Mittwoch, 5. Dezember 2012

Ich erzähle jetzt mal, wie es sich in meinem Kopf abspielte...

Als ich das hier las, meldete sich sofort eine Stimme in meinem Kopf, die keck verkündete: "Dies ist nicht die ganze Geschichte! Aber wenn Du mehr wissen wilst, mußt Du Dich leider in Gegenden begeben, deren Grenzen von den MSM und den politisch korrekten Meinungshoheitlern streng beobachtet werden! Also sieh dich vor, wo Du Deine Informationen hernimmst und wem Du davon erzählst!"

Ich bloggte die Story dann erst einmal so, wie ich sie gefunden hatte, hatte aber schon während des Losschickens des Artikels nicht mehr nur das Gefühl, sondern im Grunde die Gewißheit, daß sich hinter den "Jugendlichen" oder den "15- bis 16-Jährigen" das verbirgt, was die Medien bestenfalls mal als "Südländisch" umschreiben.

Und so geschah es dann, daß ich, als ich gestern gegen 19:00 Uhr diverse Berichte zum Fall durchforstete, erst einmal tatsächlich überall nur von "Jugendlichen" oder "15- und 16-Jährigen" die Rede war, eine Stunde später - nach Hinweis eines Lesers und erneutem Googeln - aber schon bekannt war, daß es sich um "marokkanische Jugendliche" bzw "marokkanische 15- und 16-Jährige" handelte. Und wo genau fand ich diese Informatioen zuerst? Natürlich bei den "islamophoben" und "nationalen" und "rechtsradikalen" Bloggern und Berichterstattern.

Versteht mich nicht falsch: Ich sitze jetzt nicht hier, reibe mir in diebischer Freude die Hände und denke 'Häh! War ja klar! Moslems!'. Nein. Ich sitze hier, kratze mir am Haupte und frage mich 'Warum wundert man sich eigentlich, daß Seiten wie "Junge Freiheit" oder "Politically Incorrect" oder - ja - auch "kreuz.net" Leser haben, wenn die auflagenstarken, meinungsbildenden und bekannten Mainstream-Medien nur noch nach Formel arbeiten und dabei - wenn's gelegen kommt - bestimmte Informationen unterschlagen?'

Man mag einwenden, daß es völlig unerheblich ist, was für einen Hintergrund nun ein Totschläger hat. Dem halte ich einfach mal keck entgegen, daß bei einer ganz bestimmten Geschmacksrichtung von Medien der Hintergrund eines Täters manchmal so totgeritten wird, daß am Ende der Schuldige schon fast wie das Opfer daherkommt und daß es eben nicht um die Frage geht, warum man uns die Nationalität der Täter mitteilen sollte, sondern warum man sie uns verschweigt.

Erstens kann ich mich selbst für blöd verkaufen. Zweitens verstärkt diese Art von Heimlichtuerei nur den Verdacht, daß hier etwas ganz gewaltig nicht stimmt. Was genau nun nicht stimmt, das wird durch einen im Nachhinein bestätigten Verdacht des Lesers sicherlich gewaltiger aufgebauscht, als durch nüchterne aber umfassende Berichterstattung von Beginn an seitens der Medien.

Ich finde es okay, daß kreuz.net erst einmal verschwunden ist. Aber mich nervt der rosa-mediale Schulterschluß. Auf der Seite www.stopptkreuznet.de geht man vom Jubel schnell zur Tagesordnung über:
    Der gesamte kirchlich-homophobe Sumpf, dessen deutlichste Frucht bisher kreuz.net war, wird auch ohne diese Domain in seinem perfiden Treiben weitermachen. Die Deutsche Bischofskonferenz muss ein deutliches Signal setzen, dass Hassreden, Homophobie und Antisemitismus nicht christlich sind und in der katholischen Kirche nicht duldet werden.

    Gerade aufgrund dieser Konstellationen ist es wichtig, jetzt energisch und ermutigt durch die bisherigen Erfolge weiterzukämpfen! Die kriminellen Macher dieser Seite müssen enttarnt werden und dürfen nicht ungestraft davonkommen. Das Entstehen neuer homophober Seiten unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit und ungebremst durch die Kirche muss verhindert werden.
Man braucht nicht allzuviel Phantasie, um zu erahnen, daß die Jagd auf kreuz.net sich irgendwann durchaus zu einer Jagd auf jede mißliebige Internetseite ausweiten kann. Die Einheitsfront fühlt sich gestärkt, und sie wird sicherlich nicht zaghafter weitermarschieren.

