Donnerstag, 11. Oktober 2012

Zum 50. Jahrestag...

... der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils gibt es im Internet 23 Fantastilliarden von Texten und Kommentaren.

Folglich ist dies hier der 23 Fantastilliardenunderste.

Ich fasse mich aber ganz kurz und stelle nur mal dies in den Raum:
    Es gebe „vielfach noch starken Nachholbedarf, damit unsere Kirche als Volk Gottes, in dem Frauen und Männer, Priester und Laien vertrauensvoll zusammenwirken, sichtbar wird“, schreibt Tänzler und stellt in der Folge das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen dem Weihepriestertum gegenüber.
Okay.

Die Kirche - als mystischer Leib Christi - ist nicht von dieser Welt. Die Kirche - als wandelndes Volk Gottes - agiert auf dieser Welt. Dennoch reden wir hier nicht von zwei verschiedenen Kirchen, sondern von einer, wie auch Lumen Gentium 8 bestätigt:
    Die mit hierarchischen Organen ausgestattete Gesellschaft und der geheimnisvolle Leib Christi, die sichtbare Versammlung und die geistliche Gemeinschaft, die irdische Kirche und die mit himmlischen Gaben beschenkte Kirche sind nicht als zwei verschiedene Größen zu betrachten, sondern bilden eine einzige komplexe Wirklichkeit, die aus menschlichem und göttlichem Element zusammenwächst.
Wenn ich mir eine handelsübliche Sonntags-Messe in Österreich anschaue, dann sehe ich um den Altar herum ein Durcheinander von Priestern und Leien, von Frauen und Männern, daß nur derjenige der Meinung sein kann, es gebe hier kein sichtbares Zusammenwirken, der die Unterschiede zwischen Priestern und Laien oder Frauen und Männern nicht kennt.

Wenn ich dann aber bei einem Heurigen sitze mit Leuten, von denen ich weiß, daß sie katholisch und in der Kirche engagiert sind, dann sehe ich niemanden, der vor dem Essen betet.

Wenn ich von diesen Leuten persönliche und private Geschichten aus dem Umfeld ihrer Familien erzählt bekomme, dann höre ich häufig, wie Menschen in ihrem sündhaften Verhalten bestärkt und in ihrem Handeln gegen die kirchliche Lehre ermutigt werden.

Wenn ich mich mit diesen Leuten über unsere Seele und das Heil derselben unterhalte, dann findet sich das Thema nach wenigen Sekunden heruntergekocht auf das, was nett und gesellschaftlich akzeptiert ist und nicht auf das, was wahr und uns von Christus aufgetragen ist.

Insgesamt habe ich manchmal den Eindruck, als wünsche man sich, daß der Priester während der Heiligen Messe so wenig wie möglich tut, während man gleichzeitig den Boden dafür bereitet, daß er außerhalb der Heiligen Messe ALLES tun muß, weil in den Familien, an den Schulen, in der Öffentlichkeit und im Alltag der Glaube einfach nicht mehr weitergegeben und auch nicht mehr wirklich gelebt wird.

Und das ist NICHT das, was ich mir unter einem vertrauensvollen Zusammenwirken vorstelle.

Kommentare:

Ameleo hat gesagt…

Dass du dich darüber ärgerst, wie sich die Leute dir gegenüber mit ihren Erwartungen und Zuschreibungen verhalten, kann ich gut nachvollziehen.

Eine Anmerkung dazu möchte ich mir allerdings erlauben: Das, was du erlebt hast und hier beschreibst, nämlich dass andere dir ungefragt Rollen und und Aufgaben zuschreiben und überstülpen, ist exakt das, was viele Frauen seit Jahrhunderten erlebt haben und erleben und wogegen heute viele auf die Barrikaden gehen. In der Tat ist das kein vertrauensvolles Zusammenwirken. Willkommen im Club!

Alipius hat gesagt…

@ ameleo: Wenn die Leute wenigstens den Mut und das Interesse hätten, mir Aufgaben zuzuschreiben! Sie schreiben sich selbst Aufgaben zu und hoffen, daß ich das, was sie lieber nicht tun wollen, von alleine mache.

Friedrich Kuhlau hat gesagt…

@Ameleo:

... nämlich dass andere dir ungefragt Rollen und und Aufgaben zuschreiben und überstülpen, ist exakt das, was viele Frauen seit Jahrhunderten erlebt haben und erleben und wogegen heute viele auf die Barrikaden gehen.

Ach Gottchen, die armen, armen Frauen! Weil ja Männern bekanntlich noch nie-nie-nie ungefragt Rollen und Aufgaben zugeschrieben wurden ...

Männer holen sich bekanntlich immer die Rosinen aus dem Kuchen, versklaven Frauen zu Sex- & Frondiensten, haben noch nie gearbeitet und verdanken ihre Herzinfarkte ausschließlich der Verfettung infolge obstinaten Nichtstuns, während all die armen, armen Frauen unter der Doppelbelastung eines Halbtagsjobs (für den sie unbegreiflicherweise nicht wie für einen 9to5-Job bezahlt kriegen, Frechheit sowas!) und der Bedienung der Microwelle zur Zubereitung irgendwelchen Fertigfutters – für gewöhnlich klagend mit "Ich muss für die gaaanze Familie kochen!" umschrieben – fast vor die Hunde gehen. Schrecklich, so'n Frauenleben, einfach schrecklich!

Willkommen im Club der Heulsusen, kann man da nur sagen ...

Ameleo hat gesagt…

@ Friedrich Kuhlau:
Danke für die Einladung in deinen Heulsusenclub. Ist nicht so mein Ding. Aber ich komm dich gerne mal trösten!

Anonym hat gesagt…

Puh, diese Probleme (die des 2fFantastilliardensten Unfugverfassers) hat aber auch nur ein Sonntagschrist, der meint, die Kirche / das Volk Gottes würden nur am Sonntag Vormittag im Altarraum eines Kirchengebäudes existieren, und wer dann auch noch "Zusammenwirken" mit "das Gleiche machen" verwechselt, oder?

Leider bin ich etwas ungebildet und habe nur eine vage Vorstellung von der Bedeutung des Wortes "Laienpriestertum". Aber ist man nicht genausoviel als Laienpriester tätig, wenn man z.B. unbequeme Fragen und Belächeln als altmodisch in Kauf nehmend seine nichtgläubigen Bekannten nötigt, einen anderen Zeitpunkt als den des Sonntagskirchganges vormittag für's Brunchen zu finden, wie wenn man in der Messe eine Lesung oder Fürbitte vorträgt?
Aber so lange viele der hiesigen Christen ihren Glauben im Kirchgebäude oder an anderen sicheren Orten wir Gebetsgruppen usw. verstecken, ist es vielleicht auch schwierig zu erkennen, daß Christen auch dann im Dienste Gottes unterwegs und Teil der Kirche sind, wenn sie gerade am Arbeitsplatz oder in der Familie versuchen, seinen Willen zu tun oder vor dem Einschlafen beten.
Falls ich da etwas falsch verstanden habe, bitte ich um Aufklärung.
Franziska