Montag, 12. November 2012

Die Abwärtsspirale

Vor zwei Jahren sagte Papst Benedikt XVI im Flugzeug nach Santiago:
    "In Spanien entstand ein starker und aggressiver Laizismus, wie wir es in den 30er Jahren gesehen haben".
Die spanische Presse machte daraus:
    Dass er den modernen Laizismus mit dem mörderischen Antiklerikalismus der Bürgerkriegsjahre in einen Topf warf, nannte die liberale Tagezeitung "El País" am Sonntag eine "eines gelehrten Mannes unwürdige Unverschämtheit".
Näheres hier.

Vor wenigen Wochen stürmten in Spanien etwa 100 junge Leute eine Salesianierschule und stießen dabei Schlachtrufe aus wie "Wo sind die Priester? Wir werden sie auf dem Scheiterhaufen verbrennen" oder "Mehr öffentliche Bildung und weniger Kreuze". Sie trugen Flaggen mit sich, die schon im spanischen Bürgerkrieg von Anarchisten, Stalinisten, Marxisten und anderen Isten benutzt wurden. Der Papst war also schon 2010 mal wieder der Zeit voraus.

Ebenfalls vor zwei Jahren schrieb Christian Schmidt-Häuer in der ZEIT:
    In der haßerfüllten antiklerikalen Stimmung dieser Jahre zündeten republikanische Meuten Kirchen an und ermordeten Tausende von Nonnen und Priestern. Der Klerus, aggressiv und dem Blutvergießen kaum weniger abhold, diente dem faschistischen Franco-Staat ergeben im Rahmen des sogenannten Nationalkatholizismus.
Daß die katholische Kirche in Francos Spanien (und auch in der Zeit davor) nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert hat, ist erstans bekannt, wird aber sicherheitshalber im Kommentarbereich dieses Postings nochmal aufgearbeitet. Daß ist allerdings kaum eine Entschuldigung dafür, daß ein Journalist behaupten darf, der spanische Klerus sei annähernd so interesiert am (wenn nicht erfolgreich im) Blutvergießen gewesen, wie die republikanischen Meuten. Aber entschuldigen muß man so etwas heutzutage wohl auch nicht mehr, denn es paßt ja prima in die Weltsicht vieler Leute.

Wahrscheinlich paßt es z.B. nicht wenigen argentinischen Emanzen, Sex-Aktivisten und Extrem-Abortisten, die am Allerheiligen-Fest die Kathedrale in Buenos Aires belagerten und durch massiven Polizeiaufwand davon abgehalten werden mußten, diese zu stürmen (MSM-Video hier). Ebenfalls in Argentinien, genauer in Posadas, versuchten anfang Oktober durchgeknallte Feministinnen ebenfalls die Kathedrale zu stürmen. Die Kirche wurde von einem Ring betender Katholiken geschützt. Diese tapferen Männer und Frauen sahen sich daraufhin übler Behandlung ausgesetzt (Video hier. Obacht! Ab 13:10 gibt es weibliche Unbekleidetheit, vor der ich warne, weil einige Leute dies schon aus Prinzip unanständig finden, und weil alle Leute es in diesem speziellen, grottenolmigen Fall unanständig finden werden). Sie wurden angebrüllt, beschimpft, bespuckt, mit Farbe besprüht und beschmiert, mit Hitler-Bärtchen "verziert", dies von einer Meute hysterischer Weiber, bei deren Anblick mir als erstes in der Tat nur der Begriff "besessen" durch den Kopf schoß (z.B. die Tusnelda mit dem grünen Tuch vor dem Mund zwischen ca. 4:00 und 5:00).

Wenn ich mir diese Videos (und auch das im Oktober 2008 auf am römsten gepostete) ansehe, erkenne ich dies: Die "bösen" Katholiken stehen dort, beten und werden durch verbale und physische Gewalt gedemütigt. Die "guten" Abtreibungsbefürworter benehmen sich, als seien sie irgendwo im Wald von Orks großgezogen worden. Somit wird mir eines klar: Der immer wieder gehörte, dämliche Vorwurf, daß Lebensschützer sich nur für das Leben im Mutterleib interessieren, aber nicht für bereits geborene Menschen, den sollte man angesichts dieser Bilder mal ganz schnell vergessen und sich lieber fragen, inwieweit Menschen, die bereit sind, das Leben im Mutterleib zu beenden, nicht auch früher oder später auf den Trichter kommen, daß dann auch anderes Leben nicht notwendigerweise mit Respekt zu behandeln ist.

