Mittwoch, 26. September 2012

WOOOOOOOOOOW...

Ist das schlecht!

Josef Bordat hat schon einen Kurzverriß des diesseits.de-Artikels "Antisemiten und Homophobe marschieren für das Leben" geschrieben.

Der unvorstellbar dumme Titel ist auch schon die Visitenkarte, die der Autor abgibt. Und mir geht es daher ähnlich wie Josef Bordat: Ich habe weder Zeit noch Lust den Artikel im Einzelnen zu analysieren.

Aber eine Rosine muß ich rauspicken: In dem Artikel ist viermal von "selbt ernannten Lebensschützern" die Rede und zweimal von "vermeintlichen Lebensschützern". Hier ein Beispiel, welches sein FAIL gleich mitbringt:
    Schaut man aber genauer hin, wird deutlich, dass sich die vermeintlichen Lebensschützer immer stärker in die Ecke des Fundamentalismus und Radikalismus zurückziehen. Zum einen will man offenbar nicht als das wahrgenommen werden, was man ist – als religiöse Fundamentalisten. Immer wieder wird vor dem Kanzleramt betont, dass auch Menschen ohne christliches Fundament willkommen seien – die tief religiös verwurzelte Menge quittiert dies mit ratlosen Blicken. Zum anderen aber will man sich von dem Vorwurf des Rechtspopulismus befreien – ein Unterfangen, was in diesem Jahr so gar nicht gelingt.
Okay... Wo soll man anfangen? So wenige Zeilen, so viel ungläubiges Staunen...

Die "vermeintlichen" Lebensschützer ziehen sich also - laut Artikel - immer stärker in die Ecke des Fundamentalismus zurück. Das ist natürlich auch die logische Marschrichtung, wenn man nicht als das erkannt werden will, was man - ebenfalls laut Artikel - ist: Fundamentalist. Ich will nicht als "X" erkannt werden, also ziehe ich mich in die mit "X" beschriftete Ecke zurück. Sehr tief gesehen vom Autor. Tiefer noch der Blick in die einzelnen Gesichter inklusive Analyse der Mienen bzw Messung des Rat-Anteils in den Blicken.

Der Artikel verschwendet tausendmilliausend Zeilen darauf, zu erklären, wie rechtspopulistisch der ganze "Marsch für das Leben" ist. Dies ist allerdings nur der Aufhänger für eine Pointe: Denn eeeeeeeeigentlich - so weiß der Autor - wollen sich die Lebensschützer (selbst ernannt oder vermeintlich) ja vom Vorwurf des Rechtspopulismus befreien (Merke: Wenn du die Kühnheit aufbringst, jemandem des Selbst-Ernannt-Sein oder das Vermeintlich-Sein nachzusagen, dann darfst du auch erklären, was dieser jemand in Wirklichkeit ist und in Wirklichkeit will). Aber da betritt der Autor die Bühne und zeigt, daß dieser Befreiungsversuch in diesem Jahr so gar nicht gelingt. Denn der ganze "Marsch für das Leben" ist ganz arg doll rechtspopulistisch. Dies wird vom Autor bewiesen, indem er tausendmilliausend Zeilen darauf verschwendet, zu zeigen, wie rechtspopulistisch der "Marsch für das Leben" ist.

Oder, kürzer: Der "Marsch für das Leben" ist rechtspopulistisch. Beweis: Die Lebensschützer wollen sich vom Vorwurf des Rechtspopulismus befreien. Aber das gelingt nicht. Warum? Weil der "Marsch für das Leben" rechtspopulistisch ist.

Oder, noch kürzer: "A" ist "x", weil "A" nicht "x" sein will, aber trotzdem "x" ist.

Ich denke, an dieser Stelle darf man durchaus gratulieren...

Kommentare:

Marcus, der mit dem C hat gesagt…

Das ist die Konsequenz der Haltung des Autors:

Meinungsfreiheit bedeutet für ihn, daß man die Freiheit hat, seiner Meinung zu sein. Wenn nicht, dann kommt er mit der Homophobie- und Rechtsradikalen-Keule.

