Montag, 19. November 2012

Kaiser, Mathematiker, Super-Katholiken...

Zu diesem Posting erhielt ich folgende Kommentare:
    Alexander hat gesagt...

    Ich bin Katholik. Mein Interesse ist der ungehinderte Zugang zu den Heiligen Städten meines Glaubens. Ob sich Juden und Moslems dort die Köpfe einschlagen, geht mir gelinde am Hintern vorbei.
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    U. P. hat gesagt...

    @Alexander

    ganz netter und reizender Versuch.

    Sag ich aus neutraler Warte, ich bin Kaiser von China.
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    kalliopevorleserin hat gesagt...

    @Alexander: Fast noch schlimmer als diese perfiden Lügen ist die gnadenlose Gleichgültigkeit vor dem Schicksal anderer Menschen. "Ich bin Katholik und mir ist egal" klingt für mich wie "Ich bin Mathematiker und kann nicht zählen".
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    Alexander hat gesagt...

    Mathematiker ist der Chef der deutschen Piusbrüder und der kann gut rechnen. Der Kaiser von China kann das offenbar nicht. Gleichgültigkeit. Ja! Warum sollte ich mich in einen Konflikt einmischen, den ich nicht verstehe, der mich nichts angeht, zu dem ich auch sonst nicht die geringste Beziehung entwickle? Auf welche Seite soll ich mich schlagen, im Wissen, das es garantiert die falsche ist?

    Wenn meine Kritiker dies wissen, ist das ihre Entscheidung, die sie allein vor Gott verantworten müssen. So wie jeder Mensch seine Entscheidungen vor dem Jüngsten Gericht zu verantworten hat.

    Ich sage: Macht Frieden. Aber das können weder die Juden, noch die Moslems.

    Soll ich deshalb Partei ergreifen? Niemals. Ich wüsste nicht warum, wofür und für wen. Ich bin Katholik. Die einzige Partei, die ich kenne, ist mein dreifaltiger Gott. Das Weltethos eines Küng geht mir Hintern vorbei.

    Einigen anderen offenbar nicht. Katholische Gutmenschen ist das Letzte, was meine Religion zum Überleben braucht.
Daß man als Katholik Interesse am ungehinderten Zugang zu den Heiligen Städten seines Glaubens hat, ist völlig nachvollziehbar. Ob es einem "am Hintern vorbei" gehen muß, wenn andere Menschen sich die Köpfe einschlagen, ist debattierbar.

Man muß den Konflikt auch nicht verstehen, um zu erkennen, daß er einen dennoch etwas angeht. Erst einmal sind bei einer Eskalation auch die Heiligen Stätten, an denen man sich interessiert zeigt, gefährdet. Zweitens muß ich nicht verstehen, warum zwei Leute sich anschicken, sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen, um dies verhindern zu wollen. Ich muß nicht verstehen, warum Lügen erzählt werden, um das Lügen selbst zu verurteilen.

Jedermann wird sagen "Macht Frieden!", so lange er oder sie nichts in den Konflikt investiert hat. Jesus sagte aber nicht "Selig sind die, die sagen 'Macht Frieden'", sondern er sagte "Selig sind die, die Frieden stiften". Und Frieden ist nun mal nicht etwas, das man sich dauerhaft nur für sich oder für die Katholiken oder die Heiligen Stätten seines Glaubens wünscht, sondern es ist ein Zustand, der an so vielen Ecken und Enden der Erde wie möglich herrschen sollte. Daß es uns nie gelingen wird, überall auf der Erde Frieden zu schaffen, steht auf einem anderen Blatt. Das nimmt uns nicht aus der Pflicht, trotzdem zu versuchen, für Frieden zu sorgen und Konflikte und Lügen zu verurteilen, selbst wenn diese zwischen Juden und Moslems stattfinden sollten. Wer dieses Anliegen mit Küngschem Weltethos oder Gutmenschetum verwechselt, der liegt falsch.

Ich wünsche den Leuten keinen Frieden, weil sie Katholiken sind ("Ob sich Juden und Moslems dort die Köpfe einschlagen, geht mir gelinde am Hintern vorbei"), sondern ich wünschen den Leuten Frieden, weil ich Katholik bin.

Kommen wir zu meiner Privat-Interpretation: Mir wird immer ein wenig mulmig, wenn Leute sich den Anschein zynischer Abgeklärtheit und emotionalen Inseldaseins geben, damit ihr Super-Katholiken-Status nicht in Gefahr gerät. Eine solche Einstellung ist mir extrem unsympathisch und zeugt zumindest für mein Empfinden nicht von der Weitsicht, die nötig ist, um den katholischen Glauben attraktiv zu machen und zu verbreiten.

So als kleiner Wink mit dem Zaunpfahl für Leute, die künftig hier kommentieren...

Kommentare:

Alexander hat gesagt…

Ich bin kein "Super-Katholik". Ich bin eher das, was sie verächtlich "Taufscheinkatholiken" nennen.

