Freitag, 28. Dezember 2012

Hipstertum? Nostalgie? Rebellion?

Die Anzahl der Messen, die in der außerordentlichen Form des lateinischen Ritus zelebriert werden, nimmt weltweit zu. Der Altersdurchschnitt der Besucher dieser Messen liegt weit unter dem Altersdurchschnitt der Besucher von Messen im ordentlichen Ritus.

The Economist untersucht das Phänomen, stellt die Freunde der alten Messe in eine trendige Avantgarde-Ecke und zitiert einen Priester, der hier nur eine nostalgische Gegenbewegung zum hippen Modernismus seiner Jugendjahre sieht.

Was aber steckt wirklich dahinter? Will man wirklich einfach nur nicht das tun, was schon die Eltern taten? Sucht man nach Auswegen aus einer oft zu wilden und lauten Liturgie? Lockt der Reiz des irgendwie immer noch leicht Anrüchigen? Verspürt man etwas mehr Vertrauen zu überlieferten Formen als zu permanenten Neuerfindungen? Will man mehr Christusbezogenheit und weniger Menschelei? Oder macht man es, weil jemand sagte, daß es grade cool ist?

Sagt mir, warum Ihr die Messe in der außerordentlichen Form mögt oder auch vorzieht bzw welche Begründungen Ihr von anderen gehört habt!

Hier ist meine Antwort (damit es nicht heißt, der Herr Alipius frage nur neugierig nach, ließe aber selbst die Katze nicht aus dem Sack): Ich mag die außerordentliche Form, weil ich dort viel, viel, viel mehr Ruhe finde und viel, viel, viel tiefer in das Geheimnis eintauchen kann.

Okay! Ihr seid dran!

Kommentare:

Severus hat gesagt…

Der Antwort des Herrn Alipius ist nichts hinzuzufügen.

Tiberius hat gesagt…

Ich wollte eigentlich nur meine Eltern schocken und bin dann einfach drauf hängen geblieben. Nein, im Ernst, mir geht es wie dem Herrn Alipius.

Arminius hat gesagt…

Wenn ich die Wahl zwischen einer gewöhnlichen Werktagsmesse und einer parallel dazu stattfindenden stillen Messe im außerordentlichen Ritus habe, wähle ich normalerweise die gewöhnliche Werktagsmesse. Da komme ich morgens in der Früh schneller zum Brötchenholen und ein Gottesdienst im Novus Ordo Ritus kann auch sehr gut sein.

Doch erinnert mich der Novus Ordo auch an ein abstraktes Kunstwerk oder einen Betonbau der 70er Jahre im Vergleich zu einer gotischen Kathedrale oder einem Picasso, die ich mit der gregorianische Messe assoziiere.

Le Penseur hat gesagt…

Die Assoziation einer gregorianischen Messe mit Picasso ist ausgesprochen gewöhnungsbeürftig ...

Admiral hat gesagt…

Ich schätze die außerordentliche Form, weil mich dort im Regelfall keine Überraschungen erwarten (siehe hier: http://blog.derherralipius.com/2011/04/sonntagsmorgens-halbzehn-in-deutschland.html).
Ich kenne allerdings auch einige Meßorte, wo die OF den Vorgaben gemäß gefeiert wird und wo ich sehr gern zur Messe gehe. Deshalb habe ich keine direkte Präferenz zwischen OF und AF. Allerdings gebe ich bei der Wahl zwischen unbekannter OF und unbekannter AF immer der AF den Vorzug, aus oben genanntem Grund.

Name hat gesagt…

Als ich die "alte" Messe noch gerne und regelmäßig besuchte, war ich vor allem von den Zeiten der Stille, von der Zentrierung auf das Wesentliche, dem erwartbaren Ablauf, der Unmöglichkeit jeglichen Gelabers überzeugt: Dinge, die ich immer noch schätze und die man in unserer heutigen Liturgie leider oft suchen muss.

