Freitag, 14. September 2012

Wo kommt eigentlich dieser Brauch her,...

... bei einer katholischen Beerdigung zu Ehren des Verstorbenen das Lied "My Way" von Frank Sinatra zu spielen?

Als Begleitmusik zum Sich-vor-den-Richterstuhl-Gottes-Begeben der vielfache Hinweis darauf, wie sehr man alles im Leben auf seine (anstatt auf SEine) Art gemacht hat?

Ich meine, könnte man dann nicht direkt das "Non serviam" irgendwie schick vertonen?

Kommentare:

Geistbraus hat gesagt…

My Way gelingt das Kunststück, die Selbstbezogenheit des Menschen in Text, Musik und Vortrag dermaßen zu überhöhen, dass sie sich selbst (dem Anschein nach) zu transzendieren beginnt.

Die Emergenz von Religion, sozusagen.

Das erleben viele Menschen natürlich gerne in jenem Moment, wo sie sonst daran erinnert würden, dass sie nur Staub sind und, da glaubenslos, mit dem Tod ins Nichts zurückfallen würden.

KingBear hat gesagt…

Ich habe den Song erst einmal bei einer Beerdigung gehört - einer evangelischen. Als Charakterisierung des Lebenswegs des Verstorbenen war es irgendwie stimmig, aber überrascht war ich doch. Zumal ich im Vorfeld gebeten worden war, Vorschläge für die musikalische Gestaltung der Trauerfeier zu machen. Ich hatte "Ain't no mountain high enough" vorgeschlagen...

eumloquatur hat gesagt…

So viel ich weiß ist My Way aber das am meisten auf Beerdigungen gespielte Lied. So grotesk das auch ist...

Cassandra hat gesagt…

das muss was Regionales sein. Das habe ich noch auf keiner Beerdigung gehört.

Hat vielleicht was mit dem Zapfenstreich für Bundeskanzler Schröder zu tun- er liess es spielen und in den Köpfen setzte sich fest: "Ah, das spielt man also wenn man geht"


"One moment in time" als Kommunionsorgelspiel finde ich gewöhnungsbedürftig- geht das noch jemandem so?

Anonym hat gesagt…

Wohne neben einem Friedhof in der Umgebung von Wien & hab's auch schon das eine oder andere Mal gehört.

Wenn's bei mir soweit ist, werde ich allerdings auf dem "Marschmarsch"-Signal der k.u.k.-Armee bestehen: Hoppla, hier komm' ich!

Zwetschgenkrampus

KingBear hat gesagt…

@Cassandra: Zur Kommunion gab's in "meiner" Kirche unlängst einmal "Nothing else matters" von Metallica (auf der Gitarre gezupft). Auch nicht unbedingt eine naheliegende Wahl...

(Aber das führt jetzt etwas vom Thema weg. Pardon.)

Raphaela hat gesagt…

My Way auf Beerdigungen ist mir zwar bisher (Gott sei Dank) erspart geblieben, aber irgendwie riecht das für mich nach reflexhafter Drohbotschaftsübertönung. Denn wir kommen doch eh alle, alle, alle in den Himmel, weil wir zu Lebzeiten so konsequent unser eigenes Ding durchgezogen haben, nicht?

Imrahil hat gesagt…

An sich bin ich ja dagegen, grundsätzlich in jedem Ausdrcuk von Freiheit gleich buchstäblich den Teufel an die Wand zu malen...

aber...

auf Beerdigungen gehört grundsätzlich kein modernes Lied. Nothing else matters zur Kommunion find ich jetzt an sich gar nicht so übel, wie gesagt, aber irgendetwas anderes als Klassik, ein gregorianisches Dies irae oder allenfalls noch einmal ein "Ich hatt einen Kameraden", ein kleiner kurz angespielter Marsch oder vielleicht noch "Auld Lang Syne" (ob wohl ich das letztere, so gut es passen würde, noch nie gehört habe), muß vor dem mächtigsten aller Argumente zurückweichen:

dem "wo kämen wir denn da hin? das haben wir ja noch nie so gemacht. Und überhaupt: Da könnte ja ein jeder kommen".

Das mag übrigens humorvoll gesagt sein, spiegelt aber echt meine Gefühle wieder...

Momentmal: nein, "When the Man comes around" wird genehmigt. Könnte also doch was mit dem Inhalt zu tun zu haben.

Aber weniger - wenn ich darüber nachdenke - weil "My Way" ein non-serviam wäre, sondern weil es *weder* mit Trauer *noch* mit Eschatologie etwas zu tun hat. (Vgl. dagegen eben den Guten Kameraden; da sieht man den entscheidenden Unterschied.)

kalliopevorleserin hat gesagt…

"And not the words of one who kneels." auf einer christlichen Beerdigung? Find ich befremdlich.
Überhaupt ist der Text ja die pure Selbstbespiegelung.

Bei mir bitte "Wenn ich einmal soll scheiden", und zum Abschluß "Christ ist erstanden". (Letzteres war der Schlußchoral bei der Beerdigung einer Kommilitonin, sehr bewegend und passend.)