Aber doch, ein erheblicher Teil meiner Identität speist sich aus meinem Glauben. Genau deshalb sind mir Juden, wie auch Moslems suspekt. Wenn sie das nicht nachvollziehen können - nun ja. Ich habe ihren Wink verstanden und verabschiede mich höflich: Helfe ihnen Gott.

gerd hat gesagt…

Zynische Abgeklärtheit und das Inseldasein wurde mir vorgeworfen,(natürlich durch die Blume) als ich ein 4 Augen Gespräch mit unserem Pfarrer hatte, weil ich seine Predigt von der leeren Hölle kritisierte und um eine Stellungnahme bat. Nun denn, ich war sehr schnell in der Rolle des denunzierenden Superkatholiken, der den Menschen den katholischen Glauben madig macht, weil er doch tatsächlich die Hölle als Option für das Scheitern eines Menschenlebens ernst nimmt, was Jesus uns im übrigen hinter die Ohren geschrieben hat.
Deswegen sehe ich deine Privat-Interpretation, mit etwas gemischten Gefühlen, zumal mich der Pfarrer in meiner Abwesenheit als Betonkopf bezeichnet hat. Momentan weiß ich nicht, in welcher Rubrik ich mich jetzt ablegen soll, weil mir das Leid eines jeden Menschen natürlich nicht am A..... vorbei geht.

Alipius hat gesagt…

@ Alexander: Sie haben den Wink nicht verstanden, denn es ging und geht nicht um das Sich-höflich-Verabschieden sondern um ein umsichtigeres Formulieren bei Kommentaren (z.B. einerseits darauf bestehen, daß ein großer Teil der Identität sich aus dem katholischen Glauben speist, andererseits pauschal Juden und Moslems als "suspekt" beschreiben. Wie will man Menschen, die einem "suspekt" sind, dazu bringen, daß sie Christus als ihren Erlösen annehmen?).

Alipius hat gesagt…

@ Gerd: Meine Einstellung zur Frage "Hölle oder nicht" habe ich ja vor einiger Zeit gepostet. Mit "zynischer Abgeklärtheit" meine ich nicht das Aufrechterhalten und Weitergeben der katholischen Lehre, sondern das "am Hintern vorbeigehen".

U. P. hat gesagt…

Falls es denn notwendig wäre zu verdeutlichen:
Ich habe noch nie einen Katholiken sagen hören, es sei ihm völlig egal,wenn Nicht - Katholiken sich untereinander bekriegen.
Dem Satz "ich wünsche den Leuten Frieden" würde jeder Katholik zustimmen, den ich kenne, schon im Sinne der Nächstenliebe, und da ist keiner drunter, der sich für irgendwelche "Weltethos" - Ideologie erwärmen könnte. Darüberhiaus gibt es genügend
gute, vernünftige Gründe, ein friedliches Nebeneinanderleben von Israelis und Nachbarn zu wünschen.

Das andere: daß die Wahrheit besser als die Lüge ist, sollte ja wohl leicht als katholische Position durchgehen, und Claudia S. Versuch, einige veröffentlichte Lügen zu entlarven, kann man auch nicht damit gültig kontern,indem man jene, denen diese Richtigstellung dient, hier die Israelis, als belanglose Subjekte deklariert.

Die zusammengenommen habe ich also eine Wahrscheinlichkeitsschätzung in den Raum geworfen, daß ich den Satz "Ich bin katholisch" verbunden mit der Referenz "Kriege anderer gehn mir am Hintern vorbei" für so stichhaltig erachte, wie die Tatsachenbehauptung, daß ich der Kaiser von China bin.

gerd hat gesagt…

@Alipius

>>Meine Einstellung zur Frage "Hölle oder nicht" habe ich ja vor einiger Zeit gepostet.<<

Bei dir hätte ich auch nicht auf der Matte gestanden. ;-)

Anonym hat gesagt…

... man braucht nicht Partei zu ergreifen und nicht den Konflikt zu verstehen und noch nicht einmal Sympathie für die mutmaßlichen Gründe, aus denen sich die Leute gegenseitig die Köpfe einschlagen, zu hegen, um darüber traurig zu sein, daß sich dort Menschen, Geschöpfe Gottes, gegenseitig die Köpfe einschlagen, und für die Köpfeeinschläger um bessere Einsicht und für diejenigen, deren Köpfe eingeschlagen werden, obwohl sie selbst nicht schlagen, um Tapferkeit, Hoffnung und Mut und die Freiheit von Rachegedanken zu beten.
Damit wäre man sogar in bester Gesellschaft, nämlich der des Superkatholiken schlechthin (des Papstes), der regelmäßig dazu aufruft, um Frieden in Kriegsgebieten zu beten.

Alles andere ist zu hoch für mein schlichtes Gemüt.

ein Gutmensch