Montag, 12. November 2012

Hölle oder nicht?

Bastian (von Echo Romeo) verweist auf einen Artikel bei kath.net. Dort liest man, daß der US-Theologe Ralph Martin vorschlägt, die kirchliche Lehre von der Hölle und von der Möglichkeit der Verdammnis wieder stärker zu betonen, da diese heutzutage weitgehend in Vergessenheit geraten ist.

Frage: Darf man das?

Ich denke, daß man es nicht nur darf, sondern daß man es sogar muß. Mal abgesehen davon, daß Jesus selbst vom "ewigen Feuer" und vom "unauslöschlichen Feuer" spricht, finde ich auch die Argumente gegen eine Wiederbelebung der Höllen-Information nicht wirklich überzeugend.

Denn eine solche Praxis entspricht keineswegs einer sogenannten "Drohbotschaft". Eine solche Praxis ist lediglich ein Wegweiser, eine Orientierung und somit schlimmstenfalls eine Warnung. Übel wird es, wenn von kirchlicher Seite eine Routine einreißt, in der die Hölle nur noch drohend vermittelt wird und nicht so, daß der katholische Christ sich informiert und frei am Gehörten orientieren kann. Es bleibt aber dabei: Das schlichte Vermitteln der Lehre von der Hölle ist keine Drohung, sondern höchstens eine Warnung.

Auch trifft es nicht zu, daß die Hölle Gott von einem liebenden Vater zu einem rachsüchtigen Tyrannen macht. Die Existenz der Hölle und die Liebe Gottes zu jedem seiner Kinder widersprechen sich nicht, da der Mensch sich freiwillig dazu entscheiden muß, die Liebe Gottes anzunehmen und zu erwidern. Gott ist so wenig Tyrann, daß er uns sogar die Freiheit läßt, ihn abzulehnen. Nun könnte man einwenden, daß wir dann ja doch nicht frei sind, wenn ein Ablehnen Gottes in die Hölle führt. Da möchte ich nur auf die Realität hinweisen: Es gibt heutzutage genug Menschen, die einerseits von der Hölle gehört haben, andererseits aber Gott ablehnen oder an ihn glauben, aber auf schwere Weise gegen seine Gebote sündigen. Da schimmert für meinen Geschmack doch genug "Freiheit" durch.

Das reine Informiert-Sein über die Hölle führt also ganz offenbar nicht zu einem Verlust der Freiheit. Es führt aber auch nicht automatisch zu einem mehr Freiheit. Denn zur Freiheit führt nicht das Wisse über oder das Fixieren auf die Hölle, sondern eine eingehende Beschäftigung mit Gott und seiner Liebe zu seinen Geschöpfen. Denn wenn man sich ernsthaft darauf einläßt, dann entsteht die Freiheit, aus ganzem Herzen "Ja!" zu sagen zu diesem Angebot. Versteift man sich nur auf die Hölle und liebt Gott mit der Furcht eines Sklaven, dann verkümmert die Seele. Versteift man sich nur auf die Hölle, um sie als Kindermärchen abzutun, dann wird man zum Sklaven seiner eigenen Bedürfnisse.

Wenn man Gott aber nicht mit der Furcht eines Sklaven (also aus Furcht vor Bestrafung durch den Herrn) liebt, sondern mit der Furcht eines Kindes (also aus Furcht, den geliebten Vater zu verletzen), dann kann man lernen, die Hölle zu respektieren, ohne sich auf krankhafte Art auf sie Fixieren zu müssen.

Der Barmherzigkeit Gottes tut ein weites Bekanntmachen der Lehre von der Hölle ebenfalls keinen Abbruch. Erst einmal hängt die Barmherzigkeit unseres himmlischen Vaters ganz und gar nicht davon ab, ob wir nun auf Erden über die Hölle reden oder nicht. Uns aber ist ein solches Reden - wie gesagt - ein Wegweiser, eine Orientierung. Und genau dieser Wegweiser kann im entscheidenden Moment dazu führen, daß selbst eine von Sünde niedergedrückte Seele sich jammernd und flehend ihrem Schöpfer entgegenreckt, anstatt stolz in der Sünde zu verharren. Und genau an diesem Punkt wird die Barmherzigkeit unseres himmlischen Vaters auch nicht versagen, davon bin ich zutiefst überzeugt.

Auch was das Miteinander in unserer Gesellschaft betrifft, scheint mir angesichts der im vorigen Posting beschriebenen Exzesse eine Anerkennung der Lehre über die Hölle nicht vollkommen verkehrt: Diejenigen, die über die Hölle informiert und somit gewarnt sind, stehen ruhig vor einer Kathedrale und beten. Diejenigen, die die Hölle verlachen, tun ihr Möglichstes, auf Erden einen Vorgeschmack derselben anzubieten.

Letzter - etwas polemisch formulierter - Punkt: Ein gesteigertes Bewußtsein über die Hölle und die ewige Verdammnis könnte unter Umständen auch dazu führen, daß Allerlösungs-besoffene Schunkel-Katholiken mit eingebautem Entrüstungs-Piloten vor allem während der Liturgie zur Abwechslung auch mal wieder auf IHn und SEine Lehre und SEine Präsenz achten und nicht nur auf sich und ihre Unterwasser-Töpfern-Aktionswoche gegen den Zölibat, gegen Prada-Schuhe tragende Päpste und gegen die "demütigende" Praxis der Mundkommunion.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Danke, Herr Alipius!
Ich habe das ohnehin noch nie verstanden, warum man nicht von der Existenz der Hölle (und des Fegefeuers) sprechen soll.
Man will doch auch im Vorhinein wissen, ob eine Kopfschmerztablette langfristig zu Leberschäden führen kann, ob der Biodiesel den Motor kaputtmacht, und dank EU-Recht muß auf jeder Zigarettenschachtel ein Hinweis kleben, daß Rauchen tödlich sein kann. Die EU, die Grünen und die Verbraucherschützer sagen, daß Information dazu führt, daß man sich selbst seine Meinung bilden und seine Entscheidung treffen kann, also wirkliche Entscheidungsfreiheit hat, statt dumpf irgendwem hinterherzutrotten oder blind ins Unglück zu rennen.

Da die Kirche über das Leben nach dem Tod mehr weiß als der Durchschnittsbürger, kann man wohl von ihr erwarten, daß sie darüber informiert, daß bestimmte Verhaltensweisen auf lange Sicht (für's Seelenheil) schädliche Folgen haben können. Und auch über Gottes Barmherzigkeit und das Gegengift der Reue natürlich.

Ein großes Lob an Ralph Martin für seinen Einsatz für eine zeitgemäße Modernisierung der Informationspolitik der Kirche in diesem Punkt.