Wenn ich die alte Messe jetzt meide hat das vor allem damit zu tun, dass ich - Alipius möge jetzt kurz wegschauen - diese geradezu krankhafte Fixierung und Einbetonierung der äußeren Form auf den Barock, auf Spitzenröckchen, Bassgeigen und Hassenichjesehn nicht ausstehen kann. Wenn jemand Spitze so sehr mag, soll er halt schauen, dass er 'ne Freundin abbekommt und dieser dann Spitzenwäsche kaufen.

Schlimm finde ich, dass es fast schwieriger ist, eine gescheite ordentliche als eine außerordentliche Messe zu finden.

Anonym hat gesagt…

Ich besuche die Messe gelegentlich im alten Ritus um mich von den unzähligen Amtsmissbräuchen zu erholen, die mir im neuen Ritus dauernd begegnen.

Anonym hat gesagt…

Es geht nicht nur um die äußere Form,sondern auch um den Inhalt.
Es ist die Stimmigkeit des AOR von Form und Inhalt.
Der AOR ist zelebriertes Dogma.

Beim OR kann man das keineswegs behaupten.

Dazu muss man folgendes Buch und die Schrift gar nicht lesen um es zu erkennen. Es ist aber durchaus empfehlenswert.

MICHAEL FIEDROWICZ,Die überlieferte Messe, Carthusianus Verlag, Mülheim/Mosel 2011, S209ff, S227ff.

ALFREDO OTTAVIANI, ANTONIO BACCI, Kurze kritische Untersuchung des neuen "Ordo Missae", Heft 4, Una Voce - Deutschland, 1969.

Anonym hat gesagt…

Mei, nachdem von Hipstern jeder Art und jeder Couleur jede nur erdenkliche Sau durch's Dorf getrieben wird, ist jetzt nach Müsli, Instagram und einer seltsamen Bart/Brillen-Combo offensichtlich die Religion (lateinischer Ritus) dran.
Würde ich nicht überbewerten.
Spannend ist, wie viele dabeibleiben, wenn der Hype vorbei ist.

Gorgasal hat gesagt…

Ich finde meine Antwort extrem traurig: ich bevorzuge die alte Messe, weil ich da sicher sein kann, dass der Priester nicht sein eigenes Hochgebet schnitzt, verpflichtende Teile weglässt, andere einfach so hinzufügt und die Predigt damit verbringt, uns zu erzählen, was der Bischof alles falsch macht.

Anonym hat gesagt…

1. Die Predigt ist KURZ.
2. Viel Stille, vor allem dort, wo sie am wichtigsten ist.
3. Die Gebetsrichtung stimmt.

Richelieu88 hat gesagt…

An der "Außerordentlichen Messe" schätze ich neben der stärkeren Verflechtung von Wort und Ritus vor allem die stufenweise Hinführung, an der sich Priester sowie Gläubige gleichfalls der Gegenwart Gottes im Messopfer vorbereiten und nähern.
Beim Ordo Novus hatte ich immer wieder das starke Gefühl einer "Moderation" von Seiten des Priesters (Stichwort "Zelebration zum Volk"), von der sich wiederum viele "engagierte Mitglieder" genötigt sahen, durch alle möglichen Sonderaktionen die Gläubigen "stärker zu beteiligen". Was das genau zu bedeuten hat, weiß ich ganz ehrlich gesagt bis heute nicht...

jeannedarc hat gesagt…

Ich liebe es, mich einfach von der Schönheit der klassischen lateinischen Liturgie tragen zu lassen

