Dienstag, 13. November 2012

Ein Bistum knickt ein...

Auch in diesem Jahr gab es im Dom zu Speyer keine Hubertusmesse. Online berichten sowohl Jagd-Magazine als auch Tierschutz- bzw. Anti-Jagd-Seiten über einen erfolgreichen Protest von Tierschützern, welcher dazu führte, daß die Messe nach 2010 und 2011 auch in diesem Jahr wieder ausfiel.

Nun ist es nicht so, daß ich mit der Jagd-Szene oder der Tierschutz-Szene irgendeinen Vertrag habe. Ich habe aber mit der Kirche einen Vertrag und finde es daher bestenfalls erstaunlich, daß das Bistum die Hubertusmesse einfach streicht. Bedenklich finde ich auch, daß ich beim Ergoogeln der Hintergründe immer wieder auf Tierschutz-, Anti-Jagd- und Öko-Seiten stieß, die der Sekte Universelles Leben nahestehen oder nahestehen sollen oder auf der Sekte nahestehende Seiten verlinken. Und wie diese Sekte zur katholischen Kirche steht, dürfte bekannt sein.

Ich möchte ebenfalls noch anmerken, daß es bei den Jägern immerhin die Waidgerechtigkeit gibt (auch wenn ich nicht weiß, ob sie immer beachtet wird). Bei den etwas radikaleren Tierschützern gibt es hingegen so etwas wie das Ansägen von Hochsitzen, wodurch schon mehr als ein Jäger schwer verletzt wurde. Diese Praxis finde ich mehr als seltsam, wenn ich bedenke, daß Tierschützer sich auf den Respekt vor der Kreatur berufen.

Eigenartig klingt die Begründung des Bistums:
    Als Bischofskirche und UNESCO-Welterbestätte sei der Dom von so exponierter Bedeutung, dass er aus dieser Auseinandersetzung herausgehalten werden müsse.
Ich sehe nicht, wie das Feiern einer Hubertusmesse in einem katholischen Gotteshaus - egal welcher Bedeutung - als Einmischung in eine "Auseinandersetzung" betrachtet werden kann.

Wenn Tierschützer und Medien sagen, man müsse sich erst einmal darüber "unterhalten" (sprich: "in einer Tearwrencher-Koproduktion die böse, mit den Jägern kollaborierende Kirche an den Pranger stellen"), dann würde ich als Bischof sagen: "Schön! Unterhaltet Euch darüber. Wir feiern in der Zeit die Hubertusmesse. Laßt mich danach wissen, zu welchen Schlüssen Ihr gekommen seid."

Kommentare:

Bastian (Sierra Victor) hat gesagt…

Alipius for bishop!

Helene hat gesagt…

@Bastian:
Unbedingt!! Subito!!

U. P. hat gesagt…

"Bischofskirche und UNESCO-Welterbestätte"

gleich:

"Unsere Exponate brauchen museale Ruhe. Heilige samt Berufsgruppen, die unter dessen Patronat stehen, welche irgendwelche Dritte zum Lärmen provozieren könnten, haben deshalb keinen Zutritt." ???

Martina Katholik hat gesagt…

Nun ja, das fällt wohl unter die Konzil-Rubrik "Öffnung zur Welt". Man macht alles das, was die Welt will oder nicht will.

Das ist zwar nicht entsprechend der Lehre Christi, vermeidet aber gerade deshalb "unangenehme" Konflikte. Ob man so in den Himmel kommt, ist allerdings mehr als zweifelhaft.

Cinderella01 hat gesagt…

Na dann bin ich ja mal gespannt, wann sie in Dortmund einknicken. Da wünschte sich ein Neunjähriger Junge, dass auf seinen Grabstein ein BVB-Logo kommt. Die Kirche aber sagt nein, weil es kein christliches Symbol sei.
Inzwischen gibt's 120.000 Facebookeinträge (SPON schreibt 50.000), die "dafür" sind und natürlich wieder die üblichen Artikel gegen die "böse unmenschliche Kirche" in den üblichen Medien ...
jaaa, der Fußballgott
http://beiboot-petri.blogspot.de/2012/11/die-medien-fordern-abermussdiekirchewir.html

kalliopevorleserin hat gesagt…

Alternativ zur Jagd kann man natürlich auch wieder Braunbären auswildern. Die würden das Problem der zu vielen Wildschweine und Rehe lösen. Allerdings auch das der zu vielen Spaziergänger, aber da sie sicher zuerst die alten,klapprigen nähmen - so funktioniert natürliche Auslese -, wäre das ja nur im Sinne des Rentenzahlers. Klar, um das ganz artgerecht zu machen, müßte man auch einige kleiner Städte zum Forstschutzgebiet erklären. Warum auch nicht, auf dem Land ist es eh schöner.

Anonym hat gesagt…

Da lob ich mir den Dom zu St. Stephan in Wien, da gabs erst kürzlich eine große Messe mit vielen Jagdhörnern und grossem Tamtam. Ich weiss aber nicht obs vorher Proteste gab...

Mary

U. P. hat gesagt…

Im übrigen hat sich das Bistum auch nicht"herausgehalten".

Es hat sich auf die Seite, nein noch nicht mal "der Welt", sondern auf die einiger weniger Tier -"Schützer", indem es das Fest gerade desjenigen Heiligen, der einsah, daß man Tiere nicht zum Spaß jagen darf sowie die Traditionsmesse der sich auf ihn berufenden Jägerzunft verworfen hat.

Das bei dieser Art Jagdhasser Argumente sinnlos sind (s. @kalliopevorleserins comment)ist klar, deswegen geht es sie dennoch einen feuchten Kehrricht an, was in einer katholischen Messe gefeiert wird und wie!

Richelieu88 hat gesagt…

Ach ja, die Typen vom "Universelle Leben": Flippen aus, wenn es um die Dezimierung von auf Dauer schädlichem Wild geht, machen aber der Kirche heftige Vorwürfe, wenn sie sich für ungeborenes Leben einsetzt, das in deren Augen gar kein echtes Leben sein kann. Wir leben schon in einer sehr seltsamen Welt...

Friedrich Kuhlau hat gesagt…

Warum soll eigentlich ein kleines Bistum nicht einknicken dürfen, wenn auch die große Weltkirche einknickt, sobald es um berufsempörte Muselmaniacs geht?

Anonym hat gesagt…

Nun steht hier auch noch was über die ganze Sache: http://www.pro-iure-animalis.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1154&Itemid=110