Nach gleichem Muster arbeiten die Antifa-BIs. Wer sich als Bürger oder katholische Gemeinde der Bildung eines bürgerlichen Schutzschildes für autonome Schlägerkommandos verweigert, der wird als Sympathisant der Neonazis gebrandmarkt. Und besonders demokratisch ist es mit gesetzeswidrigen Aktionen die (noch) demokratisch legitimierten Parteisympathisanten an der Ausübung der ihnen vom Grundgesetz garantierten Grundrechte zu hindern. Gelle, Herr Thierse?

Josef Bordat hat gesagt…

„Merke: Wenn du die Kühnheit aufbringst, jemandem des Selbst-Ernannt-Sein oder das Vermeintlich-Sein nachzusagen, dann darfst du auch erklären, was dieser jemand in Wirklichkeit ist und in Wirklichkeit will.“ - Das ist „Höhere Ontologie für Humanisten II“ (Pflichtkurs; kann nur ersetzt werden durch „Batik mit Naturfarben“ oder „Fettarm Kochen“).

Meine Lieblingsstelle ist die mit den Kreuzen: „Man will aber nicht zu sehr abschrecken, als radikal wahrgenommen werden, deshalb versuchte man es vor dem Bundeskanzleramt mit einem modernen und freundlichen Auftreten. Die Kreuze wurden erst für den Marsch durch Berlins Mitte rausgeholt.“ Das Kreuz wird verborgen – aus dem einzigen Grunde, die wahren Absichten zu verschleiern – und erst später – wenn die Luft rein ist und nicht mehr die Gefahr besteht, „zu sehr abzuschrecken, als radikal wahrgenommen zu werden“ – werden sie, die Kreuze, dann „rausgeholt“ und es offenbart sich dem „weltlichen Humanisten“ die „unmoderne und unfreundliche“ Fratze des Christentums in seiner ganzen Deutlichkeit: weiße Holzkreuze. Wobei: Das Kreuz als „Schrecken der Moderne“ – das ist ja schon fast ein Buchtitel.

So, Kaffeepause zuende.

LG, JoBo

Alipius hat gesagt…

"Das Kreuz als Schrecken der Moderne": Das ist mehr als ein Buchtitel. Das ist eine zwar nicht vollständige aber dennoch treffende Beschreibung eines großen Teils unserer Gesellschaft.

Phil hat gesagt…

Wie ich schon woanders geschrieben hab, ist es schon allein dreist, wenn "Humanisten" andere als Antisemitisch bezeichnen.

Oder hat Diesseits doch eines der Kernrituale des Judentums verteidigt?


Die Zweite Sache, die mich störte, war, daß kaum auf die Radikalität der Gegendemonstranten eingegangen wird. Da wird also das Schleppen eines weißen Kreuzes bemüht, um Radikalität zu unterstellen. Zugegeben, für krampfhafte Atheisten, die wahrscheinlich sogar Fenster zertreten würden, damit möglichst alles, was an Kreuze erinnert, aus ihrer Umwelt verschwindet, muß das wirklich grausam sein. Aber "Kondome, Spirale, Linksradikale!", "Hätt Maria abgetrieben wärt ihr uns erspart geblieben", "Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat" - das hat unser freundlicher Gottloser alles überhört? Knuffig.

Ich werd mal den atheistischen Freund fragen, der mitgelaufen ist, was er davon hält.

gerd hat gesagt…

>>Ich werd mal den atheistischen Freund fragen, der mitgelaufen ist, was er davon hält.<<

So, so da ziehen auch Atheisten mit? Das wäre doch mal einen Artikel wert. Rechtspopulistische Atheisten...... A ist X und Y und Y will nicht X und A sein ist aber trotzdem X. Ich verlier den Überblick.

U. P. hat gesagt…

Es gibt in der Tat viele sich als Agnostiker oder Atheisten bezeichende Menschen, die gegen diesen Abtreibungswahnsinn sind, (ebenso wie es nominelle Christen oder sogar Katholiken gibt, die die gängige Praxis verteidigen).

Ich würde mich sehr freuen, wenn es gelänge, das Bündnis entsprechend zu verbreitern, wie es in Italien dieses Jahr wohl gelungen scheint.