Klar ist auch, daß die Methoden nicht immer die feinsten sind, wie David Bergers Märchen von den "perfiden Juden", für die neuerdinges wieder am Karfreitag gebetet wird, zeigt. Hier handelt es sich um ein zuviel an falscher Information. Im Falle des Niederländischen Linienrichters handelt es sich um ein Zuwenig an korrekter Information. In beiden Fällen werden am Empfänger-Ende Leser vermutet, die doof genug sind. In beiden Fällen weiß man natürlich, wie es EIGENTLICH ist. In beiden Fällen ahnt man die Gefahr, daß irgendwer ganz dreist mit den simplen Fakten daherkommt. In beiden Fällen ist es den Manipulierern daher sicherlich sehr recht, wenn die "Lies nicht bei den Schmuddelkindern!"-Schilder immer gut lesbar hochgehalten werden.

Ich bin alles andere als ein Fan von oder Stammgast bei Seiten wie Junge Freiheit oder Politically Incorrect. Aber wenn es genau Seiten wie diese sind, die mit bestimmten pikanten Informationen zuerst rüberkommen, dann heißt das für mich nicht automatisch, daß ich eine Quelle solider Berichterstattung gefunden habe, der ich blind vertrauen kann, weil dort nie weggelassen oder hinzugefügt wird. Aber es zeigt mir, daß diejenigen, die soviel besser sein wollen, leider schlicht und einfach nicht viel besser sind.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Die Junge Freiheit und PI sind allerdings – sowohl vom Stil als auch vom intellektuellen Niveau und nicht zuletzt der politischen Ausrichtung her– dermaßen unterschiedlich, daß es mich schon wundert, wie Sie beide in einem Atemzug nennen können: Junge Freiheit: verdient den Namen Qualitätsjournalismus. PI: Knallpresse. War wohl jetzt eher eine vorauseilende Distanzierung von allem, was rechts der sogenannten Mitte ist, was? Oder lesen Sie das wirklich nicht?

Alipius hat gesagt…

Also ich habe Junge Freieit und PI jetzt eher aus dem Blickwinkel des MSM-gefütterten Otto-Normal-Verbrauchers beschrieben. Ich lese PI im Grunde nie und Junge Freiheit äußerst selten. Ich finde, daß PI mit Kanllpresse ganz gut beschrieben ist, sehe aber persönlich die Junge Freiheit ebensowenig im Umfeld des Qualitätsjournalimus wie die Frankfurter Rundschau oder den Spiegel.

Thomas Sebbel hat gesagt…

Ich habe kein Fernseher, aber als eine Kollegin mir von diesem Ereignis erzählte, war mir leider schnell klar daß die Täter einen ganz bestimmten Hintergrund haben könnten. Der Mangel an Barmherzigkeit erschreckt mich immer wieder. wWas lernten wir wenn jemand auf dem Boden liegt trete ich nicht nach.

Helene hat gesagt…

HH Alipius - wenn Sie "im Grunde
nie PI lesen", wieso wissen Sie
dann, daß PI eine "Knallpresse"
ist??? (Was ist übrigens eine Knallpresse?) Manchem mag der Stil
einiger Eintragsverfasser nicht
gefallen und manche Äußerungen zum christlichen bzw. katholischen Glauben zeigen einige
Unkenntnis. Aber die Informationen
zu Islam und seine "Auswirkungen"
waren bislang mW nie falsch, irre-
führend und wurden auch nie als
solche nachgewiesen.
Erwähnen möchte ich "kewil", dessen Schreibstil nicht jedem/r
gefallen mag. Ich werde ihm aber
immer zugutehalten, daß er als
Nichtgläubiger, der kath. Kirchen
seiner Aussage nach nur aus Kunst-
interesse besucht, seinerzeit, als
unser (nicht seiner!) derzeitiger
Papst in diversen Foren und Medien verleumdet, angefeindet und ärgeres wurde (Mißbrauchsfälle!), diesen unseren Hl.Vater wie ein Löwe verteidigte und dessen Feinde
verbal "abwatschte", daß es eine
Freude war! Während kein einziger deutscher Bischof hinter dem
Papst stand!
Die JF kenne ich nicht und habe daher auch keine Meinung zu ihr.

