Montag, 31. Dezember 2012

Seltsam...


Eine blaue Cappa Magna? Noch nie gesehen... Der Prälat ist Theodor Kohn, Erzbischof von Olmütz zwischen 1893 und 1904.

Kommentare:

kalliopevorleserin hat gesagt…

Höchst sonderbar.
Angeblich soll ja die Tatsache, daß Blau keine liturgische Farbe ist, mit der traditionellen Herstellung blauer Stoffe zu tun haben. Denn vor Erfindung der Anilinfarben mußte dem Färbersud neben dem Färbemittel Blauholz auch Urin beigemischt werden, da Harnstoff die blaue Farbe fixiert. Das war irgendwie zu profan. (Zermatschte Purpurschnecken waren nicht so profan wie Färberpipi, da ist nicht immer alles völlig logisch begreifbar... wie es eben so ist im Leben.)

Severus hat gesagt…

Und überhaupt, die Tschechen liebten schon immer das Besondere - o ja ...

thysus hat gesagt…

Ich würde meinen, diese Schleppe gehört wohl zu einer Kanoniker-Sonderkleidung, da gibt es ja allerhand Spezialitäten, Schönes (und Sonderbares..). Hier z.B. die Ausstattung von Kardinal Désiré Félicien-François-Joseph Mercier, Kardinalpriestervon Pietro in Vincoli, Erzbischof von Malinas - da gibts auch allerhand in blau:
http://1.bp.blogspot.com/_cQ2xhpZfenk/Sc502w-9wwI/AAAAAAAAGfU/wgJjN4onylU/s1600-h/cardinal+mercier+toys.JPG
(gesehen auf dieser interessanten Seite: http://liturgia.mforos.com/1696414/8043757-habito-coral-cardenalicio/?pag=4)

Anonym hat gesagt…

Wenn er Silvestriner wäre, könnte man sich die blaue Farbe erklären, weil deren Ordensgewand ja blau ist und früher die Bischöfe die Farbe ihres Ordensgewandes beibehielten.

Wenn die Farbe des Talars das gleiche Blau wäre, hätte man die Erklärung, daß es einfach ein seltsames Violett ist; auf den verlinkten Bildern von Kardinal Mercier handelt es sich ja auch um violette Gewänder (jedenfalls müßte es so sein, wenn man Nainfa folgt). Da das Färben von Textilien früher kein so sicherer Prozeß war wie heute, handelt es sich vielleicht einfach um zwei unterschiedliche Chargen violetten Stoffes.

Anonym hat gesagt…

Blogger Anonym (heute um 16.02 Uhr) hat in jedem Falle recht, Blogger thysus möglicherweise: Es gab früher (bis Ende der 60er-Jahre) keine einheitliche Regelung für die Chorkleidung eines Prälaten. Bei solchen, die aus dem Weltklerus kamen, war's einfach, aber bei den "kardinalisierten" Ordensgeistlichen tat sich ein wahres Farbenkastl auf. So trugen etwa die Dominikanerkardinäle zum weißen Talar und Rochett eine scharze (!) Cappa Magna. Das einzige, was an ihnen scharlachrot war, war das Solideo (Pileolus).

Achja, Reverende: Tippfehler. Der Erzbischof hieß wirklich Theodor Kohn. Olmütz war eine der zwei Erzdiözesen, die ihren Oberhirten selbst wählen durfte (Salzburg war die andere). Es ging damals die Anekdote um, der Ministerpräsident hätte auf die telegraphische Meldung "Theodor Kohn zum Ebf. von Olmütz gewählt", nur stoßgeseufzt: "Hoffentlich ist er wenigstens getauft ..." Da der Prälat hier violett trägt, hat man ihn offenbar in der Fastenzeit portraitiert??

Zwetschgenkrampus