung zu schützen, neue Diskriminierungen einzuführen:
    "Länder, die die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Personen nicht anerkennen, könnten unter Druck gesetzt werden..."
Echt? Diskriminierung oder Benachteiligung, nur weil man Homosexualität nicht anerkennt? Wann hätte man denn jemals von so etwas gehört? Das ist eine Art von Gleichschaltung und von Bevormundung durch den weißen Mann, die man auf Verschiedenheit zelebrierender und nicht-menschenverachtender Seite wohl gerne in Kauf nimmt...

Der Papst steht klar zur Lehre seiner Kirche, welche besagt, daß eine Gleichstellung anderer Partnerschaftsformen mit der Ehe nicht läuft, und daß Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung nicht verfolgt oder bestraft werden dürfen. Das ist mir bedeutend lieber, als all jene Heulboen, die mit ihren MSM-Schleppenträgern ihre Idee von einer "besseren" Welt immer nur so weit aufblitzen lassen, wie es ihren Bedürfnissen entspricht, und sich einen Dreck um dieselben Ideen scheren, wenn sie ihrem Bulldozer im Wege stehen.

Weil's so schön war, nochmals: Ich erkenne an den hysterischen Reaktionen, daß es da etwas gibt, das wir nicht wissen dürfen. Ich merke, daß es da etwas gibt, was sich um jeden Preis der nüchternen Debate entziehen muß. Ich vermute, daß es da etwas gibt, das in informierten Kreisen als gegeben gilt, aber offiziell niemals an der Oberfläche schwimmen darf.

Kommentare:

Arminius hat gesagt…

Im Gegensatz zu den deutschen Bischöfen hat unser Heiliger Vater offenbar keine Angst vor Fräulein Beck und anderen SchwulenaktivistInnen.

Mögen sich unsere Bischöfe beschämt ein Beispiel an ihrem Chef nehmen.

Anonym hat gesagt…

Und?
Was ist das wohl, was wir nicht wissen dürfen?

Alipius hat gesagt…

@ anonym: Keine Ahnung. Die Frage könnte ich nur beantworten, wenn ich es wissen dürfte.

Anonym hat gesagt…

Ich erkenne in den hysterischen Reaktionen, die einen rationalen Diskurs mehr und mehr verunmöglichen, eine Form von mauvaise foi. Man (also homosexuelle Aktivisten) ist sich seiner Sache weniger sicher, als man tut. Wer eine gefestigte Identität und von seinem Anliegen überzeugt ist, will Kritiker überzeugen, aber nicht mundtot machen. (Das Gegenargument, dass eben jene sozialen Diskriminierungen der Festigung homosexueller Identität im Wege steht, zieht m. E. nicht mehr).

ChB

Imrahil hat gesagt…

>>Jeder sei aufgerufen zum Kampf gegen die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften.

Nun... an sich stimmt das ja. Der Papst hat es nicht gesagt; er hatte anderes zu sagen. Bezeichnend, das schon, daß man das einfach nach Belieben unterschiebt. Aber wie gesagt - es ist nichts, wo man sich so sehr gegen den Eindruck wehren müßte, der Papst hätte es gesagt, etwa weil es so schlimm sei. Mehr noch, wie gesagt: an sich stimmt das ja.