Samstag, 1. Dezember 2012

Nochmals Lebensschutz...

Eine Überlegung, die ich im Kommentarbereich von katholon zurückgelassen habe, möchte ich auch hier einmal posten.

Bei Peter fragte ein Leser:
    Was treibt die Religiösen jeglicher Couleur nur an, dass sie allen Menschen, egal ob diese nun an ihren oder einen anderen Gott glauben oder jedes Gottesglaubens abhold sind, jeweil ihre ganz spezielle Moral per Strafgesetzbuch aufzuzwingen versuchen?
Ich antwortete:
    Es geht hier doch in erster Linie nicht um “Katholik” oder “Atheist” oder darum, wer wem was per Strafgesetzbuch aufzwingt, sondern es geht um das Menschenbild.

    Für mich als Katholiken ist das Sein besser als das Nicht-Sein, der Mensch besser als der Nicht-Mensch und das Leben besser als das Nicht-Leben. Als Katholik habe ich mich daher dem Schutze des menschlichen Lebens verschrieben und bin dagegen, ein solches menschliches Leben vorzeitig zu beenden, egal ob durch Abtreibung, durch Todesstrafe oder durch assistierten Suizid. Denn hinter all diesen (und anderen) Wegen, ein menschliches Leben vorzeitig zu beenden, versteckt sich doch immer auch ein gewaltiger Komplex von Rechtfertigungen, die es demjenigen, der sich zum Herrn über Leben und Tod macht (machen will), gestattet, nachts ruhig zu schlafen. Wenn nun aber einerseits der Mensch sich zum Herrn über Leben und Tod aufschwingt und andererseits diese Position mit allen möglichen Argumenten rechtfertigt, dann heißt dies, daß der Mensch in Wirklichkeit eben nicht Herr über Leben und Tod ist, da der wirkliche Herr über Leben und Tod sich nicht rechtfertigen muß. Diese Unsicherheit seitens der Befürworter von Abtreibung, Todesstrafe, assistiertem Suizid etc ist einerseits beruhigend, da sie einem totalen Dammbruch vorbeugt. Sie ist andererseits aber auch ein Indikator für die schiere Unmöglichkeit des Versuches, sich als Mensch zum Herrn über Leben und Tod machen zu wollen.

    In Wirklichkeit sieht es doch so aus: Man beginnt mit einem ersten Schritt, in dem man definiert, was stubenrein, gezähmt, mainstreamtauglich und schöne-neue-Welt-mäßig genug ist und wird dann in der Folge das, was dreckig, mühsam, arbeitsaufwendig und unplanmäßig ist, so schnell und sauber wie möglich los, wohl wissend, daß man sich eine Position anmaßt, die einem nicht zusteht, und die dann gerechtfertigt werden muß. Mit körperlich Behinderten, mit geistig Zurückgebliebenen, mit sozial Vernachlässigten, mit materiell Bedürftigen etc warten schon gleich die nächsten Gruppen, die sich ganz warm anziehen müssen, wenn sich in einer Welt ohne christliches Menschenbild diejenigen durchsetzen, die den Wert eines menschlichen Lebens danach bewerten, ob es ihnen mit all seinen Komplikationen und Anforderungen grade gelegen kommt oder nicht.
In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch einmal auf dieses Posting hinweisen und abschließend die kühne Behauptung in den Raum werfen, daß ja erst einmal die Möglichkeit für neues Leben geschaffen sein muß (Schluß mit Abtreibung), bevor man das Leben außerhalb des Mutterleibes dann auch schützen kann (Schluß mit Todesstrafe, Schluß mit Kriegen, Schluß mit Hungertoten etc).

Kommentare:

eumloquatur hat gesagt…

Hach ja, ähnlichen Fragen wie Deiner obigen begegne ich auch derzeit gehäuft auf meinem Blog. Wie kommen wir Religiösen nur dazu und dazu....Was fällt uns eigentlich ein?!?!?!
Muss aber sagen, zum Teil geht es wirklich sachlich und bereichernd zu, was bei solchen Gesprächen auf beiden Seiten nicht gerade selbstverständlich ist.
Schönen ersten Advent allen hier!

Heriger hat gesagt…

Für meine Begriffe engt der Leser, auf den Sie hier antworten, seine Anfrage unzulässig ein. Die Bestrebung, abweichende Meinungen mit dem Strafgesetzbuch zu unterbinden, ist keine Spezialität religiöser Menschen. Obwohl die Meinungsfreiheit objektiv gegeben ist, leben wir nicht in einer Zeit, in der die Meinungsfreiheit besonders hoch gehalten wird. Vielmehr wird allenthalben nach deren Einschränkung gerufen, oder - falls das nicht möglich ist - der Meinungsäußernde einfach mit anderen Mitteln, sozialem Druck etc mundtot gemacht. Das scheint weniger ein religiöses, denn ein menschennatürliches Prinzip zu sein - leider.

Anonym hat gesagt…

Gerne möchte ich zu diesem Thema auf das (salomonische) Wort an die Leserinnen und Leser des Rektors der Hochschule für Heilpädagogik im aktuellen Magazin aufmerksam machen:
http://www.hfh.ch/online-magazin/201212/#/2/zoomed

Mit freundlichen Grüssen
Franziska