Auch im deutschsprachigen Raum sind wir bereits auf einem guten Weg. Das traditionelle Rumgeprolle der Gegendemonstranten auf jedem Marsch für das Leben kommt zwar bisher noch größtenteils bis gänzlich ohne körperliche Gewalt daher, aber wenn man sich Seiten wie antiabortionmafia.blog.com ansieht, dann erkennt man, wie der vor Argentiniens Kathedralen sprühende Haß und die dort praktizierte Gewalt auch in Deutschland und in Österreich in hohle und daher aufnahmebereite Köpfe eingetrichtert werden soll und wird. Ich verlinke nicht zu der Seite. Zwar sollte man sie sich schon einmal ansehen, um die haßerfüllte und gänzlich realitätsferne Sprache und das festzementierte Weltbild zu genießen, aber das bedeutet nicht, daß diese Seite Klicks aus meiner Richtung verdient.

Die Situation in Spanien und Argentinien, die Anfänge in Deutschland und Österreich und das Potential in den USA weisen alle zusammen auf eine für Katholiken interessante Zukunft hin.

Ein kleines P.S.: Angesichts der Ereignisse in der Salesianerschule in Spanien wünschte ich mir, "El País" verschwendete nochmals ein paar graue Zellen in Bezug auf den Artikel von damals. Stets und immer heißt es aus berufsbetroffener Richtung, man möge doch bitte den Anfängen wehren. Wenn der Papst warnt, bzw wenn es gegen die Katholiken geht, dann liegt für viele unserer ach so besorgten und ach so mahnenden und ach so aufgeklärten Journalisten-Freunde der Anfang wohl erst hinter dem Ende. Heuchler-Pack.

Und ein klitzekleines P.P.S.: Die Leute, die vor der Kathedrale beten, sind für mich Helden des Glaubens.

Kommentare:

Martina Katholik hat gesagt…

"Die Situation in Spanien und Argentinien, die Anfänge in Deutschland und Österreich und das Potential in den USA weisen alle zusammen auf eine für Katholiken interessante Zukunft hin."

Wenn darauf mehr Priester hinweisen würden, statt sich in Kämpfen gegen das Zölibat und für den Kommunionempfang für "wiederverheiratete Geschiedene" zu verausgaben, wäre sicherlich noch vieles abzuwenden.

In der Geschichte der Katholischen Kirche soll es früher einmal nächtliche Sühneanbetungen oder öffentliche Bußprozessionen gegeben hat, sogar angeführt von mittlerweile kanonisierten Heiligen, die mit Stricken gefesselt, barfuß ein Kreuz schulterten, wonach das jeweilige Strafübel schnell verschwand. Man könnte aber auch endlich zur allgemeinen Buße aufrufen, so wie die Muttergottes es bei mehreren kirchlich anerkannten Erscheinungen gefordert hat, was aber völlig in Vergessenheit geraten ist.
So wie ich die Dinge beobachte, sind wir aber von der Anwendung dieser Heilmittel noch weit entfernt.

Daher wird die "interessante Zukunft" schnell näher kommen.

Anonym hat gesagt…

Wenn ich mich so in die Kirchengeschichte vertiefe, dann fällt mir auf, daß aus Frankreich und Spanien neben den "katholischen Alltagsmenschen" (so wie wir selbst sind) schon des öfteren auch "Alles-oder-Nichts"-Typen gekommen sind; entweder 110% fromm, demütige Priester, Ordensgründer, Mystiker, Kirchenlehrer - oder 110%ige Antiklerikale, Kirchenstürmer und Pfaffenfresser (Frankreich etwa: Religionskriege, Revolution, Kommune ... Spanien: Napoleonische Kriege, Bürgerkrieg, Jetzt-Zeit ...) Frage: Fällt dieser Hang zum Absoluten nur mir so auf??

Zwetschgenkrampus

Alipius hat gesagt…

@ Zwetschgenkrampus: Ja, habe ich auch schon mal drüber nachgedacht. Trifft ja auch ein wenig auf Italien zu, wo es sowohl große Frömmigkeit und Kirchentreue als auch wüsten Anarchismus und Antiklerikalismus gibt. Vielleicht eine Mentalitätssache...