Dienstag, 27. November 2012

Lebensschutz...

Ohne jetzt hier pauschal all jene Gruppen abwatschen zu wollen, die sich in der Regel für eine ultra-freizügige Auslegung der Abtreibungsgesetze aussprechen, möchte ich mal folgende Überlegung in den Raum werfen:

Es wird Lebensschützern oft vorgeworfen, daß sie sich ja nur für das Kind/den Zellklumpen im Mutterleib interessieren und daß ihnen die Menschen, die bereits geboren sind, nicht so wichtig sind. Bei mir persönlich greift dieser Vorwurf nicht, und ich kenne auch sonst persönlich keine Abtreibungsgegner, die sich nicht auch in anderen Fragen umfassend für den Schutz des Lebens einsetzen.

Andererseits sehe ich aber folgendes: Eben jene Gruppen, die sich für eine lockere Abtreibungspraxis einsetzen, tauchen nun auch in Foren, auf Blogs und in Kommentarspalten auf und sprechen sich für aktive Sterbehilfe aus.

Legt das nicht die Vermutung nahe, daß dort, wo man nach schnell und breit verfügbarer Abtreibung verlangt, früher oder später der Respekt vor dem Leben auch in anderen Situationen abnimmt? Und wenn diese Vermutung nicht vollkommen unbegründet sein sollte, ist es dann nicht klüger und sicherer, sich für einen allumfassenden Lebensschutz einzusetzen? Denn wer weiß, wer sonst nach den Noch-nicht-geborenen und nach den Immer-noch-nicht-gestorbenen morgen auf dem Menu steht?

Kommentare:

Roger Michael hat gesagt…

Was es auch noch zu Bedenken gibt:
Wir einer Frau nach der Abtreibung im Verlauf des Lebens klar was sie mit der Abtreibung wirklich getan oder machen lassen hat, dürfte das zu einem nicht vernachlässigbaren Leidensdruck und damit zur Beeinträchtigung der Lebensqualität führen, mal ganz zu schweigen von jenen Frauen die dem Post-Aportion-Syndrom zum Opfer fallen.
Also kann man einem Lebensschützer wirklich nicht zum Vorwurf machen, "nur" das Kind schützen zu wollen.

kalliopevorleserin hat gesagt…

Die nächsten sind wahrscheinlich die Möglicherweise-nie-wieder-so-ganz-normal-Werdenden. Also z.B. komatöse Kinder, wie ich es war.

Anonym hat gesagt…

Zyniker erwarten schon den Moment, wo man, wie in Gilbert & Sullivans "The Mikado" singen kann: "I've got a little list, I've got a little list" (eine Liste mit Leuten, die es verdient hätten, daß man sie beseitigt). Nur, im "Mikado" hatte nur einer diese Liste (der Lord High Executioner), und jetzt soll/will die ganze Gesellschaft so etwas zusammenstellen. Hmmm ... ich bin 40. Wie lange bin ich da noch sicher?

Zwetschgenkrampus

gerd hat gesagt…

Der Vorwurf an die Abtreibungsgegner, sie würden sich nicht genügend um die geborenen Menschen kümmern, ist verzweifelte Argumentationsnot. Es gibt keinen Grund ungeborenes Leben zu töten, weil im Falle der Leibesfrucht sogar die Notwehr nicht greift. Allein die Diskussion darüber hat vor 40 Jahren die Büche der Pandorra geöffnet aus der jetzt die Euthanasie und anderes Unheil entfleucht. Aber: Das ist nur die logische Konsequenz dieser Entwicklung die sich zuerst immer gegen die Schwächsten der Gesellschaft richtet. Das ungeborene Kind, der alte Mensch, der kranke Mensch, der behinderte Mensch. Klaro, hier ist der Widerstand am geringsten und das alles kann sogar unter dem Deckmantel der Nächstenliebe (unfassbar) entschuldigt werden. Es ist klüger und sicherer sich für den umfassenden Lebensschutz einzusetzen, der Damm allerdings ist gebrochen und die gottlosen Wasser werden, wenn nicht Gott eingreift, auch die heute noch starken Stimmen des Lebensschutzes im Alter mit sich reißen. Ich bin kein Pessimist, aber der Mensch kann sich den Folgen seines Tuns nicht entziehen. Die werden grausam sein. So viel steht schon mal fest. Und ja, wir haben diese Strafe verdient.

Braut des Lammes hat gesagt…

Irgendwie fällt mir bei solchen Leuten auch das Zitat von Martin Niemöller ein. Zum Schluß ist keiner mehr da, der protestieren kannn.

Richelieu88 hat gesagt…

Kardinal von Galen hat doch schon mal in seiner berühmten Predigt davor gewarnt, dass man sich nach den Behinderten an den Alten vergreifen würde.
Die Annahme hat sich jetzt wohl bestätigt...