Imrahil hat gesagt…

Ich mag die Alte Messe,

1. weil sie, wie die Neue, die Heilige Messe ist,
2. weil sie, gewiß subjektiv aber trotzdem, viel mehr zur Anbetung hinführt,
3. weil ich, da sich mir deswegen Fragen gestellt haben, näher über die Liturgiereform nachgedacht habe und so gut wie jede einzelne Veränderung begründet (ohne über die Qualität der Begründung ein Wort zu verlieren, versteht sich) für eine Veränderung zum weniger Sinnvollen halte. [obschon ein paar der neuen Dinge, wie die mehr oder weniger völlig neu geschaffene Leseordnung oder auch die langen Segensformeln, an sich selber sehr schöne Dinge sind; doch ist die Alte Messe eben aus guten anderen Gründen so verfaßt, daß die neue Leseordnung nicht hineinpaßt],
4. weil sie über Jahrhunderte gegen unkatholische Anfeindungen verteidigt werden mußte (was? ihr redet die ganze Zeit in einer Fremdsprache? was? der Priester murmelt nur so was vor sich hin?), denen dann auf einmal nachgegeben worden ist,
5. weil - wie *eigentlich* auch in der Neuen Messe - die Gebetsrichtung stimmt,
6. weil sie - da der Priester da ist, um die Gebete gewissermaßen sicher durchzuführen - eigentlich einen größeren Spielraum sinnvoller liturgischer Kreativität läßt (will man das Schubert-Heilig singen, muß man in der Neuen Messe damit leben, daß das liturgisch korrekte Sanctus nicht gebetet wird; das ist in der Alten Messe nicht so!).

Die lateinische Sprache ist dabei von geringerer Bedeutung.

Ich mag die Neue Messe,
1. weil sie, wie die Alte, die Heilige Messe ist,
2. weil sie oft die einzige und regelmäßig die bequemer vorhandene Heilige Messe ist,
3. weil die Alte Messe, wie Du sagst, immer noch "leicht anrüchig" ist und ich, wenn ich mich als katholisch und zwar (auf Nachfrage) ohne Vorbehalte zu bekennen habe, nicht auch noch unbedingt dazufügen will, auch unter den Katholiken zu einer moralisch nicht verbindlichen Minderheit zu gehören.

Anonym hat gesagt…

Ich schätze die Messe in der alten Form, weil sie mir in den Zeiten des blinden Wahns der Bilderstürmer und Dogmenschleifer Sicherheit bietet. Sicherheit, dass am Altar tatsächlich die Wandlung vollzogen wird, weil der Priester in der vollen Intention die richtigen Worte an einem echten Altar spricht.
In einer Messe in der neuen Form ist das zwar möglich, aber wenn ich nicht weiß, wer eine Messe lesen wird, setze ich mich nicht gerne dem Risiko aus, dass ich nicht den Leib Christi, sondern ein geschmckloßes Stück Brot empfange.
Damit ist die alte Form für mich eine Art Zuflucht, wann immer ich nicht die Möglichkeit habe, eine Messe eines mir bekannten Priesters zu besuchen. Tatsächlich gehe ich aber lieber in eine korrekte und vollständige Messe in der neuen Form, da ich in dieser ohne Probleme ministrieren kann, was ich in der alten Form weder Gott, der Kirche, dem Priester noch den Gläubigen zumuten möchte.