Daß ein jenseitiger Diesseitschreiberling dann behaupten könnte, diese As wären in Wirklichkeit auch solche As, die x sind u.s.w., wird wohl niemand ernsthaft abschrecken.

Schade, daß in Berlin kein Kamerateam z.B. von EWTN zugegen war, so daß man auch mal objektivere Reportagen zur Verfügung hätte, wo aber z.B. auch die Kreuzsymbolik erläutert würde, die, das sage ich ohne Bewertung, nun mal einfach nicht jedermanns Sache ist und, ich gebe Gespräche wieder, etliche sogar abhält, teilzunehmen.

Anonym hat gesagt…

Wann werde ich endlich in einer intelligenten Welt (IQ > 200) leben ohne diesen jahrtausendealten messianisch-beschnitten-traumatisierten Terror überall, d.h. ohne diesen jüdisch-christlich-muslimisch-kapitalistisch-kommunistisch-faschistisch-nationalsozialistisch-hypersozial-hypermedialen Schwachsinn überall?

Durchbrecht endlich diesen jahrtausendealten Teufelskreis und seid nicht mehr die Sklaven dieser dummen „jüdischen Tradition“ („Juden“ > „Christen“ > „Marxisten“ > „Nazis“ etc. ...).

Darum hatte Nietzsche recht mit seiner „Verjüdelung und Pöbelisierung“ überall (u.a. durch das jüdische Hollwood) – kein einziges starkes, perfekt ausgebildetes und stolzes Individuum weltweit…

Der Beweis, dass Beschneidung zur Traumatisierung führt, ist eben diese blutige und dumme jüdisch-christlich-muslimisch-protestantisch-kapitalistisch-kommunistisch-faschistische Geschichte der letzten 2000 Jahre selbst!

Alipius hat gesagt…

@ anonym (20.9.; 19:51): SUPER! Danke für diese Persiflage auf Kommentatoren, die sich hinter der Anonymität verstecken, und alle möglichen Begriffe, die sie irgendwann mal auf der Rückseite von Cornflakes-Packungen gelesen haben, zusammenwerfen!

Anonym hat gesagt…

@ anderer Anonym (der natürlich nicht mit mir identisch ist):

Wenn Sie weder Jude, noch Christ, noch Muslim, noch Kapitalist, noch Marxist, noch Kommunist, noch Faschist, noch Nazi sind, etwas gegen "das Soziale" und "Mediale" haben, was bleibt dann noch übrig? Asozialer Atheistenanarchist (oder kurz: AAA)?

Aber ganz ehrlich: Das ist ein derartiger Unfug, dass man schon fast glauben könnte, der Kommentar sei gefakt.


PS. Seit wann sind Protestanten keine Christen mehr, weil Sie sie zusätzlich zu den Christen im allgemeinen noch einmal besonders anführen? Oder waren hier, was ich angesichts solchen Gefasels von Intelligenz und "perfekter" Ausbildung ehrlich hoffe, vielleicht doch eher "Demonstranten" gemeint?

Anonym hat gesagt…

Der erste "Mensch", der eine willkürliche Grenze zwischen den Menschen gezogen hat ("ich Jude -- Du Muslim!"), hat ein noch schlimmeres Verbrechen begangen als jener Rousseausche "Mensch", der zum Zwecke seines Landbesitzes einen Pflock in den Erdboden gerammt hat...

Anonym hat gesagt…

Mit der Verschriftlichung von Religion ("Schriftreligion", "Schriftgläubigkeit") und dem Ende jeglicher Dialoge und Dialektik (und Gedächtnisse...) fing wohl der ganze Blödsinn an... (also spätestens mit den „Juden“ => „Christen“ => „Muslime“ => „Protestanten“ => „Kapitalisten“ => „Kommunisten-Marxisten“ => Nazis („Mein Kampf“) => etc etc etc.)
Und:
Glaubt ihr wirklich, Henryk M. Broder sei der End- und Höhepunkt jeglicher deutscher (!) Satire?
Da habt ihr euch aber gewaltig geirrt -- und Broder auch.

Denn: die WIRKLICHE Satire hat schon längst begonnen (Apocalypse2012) -- und zur Zeit bin ich perfekt im Zeitplan....