Donnerstag, 11. Oktober 2012

Kommentar-FAIL der Woche...

Was?

Schon wieder?

Da muß wohl erstens bald ein neues Label her, und zweitens sollte das dann lieber "Kommentar-FAIL des Tages" heißen.

Über eien Beitrag bei Josef Bordat stieß ich auf diese Meldung auf dieStandard.at.

Hintergrund: In Madrid und anderen spanischen Städten fand am 7. Oktober ein Marsch für das Leben statt. Erwartet wurden alleine in Madrid Hunderttausende, welche dann laut Veranstalter auch erschienen, nämlich in Madrid etwa 300.000. In deutschen Medien ist allerdings von 2.000 Teilnehmern die Rede.

Wer mal eine google-Bildersuche nach "Marcha por la Vida" abschickt und sie auf Bilder der letzten Woche beschränkt, der erkennt schnell, daß das mit den "2.000" Teilnehmern nicht wirklich hinhaut.

Aber die Medien pflegen ja schon seit einiger Zeit die Tradition, diese Veranstaltungen krampfhaft zu ignorieren oder herunterzuspielen.

Ganz anders die Leute in den Kommentarbereichen der Medien. Die nehmen diese Veranstaltungen nicht nur wahr, sondern demonstrieren mit ihren teils hysterischen, teils 23-bierigen, teils einfach nur traurig-dumpfen Haßtiraden, wie sehr ihnen das Thema auf die Pelle rückt.

Hier die unglaublichsten Beispiele von dieStandard.at, wo man ohnehin immer die Nase ein Stückchen weiter vorne hat, wenn es um Ignoranz und grottoide Kommentare geht:
    "Keine anderen Probleme in Spanien. Arbeitslosigkeit, drohende Armut, Sozialleistungen wegen Staatsschulden gestrichen und da demostrieren Abtreibungsgegner!"

    "Wichtige Wähler der Konservativen. Nur darum geniessen diese Spinner diesen Grad an Narrenfreiheit."

    "sollten die nicht lieber arbeiten als für noch mehr arbeitslose und unglücklich kinder zu demonstrieren oder haben das die katholen organisiert um die waisenhäuser wieder zu aktivieren"

    "Die religiösen Fanatiker arbeiten wie schon seit eh und je, auf möglichst viele neue Sponsoren zu. Zuerst Indoktrination, dann fett abkassieren - Taufe, Erstkommunion, Firmung, Hochzeit, Begräbnis, Kirchensteuer..."

    "Es war schon immer so daß sich gerade in unsicheren zeiten viele menschen GEGEN nachwuchs entschieden haben, dann herzugehen und gerade jetzt den menschen die möglichkeit zu nehmen dieser entscheidung auf erträglichem und menschenwürdigem weg zu folgen ist grotesk (eben zutiefst "katholisch")."
Der letzte Kommentar ist ganz klar mein Favorit, denn hier wird ohne großen Drumherumreden klargemacht, was Kirchenhasser und Abtreibungsfrende sich unter einem "menschenwürdigen Weg" vorstellen: Nicht etwa einen verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Sexualität innerhalb einer festen Zweierbeziehung, sondern munteres Herumgepoppe mit der Option auf "Mach das mal weg!", wenn's schiefging und man grade irgendwie keinen Bock auf Nachwuchs hat.

Menschenwürde = Blind den Trieben folgen und im Bedarfsfall das Leben im Mutterleib beenden. Klasse!

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Eines beweisen diese Kommentare ganz deutlich: Das Gewissen, dem man so viele Entscheidungen überlassen soll (etwa in sexualibus), darf man nicht voraussetzen - man muß es bilden. Das ist mühsam, geht nicht von heute auf morgen und der Erfolg ist nicht garantiert. Und das war im deutschsprachigen Katholizismus der letzten Jahrzehnte nun wirklich unpopulär. Da demonstrierte man in maßgeblichen Kreisen viel, viel lieber gegen einen Bischof, für die Pharma-Industrie (wer sonst sollte denn die Pille unters Volk bringen?) und ging einmal kurz Papst schauen, wenn der Hl. Vater gerade in der Gegend war. Gewissensbildung? Geistliches Leben? Vorkonziliar. Vorgestrig. Uninteressant. Die Folgen ernten wir nun.

Zwetschgenkrampus