Donnerstag, 29. November 2012

Hallo! Mein Name ist Alipius, und ich bin weder...

... deutsch noch weiß noch männlich noch heterosexuell noch habe ich einen mittelständischen Hintergrund!

Da dies nun aus dem Weg ist, hier die eigentliche Nachricht:

Eine Professorin für Politikwissenschaft an der Butler University/Indianapolis hat im Syllabus ihres Kurses die Stundenten aufgefordert, ihre
    American-ness, maleness, whiteness, heterosexuality, middle-class status
zu mißachten, wenn sie etwas schreiben oder im Vorlesungssaal reden.

Man sieht gleich, wo hier der Fehler liegt: Die Meat-eater-ness und die Christian-being-ness werden sträflicherweise nicht mit angeführt.

Im Ernst jetzt: Wilhelm-Theodor-Friedrich?

Man geht also als amerikanischer, männlicher, weißer, heterosexueller Mittelständler in diesen Kurs mit einem hübsch geschnürten Paket an Vorschuß-Lorbeeren, welches einen als Nationalist, Frauenhasser, Rassist, Schwulen-Basher und Status-Junkie ausweist?

Ich bin mir ziemlich sicher, daß dies genau das ist, was die USA im Moment brauchen: Studenten, denen erzählt wird, daß alles, was sie in Zukunft erforschen, erarbeiten, erfinden, produzieren wertlos ist, so lange es nicht während jeder Sekunde mit äußerster Sensibilität gegenüber jedem einzelnen Individuum geschieht, welches sich möglicherweise dadurch angegriffen und/oder verletzt fühlen könnte, daß man nicht jeden Satz mit einer gesetzlich abgesegneten Phrase beginnt wie z.B. "Ich erkläre hiermit, daß ich meine US-amerikanische Nationalität, mein männliches Geschlecht, meine weiße Hautfarbe, meine heterosexuelle Orientierung und meine Zugehörigkeit zur Mittelschicht vorbehaltlos ignorieren werde und bitte zugleich darum, daß ihr mir nun sagt, wer oder was ich eigentlich bin!?"

Witzigerweise führt der Syllabus weiter aus (ÜS meine):
    Wirklich inklusive Sprache bestätigt Sexualität, Hintergründe der Rassen und Ethnien, Reifestadien und das Ausmaß von Randbedingungen.
Außer, wenn "American-ness, maleness, whiteness, heterosexuality, middle-class status" bestätigt werden sollen.

Ebenfalls wird darauf hingewiesen, daß Weiße in den USA in zwanzig Jahren nicht mehr die Mehrheit sein werden. Somit sei es hilfreich, wenn man sich durch die vorgeschlagenen Verhaltensweisen schon mal an eine sich verändernde Welt gewöhnt. Und das tut man natürlich am besten, indem man seine eigene Identität leugnet.

African American Studies, Woman Studies, Asian Studies, Hispanic Studies, Gender Studies, Diversity Studies und der ganze andere Kram führen also offensichtlich nicht dazu, daß die behandelten Gruppen in ihrer Identität gestärkt werden (vielleicht war dies auch nie wirklich das Ziel), sondern nur dazu, daß geschwätzige Aktivisten, die in handwerklichen Berufen und tatsächlichen Wissenschaften nicht Fuß fassen konnten (oder wollten), durch aufgezwungene Vorgaben einen "Ich bin okay, Du bist okay"-a-Thon lostreten, in dem eine solche Profil-, Charakter- und Identitätslosigkeit herrscht, daß man gar nicht mehr mit Bestimmtheit sagen kann, warum man den Anderen nun eigentlich "okay" findet.

Kommentare:

kalliopevorleserin hat gesagt…

Könnte man den Studenten nicht einfach sagen, daß sie bittschön wissenschaftlich arbeiten sollen? Und jeden Studenten darauf aufmerksam machen, wenn er unsachlich wird und das mit seiner Hautfarbe, seinem Sozialstatus, seiner sexuellen Orientierung oder was auch immer zu tun haben kann?

Anonym hat gesagt…

kalliopevorleserin:

Völlig unwissenschaftlicher Vorschlag, der impliziert, daß es Fakten unabhängig von Personen geben kann. Wir wir alle wissen, entstehen sogen. "Fakten" erst in der Wahrnehmung einer Person, und es ist daher von höchster Wichtigkeit, die Wahrnehmung dieser Person zu erforschen, zu formen und zu kontrollieren. Dafür brauchen wir einen Haufen selbst ernannte, empowerte und sich gegenseitg bestärkende Experten und -Innen (wenn möglich nicht männlich, alternative Lebensstile praktizierend, ja nicht Mittelklasse) die dafür sorgen, daß "neutrales" Wissenschafts- oder Faktendenken nicht mehr anerkannt (Fernziel: nicht mehr existieren) wird. Es folgt der Wetterbericht ...

Zwetschgenkrampus