Alipius hat gesagt…

@ Helene: Ich lese die PI nicht, WEIL ich weiß, DASS sie eine Knallpresse ist. Dies fand ich heraus, nachdem ich sie ein paar Mal las und dann aufgrund des dort herrschenden Stils links liegen ließ (Papstverteidignug hin oder her). Definition von "Knallpresse" dürfen Sie Sich aussuchen.

gerd hat gesagt…

>>In beiden Fällen werden am Empfänger-Ende Leser vermutet, die doof genug sind.<<

Die Zahl der Doofen, sinkt in den Niederlanden allerdings beträchtlich. Dort ist man sehr gut informiert, dass die Täter marrokanischer Abstammung sind. Die Wut richtet sich nicht nur gegen die Täter, sondern gegen die "einseitige" Berichterstattung. Das lässt hoffen.

Helene hat gesagt…

HH Alipius: Zurechtweisung zerknirscht angenommen! Der hl. Jakobus möge mir in Zukunft vor möglichen voreiligen Äußerungen einen innerlichen Schubs geben, zuerst zu denken und dann zu reden (= zu schreiben)!

kalliopevorleserin hat gesagt…

In meinem Leben haben sich folgende Dinge ereignet:
Schulzeit - Mobbing und regelmäßige Prügel auf dem Schulweg. Täter: weiße Deutsche.
Vor einigen Jahren: Morddrohung wegen sichtbaren Tragens eines Kreuzes. Täter: zwei weiße Deutsche.
Gestern: Rausekeln aus der Kirche, als ich die Laudes vorbereiten sollte. Grund: vermutlich meine Nase oder die Laus auf der Leber der Rauswerferin. Täterin: eine weiße Deutsche.

Tja, die weißen Deutschen... könnte man jetzt sagen.

Anonym hat gesagt…

Wenn weiße Deutsche Straftaten begehen, heißt es in den Medien meist "ein xx-Jähriger aus Bonn" oder woher auch immer.
Da nicht zu erwarten ist, daß jeder Medienkonsument jede ausländische Stadt richtig verorten kann, ist doch die Angabe des Herkunftslandes die entsprechende, die den Leser in die Lage versetzt, sich selbst eine Meinung dazu zu bilden, ob besonders viele Gewalttäter, Betrüger, was auch immer, aus dem Ruhrpott, Berlin, Bayern, Marokko oder weiß er Kuckuck woher kommen. Ich bin genau wie Hw. Alipius der Ansicht, daß man den Leuten solche Information nicht zu verschweigen braucht, sobald es um Ausländer geht.
F.

Alipius hat gesagt…

@ Claudia: Ist richtig. Aber mir geht's - wie gesagt - gar nicth darum, daß ich jetzt "Haha! Die Ausländer mal wieder!" sage, sondern daß ich mich über die frisiert wirkende Berichterstattung wundere.

U. P. hat gesagt…

Werte Betreiber von stopptkreuznet, wie wär diese Lesart:

Der gesamte ANTIkirchlich-HETEROphobe Sumpf, dessen deutlichste Frucht bisher xy.net war, wird auch ohne diese Domain in seinem perfiden Treiben weitermachen?

Was ich sagen will: fragt ihr euch nie, ob ihr nicht desselben Niveaus derer seid, die ihr in +net bekämpft, keine Sekunde lang?

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Eigentlich wollte ich mich hier nicht einklinken, aber ich denke, ich muß zumindest für die "Junge Freihiet" eine Lanze brechen. Wer so wie ich die Printausgabe dieses Mediums wöchentlich bezieht, der weiß darum, daß diese Zeitung mit +.net nicht in eine Mülltonne geworfen werden darf. Wir haben es hier mit einer Zeitung zu tun, die im besten Sinne des Wortes für konservativen Journalismus steht. Die Artikel zeichnen sich durch exzellente Recherche, geschliffenes Deutsch und Unabhängigkeit vom Mainstream aus.
Allein daß Pater Ockenfels mit regelmässigen Beiträgen in dieser Zeitung vertreten ist, sollte noch einmal zu denken geben.
pi-news ist zwar ziemlich "tough", ist aber in den letzten Woche wieder sachlicher im Ton geworden.
Für die manchmal sehr trolligen Kommentare könne sie aber genauso wenig, wie die nicht minder abstoßenden Kommentare bei SPon, bei der "taz" oder sonstwo. Ich finde es viel bedenklicher, wenn sich in solchen Foren Leute darüber beschweren, daß ihr kritischen Kommentare von den Redaktionen "wegmoderiert" werden oder die Diskussionsforen bei entsprechend unerwarteter Resonanz einfach geschlossen werden. So gesehen bei "der westen", "die welt"...

Alipius hat gesagt…

@ Laurentius Rhenanius: Ja, ich habe mich bei der JF auch eher durch die Kommentare abschrecken lassen, die manchmal schon ein weig grenzwertig klingen...