oecher hat gesagt…

Hm, obwohl ich in einer Gemeinde beheimatet bin, in der beide Formen, vorwiegend aber die neue gefeiert werden, muss ich doch sagen, dass die für mich einzig wahre Heimat doch die alte Messe, das gefeierte Dogma und unverkennbare Opfer unseres Herrn, die wirkliche Heimat ist. Und obwohl ich mit meinen nicht einmal 20 jahren nur in der neuen Messe erzogen wurde, merke ich doch, dass mir dort etwas fehlt, ja sogar etwas nicht wirklich mit der neuen Messe stimmt, das eben ganz anders sein sollte, auch wenn dort die neue Messe sher ordentlich zelebriert wird.
Einmal ganz abgesehen von der Ästethik und der Musik bzw. der Stille dazu, die eben in der alten Messe viel stimmiger sind (in der neuen fühlt man sich bei all den Liedern bisweielen wie auf einem Volksfest), ist es auch eine Sache der Ordnung, der Gleichförmigkeit, die ich als Ruhe empfinde, und der Ewigkeit, in dem Sinne, dass ich mir dessen bewusst bin, dass durch diese Messe nur allzu viele Seelen in den Himmel geführt wurden, und dass sie auch statt eines Aggiornamentos an die Gegenwart und ihr Denken und die Menschen ihrer Zeit immer die Ewigkeit Gottes anstrebt und sich nicht nach Belieben wandeln lässt, was mir deutlich zusagt.
Auch lassen sich da noch andere Gründe in Bezug auf die wechselnden Messtexte, wie auf die bleibenden finden, die in der neuen Messe wegen diverser Absichten bei ihrer Erschaffung durch Bugini und Consorten doch deutlich defizitär sind und sich offenbar eher bestimmten Abischten als dem lieben Gott verpflichtet sehen. Man denke nur an neue Hochgebete, die zwar nicht häretisch sind, allerdings den Gedanken an das Opfer verdunkeln, und an Lesungen, Evagelien und Gebete, die deutlich seltener all das Unangenehme aber eben Notwendige des Glaubens und der Praxis in der neuen Messe zeigen.
Ganz offensichtlich schreckt mich auch ab, dass man es hier mit etwas zu tun hat, dass keine festen Wurzeln in der Vergangenheit hat, sondern ein paar Menschen, die ein paar Ähnlichkeiten beibehalten, aber etwas grundsätzlich neues geschaffen haben, geformt haben. Schauen wir in das Alte Testament, werden wir dort schnell finden, wie der Herr in aller Präzision das Opfer anordnet. BNichts anderes hat der Heilige Geist getan, als er über Jahrhudnerte die Messe nach seinem Willen geformt hat. Und dann kommt auf einmal ein Papst mit einer Liturgiecommision und meint, er wüsste es besser und müsste der Kirche einen neuen Ritus aufzwingen.
Eine schöne Zusammenfassung und Ergänzungen zu dem Geschriebenen findet man beim wohl bekannten Blog Rorate Caeli in englischer Sprache, aber sehr gut, vor allem mit Bezug auf Klaus Gamber und den jetzigen Papst, umfangreich belegt: http://rorate-caeli.blogspot.com/search/label/Don%20Pietro%20Leone%27s%20%22The%20Roman%20Rite%22

Übrigens erklären weder Nostalgie, noch Rebellion, noch Hipstertum den Andrang zum alten Ritus. All das sind keine Gründe, sich regelmäßg (!) früh aus dem Bett zu quälen, weite Fahrtstrecken auf sich zu nehmen und vor allem das Ganze in den folgenden Tagen noch zu wiederholen. Ich denke, es handelt sich schlicht um die Erfahrung, dass die alte Messe wirklich Licht und nicht Abglanz, gut, wahr und schön und vor allem gottgefällig, sowie ein reicher Schatz an Gnaden ist, die die Leute Tag für Tag dort hinbringt.

Damian hat gesagt…

Nein, ich glaube nicht, dass der Hl. Geist nur die AF, nicht aber die OF geschaffen hat. Ich glaube noch nicht einmal, dass die AF irgendwie besser als die (ad crucem gefeierte) OF ist.
Es ist nur erstens so, dass gegenwärtig ein manipulativer Zelebrant niemals eine AF zelebrieren würde. Und zweitens müsste ich mehr als 300 km fahren, um an einer vollständig regulär - nämlich mit Kommunionpatene - gefeierten OF teilnehmen zu können.
Wenn ich über diese eine Regel hinwegsehe, gleicht es immer noch einem Lotterie-Spiel, in einem Umkreis von 30 Autominuten eine hl. Messe zu finden, in der weder die Gottheit Christi unterschlagen noch das Wort Gottes verkürzt noch die Besonderheit des Weihepriestertums untergraben wird. Das heißt, dass die Ordentliche Form für mich faktisch nicht erreichbar ist, sondern lediglich ein durch Ungehorsam und Eigenwilligkeit geprägtes Zerrbild, die sogenannte Unordentliche Form.